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Die Idee der Nation und die Entwicklung einer nationalen Mythologie

Der Gemeinsinn der Angehörigen einer Nation, die nach Benedict Anderson[1] als imaginierte Gemeinschaft (imagined community) zu verstehen ist, basiert insbesondere auf einem idealisierten gemeinsamen Ursprung. Der französische Wissenschaftler Dubois[2] merkt dazu an, dass Gründungsmythen in Zusammenhang mit der Herausbildung einer Nationalidentität stehen und in ein Geflecht aus Geburt, Nation und Identität eingebettet sind. Die Bedeutungsähnlichkeit von 'Geburt' und 'Nation' wird in dem gemeinsamen Ursprung im lateinischen Wort natus deutlich. Beide Begriffe beziehen sich auf die Entstehung und Erschaffung von etwas Neuem. Gründungsmythen sind somit das Fundament, ein Grundstein kollektiver Identitätsbildung. Diese architektonische Metapher zeigt die Wichtigkeit von Gründungsmythen bei der Konstruktion einer nationalen Identität: Wie ein Gerüst eines stabilen Gebäudes ermöglichen sie das Wachstum alles Geschaffenen.

Auch im portugiesischen kollektiven Gedächtnis sind Gründungsmythen fest verankert. Ihre Aktualisierung in Form von Denkmälern oder Bauwerken manifestiert sich im offiziellen Diskurs. Die Geburt der portugiesischen Nation vor rund 800 Jahren ist heute wie früher ein fester Bestandteil der portugiesischen Identität. Anhand dreier Erinnerungsorte lässt sich die 'Geburtsstunde' der Nation verdeutlichen:




[1] Vgl. Anderson 1994.
[2] Vgl. Dubois 1991: 33ff.



Bibliografie:

  • Anderson, Benedict (1994): Imagined Communities. Reflections on the Origin and Spread of Nationalism. London, New York: Verso.
  • Dubois, Claude-Gilbert (1991): "Mythologie des origines et identité nationale" in: Bethencourt, Francisco/Curto, Diogo Ramada (Hrsg.), A memória da Nação. Lisboa: Sá da Costa, 31-48.