Zum aktuellen Adventskalender 2019

Adventskalender 2015 der TU Chemnitz

Der sächsische Prinzenraub

Ausflugsrestaurant Prinzenhöhle

Wer schon einmal durch das Muldental von Hartenstein nach Aue gewandert ist, hat in der Nähe des ehemaligen Wismutschachts 371 sicherlich den Abzweig zur Prinzenhöhle entdeckt. Diese Bezeichnung geht auf den sächsischen Prinzenraub im Jahre 1455 zurück, ein Ereignis, das weitreichende Folgen für die sächsische Geschichte hatte und an das weitere Orte im Erzgebirge erinnern.


Vorgeschichte

Kirche Kaufungen

Im Jahre 1446 kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Brüdern Herzog Wilhelm III. und Kurfürst Friedrich dem II. (der Sanftmütige) über ihre Herrschaftsgebiete in Thüringen. Der Ritter Kunz von Kauffungen, dessen Name tatsächlich auf seinen Besitz im Orte Kaufungen (heute Ortsteil von Limbach-Oberfrohna) zurückgeht, kämpfte dabei auf seiten des Kurfürsten und zeichnete sich durch großen Mut und Einsatz aus. Nach Kriegsende erwartete er dafür eine angemessene Belohnung sowie die Erstattung von 4000 Gulden Lösegeld, für die er sich aus einer Gefangennahme loskaufen musste. Der Kurfürst wollte jedoch auf Kunzens Forderungen nicht eingehen. Kunz von Kauffungen sann deshalb auf Rache.

Der Prinzenraub

Schloss Jezeří (Eisenberg)

Nachdem Kunz von Kauffungen die Burg Eisenberg oder Isenburg (heute Jezeři) in Böhmen erworben hatte, verfiel er auf die Idee, die beiden Söhne Ernst und Albert hierher zu entführen und damit die Erfüllung seiner Forderungen zu erpressen. Um eine günstige Gelegenheit auszuspionieren, wurde der Küchenjunge Hans Schwalbe als Diener nach Altenburg eingeschmuggelt. Dieser sandte schon nach kurzer Zeit die günstige Nachricht, dass sich fast der ganze Hofstaat nach Leipzig begebe und die Prinzen praktisch unbewacht in Altenburg sein würden.

Schloss Altenburg

Am 8. Juli 1455 (Julianische Kalender) abends drangen Kunz von Kauffungen, Wilhelm von Schönfels und Hans Wilhelm von Mosen über Strickleitern in das Schloss Altenburg ein. Kunz entführte Ernst, Mosen sollte sich Albert schnappen, verwechslte ihn aber mit dem Sohn des Grafen von Barby. Am Tor wurde die Verwechslung bemerkt, Ernst wurde an Mosen übergeben, der mit diesem sofort davonritt. Kunz kehrte um und fand nun den richtigen Prinzen, den er auf sein Pferd setzte, und die Flucht begann.

Sofort begann aber auch die Verfolgung der Kidnapper, in ganz Sachsen wurden die Sturmglocken geläutet und die Bevölkerung wurde zur Unterstützung aufgefordert.

Kurz vor Schwarzenberg, das damals zu Böhmen gehörte, und wo er in Sicherheit gewesen wäre, wurde Kunz von Kauffungen von seinen Verfolgern gestellt. Der Köhler Georg Schmidt tat sich dabei besonders hervor.

Fuchsturm im Kloster Grünhain

Der Prinz und der gefangene Kunz wurden dem Abt Liborius des Klosters Grünhain übergeben, wo Kunz der Sage nach im Fuchsturm eingekerkert wurde, ehe er weiter nach Zwickau und von hier nach Freiberg überführt wurde. Der Prinz Albert gelangte nun wohlbehalten nach Altenburg zurück.

Ruine Isenburg an der Mulde

Mosen und Schönfels hatten einen anderen Weg gewählt, wurden aber so hart verfolgt, dass sie in eine Höhle in der Nähe von Hartenstein flüchten mussten. Die Legende sagt, dass sie Eisenberg mit der Isenburg im Muldental verwechselt hätten, und sie es nur aufgrund eines Hochwassers nicht geschafft hätten, auf die andere Muldenseite zu wechseln.

Diese Höhle lag in einem steilen Hang und war gut zu verteidigen, eine Fortsetzung der Flucht war aber unmöglich. Sie verhandelten deshalb mit Friedrich von Schönburg auf Schloss Hartenstein um Gnade und freies Geleit, wenn sie den Prinzen lebend übergeben würden. Dieser ging sofort darauf ein, um den Prinzen zu retten, die Entführer erhielten sogar neue Pferde für ihre Flucht aus den meißnischen Landen.


Schloss Hartenstein (Wikimedia Commons)

Stiftskirche Ebersdorf

Nach diesem glücklichen Ende der Entführung unternahm das Fürstenhaus am 15. Juli eine Wallfahrt zur Stiftskirche nach Ebersdorf, um für die Errettung der Prinzen zu danken. Der Kirche wurden die Kleider der Prinzen, die sie während der Entführung trugen, und der Kittel des Köhlers zum Andenken übergeben. Diese können dort auch heute noch besichtigt werden (inzwischen sind es wohl Kopien).

