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Luther, Stephan (Gesamtleitung): Von der Kgl. Gewerbschule zur Technischen Universität. Die Entwicklung der höheren technischen Bildung in Chemnitz 1836-2003. Chemnitz: Eigenverlag, 2003. ISBN 3-00-012225-7 |
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Vorwort
Als die TU Chemnitz-Zwickau im Oktober 1995 nach langen Jahren der Vakanz erstmals wieder einen hauptamtlichen Leiter ihres Archivs einstellen konnte,
stand anderes im Vordergrund, als über Konzeption und Realisierung einer Geschichte der Technischen Bildungsanstalten in Chemnitz nachzudenken.
Es ging zunächst und vor allem um das Sichern von Unterlagen und Akten unterschiedlichster Provenienz, um die Eingliederung von Archiven ehemalig
selbständiger "Schulen" bzw. Dependancen der "Höheren technischen Bildungsanstalten" in Südwestsachsen. Die Alt-Bestände, die nach 1989 in die
Magazine des Archivs wanderten oder dort das rettende Ufer ihres Erhalts erreichten, mussten gesichtet, geordnet und für eine spätere Benutzung
aufbereitet werden. Dazu kam als alltägliches Geschäft die Einordnung der ersten Abgaben aus den Jahren der Nachwende-Zeit.
Sehr rasch wurde indes deutlich, dass Lücken in der Überlieferung zu schließen waren. Das betraf vor allem die Jahre, in denen Chemnitz als
Karl-Marx-Stadt die Hochschule für Maschinenbau, die Technische Hochschule und schließlich, seit 1986, die Universität beherbergt hatte. Die Idee,
für eine - möglicherweise doch in absehbarer Zukunft zu schreibende - Geschichte der Universität und ihrer Vorgängereinrichtungen neue Materialien
zu erschließen und, um das schriftliche Archivgut zu ergänzen, auch und vor allem Zeitzeugen zu befragen, stand am Beginn eines Projekts, dessen Ergebnis
jetzt, rechtzeitig zum 50. Jubiläum der Hochschule für Maschinenbau Karl-Marx-Stadt, vorgelegt werden kann. Entstanden ist eine Überblicksdarstellung in
einem überschaubaren Band, mit dem Vorzug, erstmals kritisch aus den Quellen erarbeitet worden zu sein.
Es gab weiterreichende Überlegungen, die auf eine "große" Darstellung, unter ausführlicher Einbeziehung der Geschichte auch der jeweiligen Fachgebiete,
Fakultäten und Sektionen zielten und die zum Jubiläum 2011 unter dem Titel "175 Jahre Ingenieurausbildung in Chemnitz" hätte vorgelegt werden sollen.
Diese Pläne sind rasch - und nicht nur wegen mangelnder Ressourcen - zurückgenommen worden. Der Rückblick auf die Geschichte der Universität,
einschließlich der 1990er Jahre sollte nicht zu lange hinausgeschoben werden, um mit der Darstellung ein Stück jener wissenschaftlichen Kontinuität
verdeutlichen zu können, ohne die die jetzige TU Chemnitz nicht die Anerkennung gefunden hätte, die ihr in der heutigen nationalen und internationalen
Universitätslandschaft zuteil wird. Zwar hat den Hochschulen und Universitäten in der DDR die für eine unabhängige Forschung unerlässliche Autonomie
gefehlt - sie wurde, spätestens seit der III. Hochschulreform 1968, durch Bevormundung und Kontrolle ersetzt. Gleichwohl aber haben die Wissenschaftler,
trotz häufig unzureichender materieller Ausstattung, durch persönliches Engagement nicht nur den Anschluss an die internationale wissenschaftliche
Entwicklung zu wahren, sondern immer wieder auch neue Maßstäbe zu setzen vermocht.
Es bleibt zu hoffen, dass die vorgelegte Publikation auch etwas von der Aufbruchstimmung vermittelt, die an der TU Chemnitz nach der politischen
Wende von 1989/90 geherrscht und die dazu beigetragen hat, eine Weiterentwicklung ohne Verzicht auf Bewährtes zu ermöglichen. Es ist deshalb allen zu
danken, die am Gelingen dieser Selbstbeschreibung in durchaus nicht unkritischer Absicht beteiligt waren. Besonders hervorzuheben bleiben natürlich die
Autoren, die die Kärrnerarbeit geleistet haben, Dipl.-Archivar Stephan Luther, Dr. Hans-Joachim Hermes und Wolfgang Lambrecht sowie Frau Dr. Dagmar
Szöllösi, die sich der mühevollen Arbeit der Lektorierung unterzogen hat.
