Der Tag war im mittelalterlichen Kloster durch die Chorgebete untergliedert und hatte nicht immer dieselbe Länge, sondern war vom Tageslicht abhängig. Im Winter war er also kürzer, im Sommer dafür länger, da er bei Sonnenaufgang mit der Prim, dem Morgengebet der Mönche oder Nonnen, begann. Danach traf man sich zum Kapitel, der Vollversammlung der Mönche. Es folgte die Messe, darauf einige Stunden der Arbeit, zum Beispiel im Skriptorium. Zu Mittag, der etwa der sechsten Stunde des Tageslichts entsprach, wurde die Sext gebetet, auf die das Mittagessen und eine Ruhezeit folgten. Sie wurde von der Non beendet, nach der wiederum bis zur Vesper, die vor Sonnenuntergang stattfand, gearbeitet wurde. Diesem Gebet folgte das Abendessen. Nach Sonnenuntergang verrichteten die Mönche das letzte Gebet des Tages, die Komplet. Danach war Schlafenszeit, die allerdings von zwei Gebeten, der Vigil und der Matutin, unterbrochen wurde. Der gesunde Mönch erhielt also nur zwei Mahlzeiten am Tag und im Sommer auch nicht besonders viel Schlaf. Der Tag hatte einen (nach heutiger Messung) Vierundzwanzigstundenrhythmus, statt einer einfachen Teilung in Tag - Nacht: Er begann, wie in heutiger Zeit, um Mitternacht. Die Gebete bestimmten den zeitlichen Rhythmus, während die dazwischenliegenden Ruhe-, Essens- und Arbeitszeiten in gewissem, durch die Natur oder das Kirchenjahr vorgegebenen Maße, für ein Kloster je nach Jahreszeit und Ordenszugehörigkeit variabel waren. Außerdem wurde zwischen Ostern und September zweimal pro Tag gegessen, im Winter gab es jedoch nur eine Mahlzeit. Der Jahreslauf folgte dem Kirchenjahr, was z.B. in den Fastenzeiten eine Verschiebung der Mahlzeiten veranlaßte. Um aber einen regelmäßigen Tagesablauf zu gewährleisten, wurden außerdem zuverlässige Methoden der Zeitmessung benötigt, was die Klöster zu Vorreitern in der Entwicklung abendländischer Zeitmeßtechnikmachte. Denn wenn der mit dem Wecken beauftragte Mönch einschlief, konnte er bei einer Sand- oder Wasseruhr nach deren Ablaufen nicht feststellen, wie lange er verschlafen hatte, falls diese abgelaufen war, was die Bestimmung der Gebetszeiten vor Sonnenaufgang sehr erschwerte. Es lag folglich im Interesse der Einhaltung des klösterlichen Tageslaufs, Innovationen mechanischer Uhren zur Zeitmessung, aber auch wegen ihrer Weckfunktion, zu fördern.


Literatur:
Dohrn-van Rossum, Gerhard: Die Geschichte der Stunde. Uhren und moderne Zeitordnungen, München 1995.
Pfister, Peter: Klosterführer aller Zisterzienserklöster im deutschsprachigen Raum, Straßburg 21998.