Schilderung des Prinzenraubs bei Köhler


Was danach geschah

Kopf am Freiberger Rathaus

Das Urteil über Kunz von Kauffungen wurde dem Freiberger Rate überlassen. Dieser ließ Kunz am 14. Juli 1455 vor dem Rathaus köpfen. Freunde Kunzens hatten sich um Begnadigung bemüht, und nach der Sage war der Bote mit dieser Nachricht auch schon auf dem Weg nach Freiberg, wurde jedoch von der Brückenwache an der Mulde aufgehalten – woher der Name Halsbrücke stammen soll. Der Platz der Hinrichtung auf dem Obermarkt soll auch heute noch durch einen dunklen Stein gekennzeichnet sein. Am Rathaus selbst ist ein grimmig blickender Kopf angebracht, der Kunz darstellen soll. Auch die weiteren Mitstreiter wurden hingerichtet, der Küchenjunge Hans Schwalbe wurde zu Tode gefoltert.

Die beiden Brüder, die nach dem Tode ihres Vaters 1464 die meißnischen Lande zunächst gemeinsam regiert hatten, gerieten bald darauf in Streit. So kam es 1485 zur Teilung der Herrschaft in Sachsen, das von Albert, und Thüringen, das von Ernst regiert wurde.

Der Köhler Georg Schmidt, der sich nach dem Prinzenraube Triller nannte, wurde reichlich belohnt. Neben einem Freigut in Eckartsbach erhielt er ein sogenanntes Gnadenkorn von 4 Scheffel Zwickauer Maß für sich und seine Nachkommen. Dieses wurde laut benutzter Quelle selbst 400 Jahre später noch an einen Nachkommen Trillers in Thüringen ausgezahlt.

Fürstenbrunn und Köhlerhütte

Denkmal am Fürstenbrunnen

Als Anfang des 19. Jahrhunderts die Rückbesinnung auf die Vergangenheit begann und überall Monumente errichtet wurden, erinnerten sich Geschichtsforscher auch wieder an den Prinzenraub und versuchten die Originalstätten ausfindig zu machen. Um den Ort der Befreiung Alberts stritten sich dabei die Orte Waschleithe und Kretscham-Rothensehma, die beide mit einem Fürstenbrunnen aufwarten konnten. Schließlich entschied man sich für den Fürstenberg bei Waschleithe als Ort der Befreiung Alberts und errichtete auf Betreiben des Finanzprokurators Lindner 1822 hier ein Monument.

Köhlerhütte und Denkmal (aus «Prinzenraub» 1844)

Nun gab es auch schon damals Vandalismus, und obwohl Herr Lindner ein Verbotsschild aufstellen ließ, kam es immer wieder zu Beschädigungen am Denkmal. So wurde beschlossen, hier eine Köhlerhütte zur Bewachung zu errichten, die aus Spenden bezahlt werden sollte. Nach 16 Jahren war das Geld endlich beschafft, 1838 wurde die Köhlerhütte erbaut. Sie erhielt von der hohen Kreisdirection eine Schankconzession, doch mit der Beschränkung nur anständige Gesellschaft dort zu dulden.

Hotel Köhlerhütte heute

Heute ist die Köhlerhütte zu einem Hotel erweitert. Der Fürstenbrunnen direkt unter dem Denkmal ist versiegt, dafür sprudelt er einige Meter bergabwärts. Gleich in der Nähe befinden sich das Schaubergwerk Herkules-Frisch-Glück und die Ruine der Dudels- oder Oswaldskirche.

Prinzenhöhle

Prinzenhöhle

Auch die Prinzenhöhle, die vorher Teufelskluft hieß, war im Laufe der Geschichte in Vergessenheit geraten und völlig verwachsen. Im Jahre 1779 wurde sie anlässlich einer adligen Hochzeit wieder gesucht und zugänglich gemacht. Ein bequemer Zickzackweg wurde angelegt, die Höhle erhielt eine Gedenkinschrift. Heute befindet sich hier ein Ausflugsrestaurant, von dem man einen schönen Blick ins Muldental und auf die Förderanlagen des Wismut-Schachts 371 hat. Ganz in der Nähe findet man den Kurort Schlema, die Reste der Isenburg, die Burg Stein und die Ruine des Schlosses Hartenstein.


Schlösser Altenburg und Hartenstein

Schloss Hartenstein heute

Aus der Zeit des Prinzenraubs sind im Schloss Altenburg noch zwei Türme erhalten, die restliche Anlage ist neueren Datums. Heute befindet sich hier das Spielkartenmuseum.

Das Schloss Hartenstein wurde am 20. April 1945 durch amerikanische Bomber zerstört, da sich hier SS-Einheiten verschanzt hatten. Seit 2002 bemüht sich ein Förderverein um einen teilweisen Wiederaufbau.


Die Schauplätze des Prinzenraubs

Quellen

Der sächsische Prinzenraub nach älteren und neueren Quellen nebst einer Beschreibung des zu dessen Erinnerung errichteten Denkmals und des zu seinem Schutze erbauten Köhlerhauses am Fürstenberge bei Grünhain. Annaberg 1840.
DigitalisatE-Book

Ernst Köhler: Sagenbuch des Erzgebirges. Schneeberg und Schwarzenberg 1886.
Digitalisat