Adventskalender 2019 der TU Chemnitz

Radtour durch die tschechische Montanregion Erzgebirge

100 km, 1200 Höhenmeter

Wir haben zwar kein Klo, aber den Welterbetitel! (am Mědník)

Die Aufnahme der Montanregion Erzgebirge in das UNESCO-Welterbe erregte auch meine Aufmerksamkeit. Da ich inbesondere einige tschechische Bestandteile noch nicht kannte, beschloss ich eine Erkundungstour per Rad, zu der ich heute einlade. Sie durchquert bzw. berührt immerhin 4 ihrer 5 Bestandteile. Leider bleibt aufgrund der Tourenlänge keine Zeit für ausführliche Besichtigungen, aber das können wir ja später nachholen :-)

Wir fahren fast durchgehend auf wenig befahrenen Nebenstraßen und befestigten Wegen, lediglich bei Boží Dar müssen wir ein Stück auf einer Hauptstraße zurücklegen.

Mit der Bahn geht es über Aue und Schwarzenberg nach Johnanngeorgenstadt. Aus dem Zugfenster sehen wir schon das Uranbergwerk Schlema der «Region Uranbergbau» und in Erla den Herrenhof Erlahammer der «Region Schwarzenberg».

Horní Blatná

In Johanngeogenstadt wenden wir uns nach links zum Grenzüberganz Potůčky, überqueren diesen und biegen gleich darauf rechts nach Horní Blatná ab. Durch das Tal geht es allmählich bergauf. Nach 6 km erreichen wir eine Eisenbahnbrücke, die wir unterqueren. Nach einem kräftigen Anstieg erreichen wir den Marktplatz von Horní Blatná (Bergstadt Platten, Einkehrmöglichkeit).

Direkt im Ort können wir die Kirche und ein kleines Heimatmuseum besichtigen, die sich in der Nähe befindlichen Standorte Eis- und Wolfspinge und Plattner Erbwassergaben haben wir schon in den vergangenen Jahren besucht.

Vom oberen Ende des Marktes biegen wir rechts in Richtung Pernink ab. Es ist noch ein kleiner Höhenzug zu überwinden, dann rollen wir hinab in den Ort (Einkehrmöglichkeit). Wir folgen weiter der Hauptstraße in Richtung Ostrov. Es geht nun 7 km kräftig bergab durch Pstruží nach Merklín.

Jüdischer Friedhof Hroznětín

Direkt nach der Brücke über die Bystřice biegen wir links in den Radweg 2198 nach Ostrov. Der Weg führt zunächst am Bahndamm entlang und biegt nach 1,5 km rechts ab. Hier führt ein kleiner Pfad zu einem alten jüdischen Friedhof.

Der Jüdische Friedhof in Hroznětín (deutsch Lichtenstadt), einer tschechischen Stadt im Okres Karlovy Vary, wurde um 1500 angelegt. Er zählt zu den ältesten jüdischen Begräbnisstätten Böhmens. Der jüdische Friedhof ist seit 1988 ein geschütztes Kulturdenkmal. (Wikipedia)
Klosterkomplex Ostrov

Wir kehren zum Radweg zurück, fahren bis zur Hauptstraße und biegen gleich wieder links in den Radweg 2198. Über Wiesenwege und Nebenstraßen gelangen wir zur Kirche von Hroznětín (21 km). Hier biegt unser Weg nach links ab. Wir folgen der Ausschilderung über Bystřice nach Ostrov. Etwa 400 Meter nach Unterqueren der Umgehungsstraße biegen wir von der Radwegmarkierung rechts in die Straße Klašterní ab (rote Markierung) und erreichen so das Kloster Ostrov.

Das Kloster entstand im 17. Jahrhundert als Grabstätte der Herzöge von Sachsen-Lauenburg und der Markgrafen von Baden und wurde später erweitert. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert wurde es militärisch genutzt und verfiel. Erst nach der Wende kam es zur Sanierung. Heute kann es besichtigt werden und beherbergt verschiedene Ausstellungen. Weitere Informationen (nur tschechisch).
Schloss Ostrov

Nach einer Besichtigung biegen wir halblinks in den Schlosspark und folgen der roten Markierung vorbei am Sommerschlößchen und nach links über die Brücke zum Palast der Prinzen in Ostrov, welches Rathaus und Bibliothek beherbergt (27 km).

