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Pressemitteilung vom 26.05.2004

"3 Tage Hotel und 3 Kaffee - 3,90 Mark"

"3 Tage Hotel und 3 Kaffee - 3,90 Mark"
TU-Archiv erhält 107 Jahre alte Tagebücher und Studienunterlagen

Stephan Luther, Leiter des Universitätsarchivs der TU Chemnitz, hatte in dieser Woche allen Grund zur Freude: Das aus dem westfälischen Minden angereiste Ehepaar Nissen überließ dem Archiv Studiendokumente von Wilhelm Hinrich Hoffmann, Großvater von Sönke Nissen.

Im Jahre 1897 war Wilhelm Hinrich Hoffmann an der Königlich Sächsischen Werkmeisterschule Chemnitz per Handschlag vom Schulleiter immatrikuliert worden. Aus dem hohen Norden, aus Kiel hatte der 20-Jährige nach Sachsen gefunden, um eine Ausbildung in Technischer Mechanik zu erhalten. Der Vater, im Holsteinischen Bezirksschornsteinfegermeister, musste das Studium seines Filius finanzieren - darunter auch ein Schulgeld von 30 Mark pro Semester. Wenn man bedenkt, dass ein Bier lediglich zehn Pfennige kostete und die dreitägige Übernachtung im Hotel einschließlich Kaffee nur 3,90 Mark, dann waren das schon enorme Studiengebühren. Da wollte Vater Hoffmann im fernen Kiel natürlich genau wissen, dass das Geld in den Sohn auch gut investiert war. Haarklein musste Wilhelm Hinrich seine Ausgaben aufschlüsseln - das dem Universitätsarchiv überlassene Tagebuch aus der Studienzeit zeugt davon. Auch der Wohnort des Studenten in Chemnitz lässt sich anhand der kleinen schwarzen Kladde nachvollziehen: Auf dem Brühl logierte er, bei Witwe Schön, für 13 Mark monatlich.

Wilhelm Hinrich Hoffmann war ein guter Student. In den Zeugnisunterlagen, die dem Archiv ebenfalls übergeben wurden, überwiegen die Noten 1 ("vorzüglich") und 1b ("sehr gut"). Ohne Probleme fand er denn auch nach anderthalb Jahren Lernen in Chemnitz eine Stelle als Turbinenbauer auf einer Kieler Werft. Dem Schiffbau blieb er bis zum Eintritt in die Rente treu.

Auch Studienmitschriften Hoffmanns gingen in den Besitz des Uni-Archivs über. Für Stephan Luther sind diese Unterlagen besonders interessant: "Das Mitgeschriebene ist ja beinahe ein 1:1-Abbild dessen, was damals gelehrt wurde", erklärt er. Wissenschaftshistoriker könnten anhand der Aufzeichnungen erkennen, wie schnell wissenschaftliche Erkenntnisse in die Lehrpraxis eingegangen sind. In Hoffmanns Unterlagen fänden sich zum Beispiel Belege dafür, dass die noch sehr wenig entwickelte Elektrotechnik damals schon Lehrplaninhalt in der Chemnitzer Werkmeisterschule gewesen sei.

1984 hatte Familie Nissen die Zeugen des großväterlichen Studiums entdeckt und wollte sie zunächst für die eigenen Kinder und Enkel aufbewahren - "falls jemand von ihnen mal in die technische Richtung geht". Da dies nun nicht der Fall sei, habe man sich zur Übergabe an das Universitätsarchiv entschlossen, nicht ohne vorher Kopien zu machen. Alle überreichten Dokumente befinden sich in einem guten Zustand. Und die Mitschriften sind so sauber und ordentlich, dass sich so mancher computerverwöhnte Student unserer Tage daran ein Beispiel nehmen könnte. "Die Akribie des Schreibens und Rechnens hat mein Großvater hier in Chemnitz gelernt", weiß Sönke Nissen, "und die hat er Zeit seines Lebens beibehalten, manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu sehr." Für das Universitätsarchiv jedoch ist soviel Ordnung ein Glücksfall.

Hinweis für die Medien: Ein themenbezogenes Foto können Sie in der Pressestelle anfordern.


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