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"Wir können nicht alles, aber Deutsch."

Dr. Ruth Geier bietet seit zehn Jahren eine Sprachberatung an der TU Chemnitz an

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Die Sprachberatung von Ruth Geier ist international gefragt. Fotomontage: TU Chemnitz/Wolfgang Schmidt

"Wir können nicht alles, aber Deutsch", so lautet das Motto der Sprachberatung der TU Chemnitz. Orthografie, Grammatik und Stilistik - mit Sprache kennt sich Dr. Ruth Geier aus. Sie und das Studententeam der Sprachberatung beantworten Fragen rund um den deutschen Sprachdschungel. Die zehn Studenten belegen den Studiengang Medienkommunikation an der TU Chemnitz. Wird das Anredepronomen "du" nun groß- oder kleingeschrieben? Das ist eine der typischen Fragen, die die Sprachberatung fast täglich erhält. Dabei kommen die Unklarheiten aus aller Welt - aus Essen und Köln, aber selbst aus Korea, Japan und Brasilien erreichen die Sprachwissenschaftlerin Anfragen. Auch das Chemnitzer Radio T schickt regelmäßig Fragen an die Sprachexpertin. Dr. Ruth Geier studierte Deutsch und Latein an der Universität Leipzig. Seit nunmehr zehn Jahren betreibt sie die Sprachberatung an der TU Chemnitz. Neben dieser ehrenamtlichen Tätigkeit arbeitet Geier an der Professur Medienkommunikation.

"Telefonanfragen haben sich im Laufe der zehn Jahre auf E-Mails umgestellt", so die Sprachberaterin und ergänzt: "Es kommen jeden Tag drei bis vier E-Mails an." Zudem ist immer donnerstags von 12 bis 13.30 Uhr ein Beratungstelefon geschaltet. Die häufigsten Fragen betreffen die Kommasetzung beim erweiterten Infinitiv, Groß- und Kleinschreibung von Anredepronomen und das Fugen-s bei zusammengesetzten Begriffen, wie es in "Arbeitstag" zu finden ist. "Probleme treten auch bei Dialektismen auf. Fragen zu sächsischen, rheinischen oder norddeutschen Begriffen sind auch keine Seltenheit", sagt Geier. Sie gibt zudem Auskunft über die Herkunft von Wörtern.

"Die Beschäftigung mit der Sprache ist für mich immer was Spannendes", freut sich Geier. Neben ihrer Sprachberatung hatte sie zusammen mit dem Sprachkünstler Wiglaf Droste im MDR-Figaro Sprachsprechstunden gegeben. Bei Unsicherheiten empfiehlt sie immer: "Wenn man einen Text geschrieben hat, sollte man ihn zwei bis drei Tage liegen lassen und erst später wieder zur Hand nehmen. Ansonsten überliest man seine eigenen Fehler." Wenn Geier sprachlich nicht mehr weiter weiß, schlägt sie im Grimmschen Wörterbuch im Internet oder in üblichen Duden-Ausgaben nach. Das rät sie allen, die mit den Tücken der deutschen Sprache zu kämpfen haben.

"Viele Zweifelsfälle sind auch erst mit der Rechtschreibreform gekommen", sagt Geier. "Die Nachbesserung der Reform 2004 hätte man weglassen können. Jetzt sind nicht alle Regeln eindeutig umsetzbar", so die Sprachexpertin weiter. Zum Beispiel ist die Kommasetzung nicht konsequent geregelt. Zwischen Haupt- und Nebensätzen muss ein Komma stehen. Aber beim erweiterten Infinitiv kann der Fall eintreffen, dass man ein Komma setzen kann, aber nicht muss. Das scheint dann jedem selber überlassen.

"Die Sprache befindet sich in einem permanenten Wandel", meint Geier. Sie beobachtet einen Trend zur Vereinfachung der Sprache, was aber in der heutigen Zeit der SMS kein Wunder sei. "Es ist erstaunlich, wie viele Menschen sich Gedanken über die Sprache machen", ergänzt die Sprachwissenschaftlerin. Da ist sie vor allem über große Unternehmen verärgert, die viel Geld in Kampagnen investieren und trotzdem fehlerhafte Werbung erbringen. "Man kann dort schon verlangen, dass die Sprache richtig angewendet wird", kritisiert die Sprachberaterin und beobachtet: "Auch Medien gehen nachlässig mit der Sprache um." Zum Beispiel hatte das Sächsische Innenministerium eine Aktion gegen Ausschreitungen bei Fußballspielen unter dem Motto "Randale schadet Sachsen" gestartet und dabei übersehen, dass Randale die Mehrzahl ist, erklärt Geier.

Ende Oktober werde sie Orthografiekurse für den Career Service der TU Chemnitz anbieten, verrät Geier. In vergangenen Kursen haben viele Studenten, von Wirtschaftswissenschaftlern bis Maschinenbauern, diese Gelegenheit genutzt, um sicherer im Umgang mit der Sprache zu werden. Es wird kommendes Semester auch wieder zweimal für Studierende das Angebot geben, seine Bewerbungsschreiben in der Sprachberatung auf Stil und Rechtschreibung überprüfen zu lassen.

Weitere Informationen zur Sprachberatung: http://www.sprachberatung.tu-chemnitz.de

(Autorin: Melanie Schumann, Praktikantin in der Pressestelle)

Katharina Thehos
02.08.2010

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