Das Schloss Ostrov wurd Anfang des 16. Jahrhunderts aus einem älteren Herrenhaus in ein Renaissancegebäude für die Familie Šlik umgewandelt. Heute befinden sich hier die Touristinformation, die Gemeindeverwaltung, die Stadtbibliothek und mehrere Ausstellungen. Weitere Informationen zum Schlosspark und zum Schloss Ostrov.
Rudá věž smrti

Nach links geht es zum Markt (Einkehrmöglichkeit). Hier biegen wir rechts in den Radweg 2005 nach Jachymov ab. An einem Supermarkt biegt er nach links ab steigt nun wieder leicht an. Wir unterqueren erneut die Umgehungsstraße und erreichen nach einem Kilometer den Abzweig nach Vykmanov. Wir folgen der Straße nach rechts zur nationalen Gedenkstätte Rudá věž smrti (Roter Turm des Todes).

Der Rote Turm des Todes ist Teil der ehemaligen Aufbereitungsanlage für Uran. Das Erz aus den Jáchymover Gruben wurde hier per Hand ohne jeden Strahlenschutz von politischen Gefangenen sortiert und für den Transport in die Sowjetunion vorbereitet. Die noch vorhandenen Teile der Anlage sind seit 2009 Nationales Kulturdenkmal der Tschechischen Republik. (Montanregion.cz, Wikipedia)
Radweg auf der ehemaligen Bahnlinie nach Jáchymov

Wir kehren zur Hauptstraße zurück und fahren weiter hinauf in Richtung Jachymov. Der Radweg folgt nun einer ehemaligen Bahnlinie, ein kleiner Tunnel wird durchquert, ehe wir das Kurviertel von Jachymov erreichen. Hier verlassen wir den Radweg, fahren hinab zum Kreisverkehr und nach rechts in Richtung Annaberg-Buchholz. Es geht nun 2 km durch den Ort kräftig bergauf bis zur Joachimskirche (38 km, Einkehrmöglichkeiten). Hier wenden wir uns nach links zum Rathaus und zur königlichen Münze.

Nachdem König Ludwig II. den Grafen von Schlick im Jahre 1520 das Münzrecht erteilt hatte, wurde in der Oberstadt von Jáchymov neben dem Rathaus das Münzamt eingerichtet. Hier wurde die große Silbermünze geprägt, die nach ihrem Herkunftsort Joachimsthaler Guldengroschen, kurz Thaler, genannt wurde. Weitere Informationen.
Grube Svornost

Wir folgen weiter der gelben Markierung bergauf und gelangen über eine kurze überdachte Treppe zur Grube Svornost (Einigkeit). Wer die Treppe nicht tragen möchte, folgt von der Münze der Hauptstraße noch etwa 200 Meter und biegt links in die Na Svornosti.

Die Grube Einigkeit ist die älteste Urangrube der Welt. Ursprünglich wurde hier Silber und Kobalt abgebaut. Von hier bezogen Marie und Pierre Curie die Pechblende, in der sie die neuen Elemente Polonium und Radium entdeckten. Weitere Informationen: Montanregion.cz, Wikipedia.

Oberhalb der Grube sieht man einen restaurierten Wachturm des ehemaligen Arbeitslagers Svornost.

Der Straße nach links folgend erreichen wir das Besucherbergwerk Štola čislo 1 (Schacht 1).

Dieser Stollen wurde von Strafgefangenen 1952 zur Uranerkundung angelegt. Heute ist er ein Besucherbergwerk. Weitere Informationen.
Burg Freudenstein

Wir kämpfen uns nun weiter die Straße bergauf und gelangen nach einer großen Serpentine zu den Resten der Burg Freudenstein, von der noch zwei Türme zu sehen sind (39 km).

In dieser Anfang des 16. Jahrhunderts errichteten Burg wurden in ihren Kellern die ersten Joachimstaler illegal geprägt. Später diente sie als Sitz der königlichen Berghauptämter. Im 30jährigen Krieg wurde sie zerstört und verfiel danach. Weitere Informationen
Rašeliniště Boží Dar

Weiter geradeaus kräftig berauf durch Nové Město gelangen wir in einen Sattel und halten uns an der Einmündung rechts (Einkehrmöglichkeit). Der größte Teil des Anstiegs ist nun überwunden, es geht nun 3 km recht eben dahin, bis wir wieder die Hauptstraße erreichen. In diese biegen wir nach links, folgen kurz darauf einer engen Rechtskurve und überwinden nochmals einen kurzen steilen Anstieg, ehe wir am Rande eines Hochmoors nach Boží Dar rollen (Einkehrmöglichkeiten).

