USA 2017|Regie: Sean Baker|Darsteller: Brooklynn Prince, Bria Vinaite, Willem Dafoe|111 min

"Im Mittelpunkt von ‚The Florida Project‘ steht eine Bande übermütiger Kinder am Rand der Gesellschaft. Regisseur Sean Bakers Sozialstudie mit Willem Dafoe als mürrischem Motelmanger [Oscar-Nominierung für Beste Nebenrolle!] ist bunt und verspielt: Ein Geniestreich..." (deutschlandfunkkultur.de) Bakers betörend realistisches White-Thrash-Drama in einer armseligen Motelanlage am Rande der Glitzerwelt von Disneyland ist ein ziemlich raffinierter Kommentar zur Lage der USA und dazu noch witzig und berührend.

It's the story of a precocious six year-old and her ragtag group of friends whose summer break is filled with childhood wonder and a sense of adventure while the adults around them struggle with hard times. Moonee and her rebellious mother Halley live week to week at a budget motel managed by Bobby (Willem Dafoe - Oscar Nomination for Best Supporting actor!), whose stern exterior hides a deep reservoir of kindness and compassion. Poverty and poetry, delinquency and deluxe wonder… this child’s-eye view of lives on a knife-edge is terrific. Rotten Tomatoes: 96%!

Do, 24.01.

„Winter’s Bone“ (2010) von Debra Granik war nicht nur für mehrere Oscars nominiert. Mit dem Hinterland-Thriller konnte sich auch die damals kaum, heute indes weltbekannte Jennifer Lawrence nachhaltig im Gedächtnis der Kinobesucher verankern.

Nun legt die US-Filmemacherin mit „Leave No Trace“ eine weitere spannende Aussenseiterstudie vor, die ohne überzogene Dramatisierungen auskommt und dennoch tief unter die Haut geht.

Will und seine Tochter Tom leben abseits der Zivilisation in den Farnwäldern eines amerikanischen Nationalparks. Die fragile Harmonie dieses Lebensentwurfs droht durch äußere Intervention und die Adoleszenz der Tochter zerstört zu werden. Zwischen Coming-of-Age und Kriegstraumata changierend, schildert „Leave No Trace“ den Konflikt der beiden mit der Gesellschaft. Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit.

>> Rotten Tomatoes: 100% !! :)

D/BRA 2018|Regie: Hans Block, Moritz Riesewick|88 min|Dokumentation

Hoch aktuell, dabei so spannend wie ein Krimi und so schockierend wie ein Thriller ist die investigative Dokumentation von Hans Block und Moritz Riesewick über einen Bereich, der untrennbar mit sozialen Medien verbunden ist: die Content-Moderatoren, die, bewusst oder unbewusst, als Zensoren tätig sind. Die beiden Filmemacher enthüllen diese Mechanismen und zeigen die Menschen, die als Putzkräfte 2.0 die hässliche Dreckarbeit machen müssen.

Angesichts der stetig wachsenden Bilderflut in den sozialen Netzwerken und im Hinblick auf den kritischen Umgang mit Facebook & Co. kommt der handwerklich gelungene Film genau zur richtigen Zeit. Er wendet sich an alle, die sich mit Social Media befassen, selbstverständlich auch an Jugendliche. Aber Achtung: Es gibt Passagen, die nicht für zartbesaitete Menschen geeignet sind. Dennoch ist zu hoffen, dass dieser wichtige Film ein großes Publikum finden wird.

Di, 29.01.
DE 20178|Regie: Hans Weingartner|Darsteller: Mala Emde, Anton Spieker, Thomas Schmuckert|145 min

303 ist ein deutsches „Liebes­roadmovie“ - im Sommer gerade so vor den Open Airs erschienen. Der „Anti-Tinder-Film“ handelt von der allmählichen Annäherung zweier Studenten während eines Trips von Berlin nach Portugal in einem Mercedes Hymer 303 Wohnmobil.

Zur Cannes-Premiere von „Die fetten Jahre sind vorbei“ trotzte Hans Weingartner einst dem Glamour und fuhr mit seinem klapprigen Campingbus am Roten Teppich vor. Ein altes Wohnmobil vom titelgebenden Typ 303 spielt nun die Hauptrolle in diesem Lovestory-Road-Movie. Mit dem alten Daimler will die junge Studentin Jule nach Portugal zu ihrem Freund fahren. Unterwegs nimmt sie den Tramper Jan auf. Die beiden philosophieren, streiten, flirten während der gesamten Reise.

Wie gut Plappern auf der Leinwand klappen kann, hat Richard Linklater mit seiner „Before Sunrise“-Trilogie bestens bewiesen. Wie dort Julie Delpy und Ethan Hawke, überzeugen hier nun Mala Emde und Anton Spieker als quirlig sympathisches Duo der wahrhaftigen Art mit großem Wiedererkennungspotenzial. Beim Quatschen über Gott und die Welt und die letzten Fragen der Menschheit bleibt natürlich noch genügend Zeit zum Suchen und Finden der Liebe: Slow-Dating auf 2.500 Kilometer quer durch Europa. 14 Jahre nach Cannes gelingt Weingartner wieder ein kapitalismuskritischer Coup mit Kultfilm-Qualitäten.