Der vorliegende Band spiegelt einen wichtigen Teil sächsischer Bildungs- und Wissenschaftsgeschichte im Chemnitzer Raum wider. Er hat auch deshalb
Leser nicht nur aus dem eigenen Haus verdient.
Prof. Dr. Günther Grünthal
Rektor der TU Chemnitz
Einleitung
Die Hochschulgeschichtsschreibung ist in der jüngsten Zeit verstärkt in das Blickfeld der wissenschaftshistorischen Forschung gelangt. Eine ganze Reihe
von Darstellungen zur Hochschulgeschichte sind erschienen bzw. befinden sich in Vorbereitung. 1 Noch immer aber weist die Erforschung der Geschichte
deutscher Universitäten erhebliche Lücken auf und das gilt im besonderen Maße für die Hochschulgeschichte der DDR. Häufig waren Jubiläen Anlass für
die Herausgabe einer Geschichte der jeweiligen Einrichtung; ebenso häufig aber überlagerten politische Vorgaben eine ernsthafte, kritische
Auseinandersetzung. Dass es bislang an einer intensiven und an den Quellen orientierten Aufarbeitung der Umbruchszeit nach 1989 fehlt, überrascht
dagegen kaum. Hier bleibt ohnehin noch viel zu tun.
In Chemnitz war die Situation ähnlich. Die letzte, 1986 zum 150jährigen Jubiläum der Ingenieurausbildung und aus Anlass der Statuserhebung in den
Rang einer Universität erschienene Darstellung war der damaligen Zeit doch sehr verhaftet. Auf eine Benutzung archivalischer Quellen ab den sechziger
Jahren, etwa auf die Bestände zur dritten Hochschulreform, wurde fast gänzlich verzichtet. Auch die Darstellung der Zeit vor 1945 war stark von
politischen Vorgaben geprägt. Die erfolgreiche Entwicklung der Akademie in Chemnitz in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts
erschien als Folge ihrer "Vereinnahmung durch den Imperialismus", und der Widerstand an der Akademie während der NS-Zeit wurde ausführlich dargestellt,
obwohl es einen Widerstand in nennenswerter Weise nicht gegeben hat.
Alle umfassenderen Darstellungen zur Geschichte der Staatlichen Akademie für Technik Chemnitz bzw. deren Vorläufer erschienen zu Jubiläen. Weder
Schnedermann, noch Domsch oder Opitz weisen allerdings ihre benutzten Quellen nach. Dennoch bieten sie einen guten Überblick über die Entwicklung der
Einrichtung bis zum 100. Jubiläum im Jahr 1936. Die unter Ludloff verfasste Geschichte der Hochschule im Jahre 1963 zeichnete sich dagegen durch
intensive Quellenarbeit aus. Allerdings mindern auch hier politische Akzentsetzungen den Wert der Darstellung.
2003 jährt sich die Gründung der Hochschule für Maschinenbau Karl-Marx-Stadt zum fünfzigsten Mal. Dieses Jubiläum wurde vom Universitätsarchiv
zum Anlass genommen, eine Neubearbeitung der Geschichte der Universität anzuregen. Im Herbst 2000 übertrug das Rektorat der Technischen Universität
Chemnitz dem Leiter des Universitätsarchivs die Aufgabe, eine Überblicksdarstellung der Chemnitzer Hochschulgeschichte zu verfassen. In einer kleinen
Projektgruppe arbeiteten meist nur zwei Wissenschaftler. Weil der Archivleiter zugleich der Projektgruppe vorstand, konnten darüber hinaus wenigstens
die - allerdings knapp bemessenen - materiellen und personellen Ressourcen des Universitätsarchivs einbezogen werden.
Aufgrund der Forschungslage und der vorliegenden Literatur lag es nahe, die geplante Chemnitzer Hochschulgeschichte - soweit wie möglich -
quellennah zu schreiben. Der Untersuchung liegen vor allem die Bestände des Universitätsarchivs, der Staatsarchive in Chemnitz und Dresden, des
Bundesarchivs Berlin, der Außenstelle Chemnitz des Archivs der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen
DDR sowie des Stadtarchivs Chemnitz zu Grunde.
