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Klostergemeinschaften waren - durch Stiftung, Schenkung und Mitgiften, sowie als Lehensträger - oft bedeutende Grundherren, und dieser Besitz mußte bearbeitet und verwaltet werden. Die verschiedenen Typen von Klöstern, je nach Orden, legten unterschiedlich großes Gewicht auf Landwirtschaft, was sich z.B. in dem Maß zeigte, in dem die verschiedenen Ordensangehörigen selber mit Hand anlegten. Die Zisterzienser bauten das Konversentum aus, um die um das Kloster gelegenen Grangien (Wirtschaftshöfe) ohne Beeinträchtigung der Teilnahme der Mönche an den Gottesdiensten führen zu können. In den meisten Ordensgemeinschaften gab es Konversen für die schwere Handarbeit; vom Kloster weiter entfernt gelegene Höfe wurden oft von Hörigen bewirtschaftet, aber häufig wurden auch hierfür Konversen eingesetzt. Doch die Mönche der meisten Orden arbeiteten ebenfalls, getreu der benediktinischen Formel ora et labora (bete und arbeite) bei der Ernte und der Weiterverarbeitung mit, wenn Arbeitskräfte benötigt wurden. Insbesondere die Zisterzienserklöster wurden, indem sie in schlecht erschlossenen Gebieten gegründet wurden, zu Kulturträgern der landwirtschaftlichen Methoden. Unter anderem trugen die Zisterzienser zur Verbreitung der Dreifelderwirtschaft bei. Es finden sich aber auch in Klöstern anderer Orden Hinweise auf fortschrittliche landwirtschaftliche Methoden, so zum Beispiel beim Benediktinerkloster Chemnitz. In einer Urkunde vom Beginn des 15. Jahrhunderts wurde festgelegt, daß die Zehntpflichtigen des Klosters ihre Äcker in mindestens vier Teile aufzuteilen hatten.2
Der Getreidebau erfolgte meistens im Fruchtwechsel zwischen Sommer- und Winterfrucht. Unter Wintergetreide sind Weizen und Roggen, unter Sommerfrucht Hafer, Gerste und Hülsenfrüchte zu verstehen. Zwischendurch blieb das jeweilige Feld brach liegen.
Viele Klöster mahlten das auf ihren Gütern geerntete Korn in eigenen Mühlen. Oft lagen diese unmittelbar auf Klostergebiet, z.B. eine der Mühlen von Altzella. Der tiefe Mühlgraben, dessen Wasser diese Mühle antrieb, war künstlich angelegt worden. Erstellt nur einen Teil der, auch in Altzella vorhanden gewesenen, wasserwirtschaftlichen Anlagen dar, für deren geschickte Anlegung die Zisterzienser bekannt sind. Man kann Reste des Mühlgrabens im heutigen Klosterpark sehen, die allerdings verändert wurden, als der Park angelegt wurde. Zwei Mauern mit relativ kleinen, rundbogigen Durchlässen dürften im früherer Zeit zur Stauung des Wassers gedient haben, wobei das Mühlrad hinter der zweiten angebracht war. Mühlen sind im Klosterplan von St. Gallen vorgesehen, der die Idealanlage eines Zisterzienserklosters darstellt, und auch für Klöster der verschiedensten anderen Orden lassen sich neben Getreidemühlen oft auch Sägemühlen nachweisen.
Der St. Galler Klosterplan weit außerdem weitere landwirtschaftliche Anlagen auf: Gärten für Nutz- und Heilpflanzen und Obstbäume, Geflügelhaltung, Vieh- und Pferdeställe, sowie zur Lagerung und Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte Scheunen (Schüttgebäude), Brauerei und Bäckerei, Mühle, Stampfe und Darre.
Wichtig für die Klöster waren auch Fischteiche, da Fleisch den Speisezettel der Mönche nur bedingt bereichern durfte und Fisch eines der Hauptnahrungsmittel darstellte.
Bei den Zisterziensern, deren Klöster in Tallage an einem fließenden Gewässer gegründet werden sollten, wurde dieses aber auch genutzt, um mit einem Seitengraben nicht nur technische Einrichtungen anzutreiben und Fischteiche zu füllen, sondern auch Abwässer aus dem Klostergebiet abzuleiten.
Ein Großteil der klösterlichen Landwirtschaft fand auf den Grangien statt, die von Konversen bewirtschaftet wurden und, auch nach heutigen Maßstäben, oft Großbetriebe waren. Sie lagen meist in einem Umkreis von bis zu 15 Kilometern um das Kloster, waren also zu Fuß innerhalb eines Tages zu erreichen. Die hier arbeitenden Konversen konnten durchaus in der Klosterhierarchie aufsteigen und z.B. Verwalter einer Grangie werden. Da die Laienbrüder, die oft aus dem Bauernstand entstammten, ihre Erfahrungen und ihr Können in die klösterliche Wirtschaft einbrachten, wurden durch diesen Austausch Kräfte der Innovation freigesetzt, die der Klosterökonomie zugute kamen. Vermutlich haben die Klöster auch bei der Verbreitung des Räderpflugs Anteil gehabt. Da dieser die Erde nicht nur oberflächlich anritzte wie der Hakenpflug, sondern die Erdschollen auch wendete, benötigte man für seine Verwendung starke Zugtiere. In Klosterhöfen waren meist geeignete Ochsengespanne vorhanden, die für einfache Bauern zunächst unerschwinglich waren.
Auch in der Viehzucht leisteten Klöster ihren Beitrag, als Beispiel sei hier die in der Zucht des schweizerischen Klosters Einsiedeln entstandene und noch heute existierende Pferderasse der Einsiedler genannt.
Doch auch anderes Nutzvieh, Rinder (wegen ihrer Milch und die Ochsen als Zugtiere), Schafe, Geflügel und selbst Schweine wurden in Klöstern gezogen. Die Schweine, in den umliegenden Wäldern gemästet wurden, waren meist zum Verkauf bestimmt, da sie als Fleischlieferanten für die Mönche von geringem Nutzen waren.
Nicht zu vergessen ist der Weinbau, der für mittelalterliche Klöster als Meßwein, aber auch als Bestandteil der täglichen Nahrung wichtig war. So besaß zum Beispiel das Zisterzienserkloster Altzella eigene Weinberge an der Saale und bei Meißen.
Weinberg Kloster Marienthal
Einführende Literatur:
Tremp, Ernst: Mönche als Pioniere: Die Zisterzienser im Mittelalter, Meilen 1997.
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