Sonnenuntergang, 2008

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Christian Wendt

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Adventskalender 2013 der TU Chemnitz

Die Annaberger Bergkrippe


Bergkirche St. Marien, ein Stück oberhalb von St. Annen gelegen
Die heimliche Hauptstadt des Erzgebirges - Annaberg-Buchholz - war schon öfter Thema unseres Adventskalenders. Seit dem Jahr 2000 wird nun dort an einer neuen Attraktion gearbeitet, die vor allem in der Adventszeit viele Bewunderer findet: die von fünf einheimischen Holzbildhauern entworfene Bergkrippe in der einzigen bergmännischen Sonderkirche Sachsens, St. Marien zu Annaberg.

Der Frohnauer Holzbildhauermeister Dietmar Lang hatte die Idee, die enge Verbindung der biblischen Geschichte mit der Tradition des Bergbaus in der Region durch einen Krippenweg zu demonstrieren, wobei geschnitzte Figurengruppen in Geschäften oder an touristischen Orten aufgestellt, den Weg zur Bergkirche St. Marien mit der Heiligen Familie weisen sollten.


Erster Blick auf die wunderschönen, lebensechten Figuren der Bergmannskrippe.
Seit 2001 sind vier Holzbildhauermeister aus der Region dabei, das ehrgeizige Vorhaben in die Tat umzusetzen: Ronny Tschierske (Annaberg-Buchholz/Frohnau), Jesko Lange (Zschorlau), Robby Schubert (Lößnitz) und Friedhelm Schelter (Königswalde), allesamt Mitglieder der renommierten erzgebirgischen Künstlergruppe ExponaRt.
In den ersten Jahren hatte sich allerdings herausgestellt, dass die wertvollen Figuren zu stark darunter litten und vor allem in Geschäften nicht der gewünschte Effekt erzielt wurde, sodass jetzt ganzjährig alle Figuren ihren Platz in der Bergkirche gefunden haben.


Ronny Tschierske mit dem Bauern
Da uns die Bergkrippe sehr interessierte, sind wir in „Langs Erzgebirgshaus“ direkt neben dem Frohnauer Hammer gefahren und hatten dort Glück, den jetzigen Inhaber des Geschäftes Ronny Tschierske in seiner Werkstatt zu treffen. Er nahm sich sofort für uns die Zeit, zur Entstehung der Bergkrippe viele interessante Details zu erzählen.

Original(foto) und Krippenfigur
Als erstes konnten wir das neueste Exemplar der Bergkrippe bewundern: einen Bauern. Eine ehemalige Annaberger Bürgerin hat diese Figur gesponsert, so wie die Erschaffung aller anderen Figuren gesponsert wurden. Der Bauer ist das Portrait ihres Mannes, das sehr anschaulich ein Anliegen der Figuren verdeutlicht, die Beziehung der biblischen Geschichte mit dem heutigen Leben. So gibt es mehrere Figuren, die Portraits heute lebender Bürger darstellen.


Einige Entwürfe
Ronny Tschierske erzählte uns, dass er für diese Figur ca. 130 Stunden benötigte. Zuerst werden die Figuren modelliert. Dann erfolgt das Verleimen eines Holzblockes um das Einreißen des Holzes zu verhindern - im linken Bild der Block für die nächste Figur, den Schuster. Das Kunsthandwerk besteht hier u.a. darin. die Verbundstellen des Holzes so zu legen, dass z.B. das Gesicht der Figur in der Maserung des Holzes nicht beeinträchtigt wird. Danach wird zunächst mit Kettensägen die Grobstruktur der Figur aus dem Holz gesägt, dem schließt sich die Feinarbeit mit den verschiedenen Schnitzwerkzeugen an. Ganz zum Schluss erfolgt dann das Lasieren der Holzkörper. Diese Tätigkeit übernimmt bei allen Figuren der Bergkrippe der Kunstmaler Günther Kreher aus Wiesa, wodurch eine einheitliche Darstellung der Bergkrippe erzielt wird.


Alljährlich am 2. Advent, dem Bergmannsadvent, werden in der Kirche St. Annen die neuen Figuren der Bergkrippe an die Stadt übergeben und dann in einem Prozessionszug in die Bergkirche gebracht. Im kommenden Jahr soll dann die Bergkrippe fertig sein und wird dann aus 35 Figuren bestehen. Den Entwurf des Schusters konnten wir bereits in der Werkstatt von Ronny Tschierske sehen. Übrigens sind alle Figuren ca. 1,20 m groß und damit etwa zwei Drittel eines durchschnittlichen Erwachsenen.

Doch was will uns nun die Bergkrippe sagen? Es wird eine Annaberger Weihnachtsgeschichte erzählt, die im 18. oder 19. Jahrhundert spielt. Zentrales Thema ist die Geburt des Jesuskindes. Joseph als Bergzimmerer und Maria als stillende Mutter sind so natürlich dargestellt, dass sie hier und heute zu finden sein könnten.

Jesus als Bergschmied
Die 3 Weisen, Obersteiger aus Schneeberg, Freiberg und Annaberg, können in Ihrer Pracht auf zahlreichen Bergparaden im Erzgebirge bewundert werden. Ein Hauer und ein Berginvalide weisen auf die harte Arbeit der Bergleute hin, deren Folgen viele ein Leben lang spüren. Jesus Christus als Bergschmied, ursprünglich nicht geplant, verweist auf die Erlösung der Menschheit und zeigt in besonderer Weise die hohe Holzbildhauerkunst, hier von Friedhelm Schelter.



Alle Figuren sollen in Gruppen miteinander kommunizieren, alle sind mit der frohen Botschaft von Weihnachten verbunden und laden zu einem Besuch in die Annaberger Bergkirche ein.

Wer mehr über die einzelnen Figuren erfahren möchte, kann hier weiterlesen:
Die Figuren der Bergkrippe

Eine Bäckerfamilie bringt Gaben zur Krippe.
Ronny Tschierske verriet uns noch, dass es bereits Wünsche für weitere Figuren gibt, die aber nicht mehr in der Bergkirche Platz finden können. Daher wird darüber nachgedacht, die ursprüngliche Idee eines echten Annaberg Krippenweges mit neuen Figuren zu gestalten, die dann an sehenswerten Orten wie dem Rathaus oder dem Frohnauer Hammer aufgestellt werden könnten und die Besucher zu den Sehenswürdigkeiten von Annaberg-Buchholz leiten würden. Wir könnten uns das sehr gut vorstellen und würden uns darüber sehr freuen.


Weitere Informationen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bergkirche_St._Marien_%28Annaberg-Buchholz%29