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Sächsische-tschechische Beziehungen unter die Lupe genommen

Letzte Fachkonferenz der Sächsisch-Tschechischen Hochschulinititative fand in Plauen statt - Bilanzveranstaltung folgt Ende Mai

"Der Blick ging wie selbstverständlich immer über die Grenze - auch bei den Themen, bei denen es im ersten Moment nicht unbedingt zu erwarten gewesen wäre." Dieses positive Fazit zog Prof. Dr. Miloš Řezník, Inhaber der Professur für Europäische Regionalgeschichte, am Ende der internationalen Konferenz "Sächsische-tschechische Beziehungen im Wandel der Zeit". Sie hatte vom 16. bis 18. Februar 2012 als letzte Fachtagung im Rahmen des Ziel 3-/Cíl 3-Projekts "Sächsisch-Tschechische Hochschulinititative" (STHI) in Plauen stattgefunden. Eine "Bestandsaufnahme" des sächsischen-böhmischen Verhältnisses war angestrebt worden. Dieses Ziel konnte auch erreicht werden: "Die Konferenz hat in gelungener Art und Weise aktuelle Forschungsthemen und -methoden aufgezeigt sowie unterschiedliche Teildisziplinen zusammengebracht", resümierte Řezník weiter. Der Chemnitzer Historiker hatte die Tagung gemeinsam mit Prof. Dr. Frank-Lothar Kroll, Inhaber der Professur für Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, vorbereitet. 15 Wissenschaftler aus Deutschland, Tschechien und Polen stellten dabei vor 70 Teilnehmern im Plauener Hotel "Alexandra" ihre Forschungsergebnisse vor.

Prof. Dr. Martina Schattkowsky, Leiterin des Bereichs Geschichte am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e. V. in Dresden, sprach über adlige Herrschaftsträger in Sachsen und Böhmen in der Frühneuzeit. In ihrer Mikroanalyse der Herrschaftspraxis Günther von Bünaus (1604-1659) stellte sie strukturelle Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen beiden Ländern heraus und zeigte, dass eine scharfe Abgrenzung historisch nicht haltbar ist. Zu diesem Befund kam auch Marketá Tautrmanová (Teplice/Teplitz), die zahlreiche kulturelle Kontakte zwischen dem Prager Ständetheater und dem Dresdner Hoftheater im 19. Jahrhundert nachwies. Der Komponist und Dirigent Carl Maria von Weber (1786-1826) etwa war an beiden Häusern tätig. "Sein `Freischütz´ wurde sogar eher in Prag als in Dresden aufgeführt", erläuterte die Kulturwissenschaftlerin. Auch Chemnitzer Historiker waren als Vortragende an der Konferenz beteiligt. Prof. Dr. Rudolf Boch, Inhaber der Professur für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, stellt die Ergebnisse eines kürzlich abgeschlossenen Drittmittelprojekts zur Geschichte der Wismut AG vor und zog Vergleiche zwischen den sächsischen und böhmischen Uranbergbaugebieten. Die polnische Wissenschaftlerin Ewelina Wanat, Doktorandin an der Professur für Europäische Regionalgeschichte, befasste sich mit der "Lausitz im polnischen und tschechischen politischen Diskurs im 20. Jahrhundert". Und Martin Munke, Wissenschaftliche Hilfskraft bei der STHI und der Professur für Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, warf einen Blick auf die sächsisch-böhmischen Beziehungen im Spiegel von deutschsprachigen Reiseberichten aus dem 19. Jahrhundert.

Die Tagung war die letzte von insgesamt neun Fachtagungen im Rahmen der STHI. Ein Konferenzband ist bereits in Vorbereitung und soll bald die Reihe "Chemnitzer Europastudien" ergänzen. Eine Gesamtbilanz der vergangenen drei STHI-Projektjahre wird dann am 25. Mai 2012 an der Partneruniversität in Ústí nad Labem/Aussig gezogen.

Weitere Informationen erteilt Ilona Scherm, Telefon 0371 531-34503, E-Mail ilona.scherm@phil.tu-chemnitz.de.

(Autor: Martin Munke)

Katharina Thehos
20.02.2012

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