Hier und vor allem auch entlang des Kunstgrabens finden sich viele Raithaldn aus der Zeit der Zinngewinnung in dieser Region. Weitere Informationen.
Boží Dar und Božídarský Špičák (1115 mNN)

Am Ortsanfang biegen wir links von der Hauptstraße ab und wenden uns nach rechts. Durch den Heimatort von Anton Günther geht es hinauf zum Kreisverkehr und geradeaus weiter in Richtung Klínovec. Nach weiteren 1,5 km Anstieg zweigt die Straße zum Gipfel des Klínovec ab (ca. 2 km), wir folgen jedoch weiter der Hauptstraße. Mit schönen Blicken auf Oberwiesenthal und den Fichtelberg rollen wir 3 km hinab zum Skizentrum von Haj. Hier folgen wir der Hauptstraße und dem Radweg 23 geradeaus weiter in Richtung Měděnec und erreichen die Felsengruppe der Meluzina (deutsch: Wirbelsteine).

Die Melusina tritt nach allen Überlieferungen unverkennbar als Luftgeist auf. So sagt man z. B. noch anderwärts in Böhmen, wenn der Wind recht pfeift und heult, das sei die Melusina, welche mit ihren Kindern durch die Luft fliege und jammere. Im Jungbunzlauer Kreise denkt man sich dieselbe angethan mit einem schwarzen Mantel und in der Hand ein Sieb haltend, aus welchem Schloßen und Hagel herausfliegen. Bemerkenswert ist schließlich, daß die Czechen für »sterben« die Redensart haben: »mit der Melusina Salz lecken.« (Aus: Köhler: Sagenbuch des Erzgebirges. 1886).
Gelobtes-Land-Stolln und Maria-Hilf-Kapelle am Mědník

Hier folgen wir der Hauptstraße nach links und erreichen über Horní Halže den für heute letzten Standort der Montanregion, die Bergstadt Měděnec mit einem der schönsten Aussichtspunkte des Erzgebirges auf dem Berg Mědník (910 mNN) und den beiden Besucherbergwerken Mariahilfstolln und Gelobtes Land Stolln.

In dieser Region wurde seit dem 15. Jahrhundert Eisen und Kupfer abgebaut – wie auch der Ortsname (deutsch Kupferberg) verrät. In unmittelbarer Nähe des Ortes findet man neben dem Altbergbau auch die Reste eines neueren Bergwerks, das bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in Betrieb war. Weitere Informationen.

Hier, nachdem wir 63 km zurückgelegt und fast alle Anstiege hinter uns haben, ist auch die letzte Gelegenheit, noch ein tschechisches Bier zu trinken.

Talsperre Přisečnice und Jelení hora (994 mNN)

Wir folgen weiter der Hauptstraße, überqueren nach 2 km die Bahnlinie und rollen hinab zur Talsperre Přisečnice.

Die Talsperre wurde in den 1970er Jahren zur Wasserversorgung Prags und Nordböhmens angelegt. Dafür wurde die Bergstadt Preßnitz geflutet, die in der Vergangenheit das Zentrum der fahrenden Musikkapellen des Erzgebirges war. Weitere Informationen.

An der Einmündung halten wir uns links in Richtung Vejprty und rollen nun 4 km an der Talsperre entlang. Nun biegen wir rechts nach Kryštofovy Hamry ab, passieren die Staumauer und rollen hinab in den Ort. Kurz nach der Kirche geht die Straße in einen Fahrweg über, wir überqueren die Grenze nach Sachsen und erreichen Schmalzgrube (79 km).

Bahnhof Schmalzgrube

Unser Weg mündet in die Hauptstraße, der wir nach rechts ins Tal zum Bahnhof der Museumsbahn Steinbach–Jöhstadt folgen. Nun können wir dem Preßnitz-Radweg folgen. Da dieser bis Steinbach allerdings schlecht befahrbar ist, bleiben wir besser solange noch auf der Straße, passieren den »Forellenhof« (Einkehrmöglichkeit) und das Besucherbergwerk Andreas-Gegentrum-Stolln und wechseln am Bahnhof Steinbach auf den Bahndamm der ehemaligen Schmalspurlinie nach Wolkenstein (83 km).

Bergbaudenkmal Niederschmiedeberg

Über Niederschmiedeberg und Boden (Einkehrmöglichkeit) gelangen wir nach Streckewalde. Hier endet der befahrbare Abschnitt des Bahndamms, wir folgen weiter der Straße, passieren die Zschopaumündung und biegen 300 Meter nach der Zschopaubrücke rechts in einen Fahrweg, der bald in einen Hohlweg übergeht und zum Bahnhof Wolkenstein führt (98 km, Einkehrmöglichkeiten).

Karten

Online-Karte (OpenStreetMap) mit weiteren Fotos, GPX-Track.

Karte
Karte zum Ausdrucken (4 Blätter A4, ca. 1:60'000)