Der Bogen der Darstellung spannt sich von der Gründung der Königlichen Gewerbschule in Chemnitz im Jahre 1836 bis in die Gegenwart der Technischen
Universität Chemnitz. Trotz der Beteiligung mehrerer Wissenschaftler als Autoren ist versucht worden, die Kohärenz zwischen den einzelnen Kapiteln
zu wahren. Die Kapitel sind dementsprechend möglichst gleichartig aufgebaut und sachlich strukturiert. Die chronologische Gliederung wird jeweils
durch eine, auf vier thematische Komplexe konzentrierte inhaltliche Schwerpunktsetzung ergänzt. Diese beziehen sich auf die Entwicklung der Strukturen,
der hier beheimateten Wissenschaftsdisziplinen, der Baulichkeiten und schließlich auf den Kreis der Akteure, die das Ganze als Lehrende oder Lernende
mit Leben erfüllen. Darüber hinaus wurde der allgemeine politische und gesellschaftliche Kontext zu berücksichtigen versucht, ohne den viele
inneruniversitäre Ereignisse und Abläufe nicht erklärbar gewesen wären.
Um eine Lesbarkeit der Gesamtdarstellung sowie die Einhaltung des knapp bemessenen Umfangs zu gewährleisten, mussten sich die Autoren auf
wesentliche Inhalte beschränken. Personen oder wissenschaftliche Leistungen an der Einrichtung werden nur exemplarisch genannt. Eine umfassendere
bzw. auch spezielle Darstellung muss einer späteren Arbeit vorbehalten bleiben. Als möglicher Anlass böte sich das 175jährige Jubiläum der
technischen Ausbildung in Chemnitz im Jahre 2011 an.
Die Publikation richtet sich vorrangig an ehemalige und gegenwärtige Angehörige der Universität aber auch an den historisch interessierten Leser.
Die im Anhang vorgelegten Übersichten zu Strukturen, Personal- und Studentenstatistiken sind neu erarbeitet worden. An einigen Stellen mussten der
Übersichtlichkeit halber bestimmte Verknappungen in Kauf genommen werden. So sind bei den Schüler- bzw. Studentenstatistiken nur die Direktstudenten
aufgenommen worden. Die vielen anderen, manchmal nur für einen kurzen Zeitraum praktizierten Studienformen konnten so keine Berücksichtigung finden.
Ein Personenregister erfasst alle im Text genannten Personen. Dabei wurden - wo immer möglich - die Lebensdaten sowie Angaben zur Tätigkeit hinzugefügt.
Bei hiesigen Professoren wurde die Hochschulbezeichnung nicht gesondert genannt. Nicht erschließbare Todesdaten von Personen, die vor 1900 geboren
wurden, sind mit einem Fragezeichen gekennzeichnet. Auf ein Sachregister musste aus Kapazitätsgründen leider verzichtet werden.
Die Quellenangaben in den Endnoten wurden bewusst etwas umfangreicher gehalten, um die Nachnutzung zu erleichtern, während die Literaurangaben
nur in Kurzform aufgeführt sind. Die vollständigen Angaben können dem Literaturverzeichnis entnommen werden. Dort fanden auch einige Überblickswerke
Eingang, die zwar benutzt wurden, aber in den Endnoten keinen Niederschlag gefunden haben. Die nachgewiesenen Interviews liegen in schriftlicher Form
vollständig und autorisiert in der Dokumentation des Universitätsarchivs vor. Für die Zeit bis 1945 konnte auf einen Professorenkatalog in Form einer
Datenbank zugegriffen werden, der im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des Arbeitsamtes Chemnitz im Universitätsarchiv erstellt wurde. Die
Bildauswahl erfolgte im Wesentlichen aus dem Bestand der Fotosammlung des Universitätsarchivs. In mehrjähriger Arbeit wurde ebenfalls durch eine
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eine Datenbank mit ca. 10.000 verzeichneten Motiven aufgebaut, die eine hervorragende Grundlage zur Nutzung von weitgehend
unveröffentlichten Fotos bildete. Der Einzelnachweis der Fotos in der vorliegenden Publikation erfolgt nur in Verbindung mit dem Bild selbst.
Allen Archivarinnen und Archivaren der benutzten Archive gilt unser Dank für die häufig auch unkonventionelle Unterstützung. Herrn Jörg Pfeifer
M.A. sei für die Umsetzung der Übersichten und Schemata gedankt und nicht zuletzt all denen, die uns mit ihren Hinweisen und Ratschlägen weitergeholfen
haben. Insbesondere danken wir Herrn Prof. Dr. Günther Grünthal und Herrn Prof. Dr. Günther Hecht für die kritische Durchsicht der Textentwürfe.
Stephan Luther, September 2003