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Adventskalender der TU Chemnitz 2008

Dr. Georgius Agricola


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Agricola-Büste am Markt von Chemnitz

Wer in Chemnitz mit offenen Augen über den (Weihnachts-)Markt bummelt, entdeckt unter den "Arkaden" auf der Südseite des Marktes in einer Gebäudenische eine Büste.

Eine Tafel gibt Auskunft, wer das emsige Treiben um das Rathaus beobachtet: Georgius Agricola, langjähriger bedeutender Bürger und ehemaliger Bürgermeister von Chemnitz. Hinter der Jacobikirche, in der Nähe der Büste, soll das Wohnhaus Agricolas gestanden haben.

Auch wenn die Büste nicht sehr auffällig ist, die Leistungen dieses universellen Wissenschaftlers der Renaissance sind es schon und werden bis heute international anerkannt.


Aber warum widmen wir ihm ein Fenster in unserem Adventskalender? Wer jeden Tag neugierig war, hat den Namen Agricola in diesem Kalender schon mal gelesen, im Beitrag über die Glashütten im Erzgebirge, aber eigentlich hätten wir ihn in mehreren anderen Beiträgen auch erwähnen können oder sogar müssen!?

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Bergaufzug vor den Priesterhäusern in Zwickau

Schauen wir uns also sein Leben einmal etwas genauer an: am 24. März 1494 freute sich die Tuchmacher-Familie Pawer (Bauer) in Glauchau über ihr zweites Kind: Georg. Wie seine sechs Geschwister erhält er die einfache Schulbildung seiner Zeit, interessiert sich aber besonders für Latein und studiert deshalb von 1514 bis 1518 alte Sprachen in Leipzig. Dort latinisiert er auch seinen Namen und wird Georgius Agricola.

Die Stelle eines Schulmeisters für Latein an der angesehenen Stadtschule in Zwickau wird seine erste Anstellung. Hier in Zwickau wohnte er vermutlich - wie andere Bedienstete der Kirchen und Schulen - in den Priesterhäusern am Domhof und verfasste ein erstes Büchlein, das neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Pädagogik enthält.
Hier in Zwickau wird er aber auch mit dem erzgebirgischen Bergbau und dessen Probleme konfrontiert.


Nach einigen weiterführenden Studien in Leipzig, u.a. auch in der Medizin, geht Agricola - wie viele Wissenschaftler und Künster - nach Italien. Zuerst studiert er in Bologna Medizin, dann in Venedig, wo den vielseitig Interessierten auch die Glasherstellung in den weltberühmten Glashütten von Murano fasziniert.

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Darstellung eines Wasserrads
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Joachims-Thaler

Als Doktor der Medizin kehrt er 1526 nach Sachsen zurück. Am meisten interessiert ihn zu dieser Zeit das Studium des Bergbaus, so dass die vakante Stelle eines Stadtarztes und Apothekers in St. Joachimsthal, dem heutigen Jachymov (Tschechische Republik) am Fuße des Keilbergs, für ihn "maßgeschneidert" ist. Hier im Erzgebirge, dem damals modernsten Erzbergbaureviers Europas, wurde vor Ort, in den Gruben und Hütten, der "Grundstein" für seine späteren Hauptwerke gelegt. Aber er beschäftigt sich auch mit den wirtschaftlichen Aspekten des Bergbaus und setzt sich für die Verwendung des Joachims-Thalers als einheitliches europäisches Zahlungsmittel ein.


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Das Hauptwerk Agricolas in einer Ausgabe von 1657
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Gedenkstein von Volker Beier in Chemnitz

1531 kommt Agricola als "Stadtleybarzt" in das damals viel kleinere, aber wirtschaftlich aufstrebende Chemnitz (4500 Einwohner, die Bergstadt St. Joachimsthal hatte schon 15000 Einwohner). Zur besseren Ausübung seiner Tätigkeit, für die er ja auch Medikamente mischen musste, bringt er erst mal Ordnung in die unterschiedlichen Maße und Gewichte. Hier in Chemnitz hat er auch die Möglichkeit, intensiv wissenschaftlich zu arbeiten. Es erscheint sein Hauptwerk "De re metallica libri XII - Vom Bergwerck 12 Bücher", mit dem er zum Vater der Montanwissenschaften wird, und "De natura fossilium", das erste Handbuch der Mineralogie.
Also sind wir Agricola in dieser Adventszeit auch auf dem Bergbaulehrpfad Schneeberg und zwischen den faszinierenden Ausstellungsstücken der Terra Mineralia in Freiberg begegnet. Er war aber auch der Erste, der in Chemnitz verkieselte Baumteile ausgrub und deren Bedeutung ahnte.

Unterbrochen wird seine wissenschaftliche Tätigkeit in Chemnitz durch Dienste für Herzog Moritz von Sachsen, in dessen Auftrag er mehrere Jahre Bürgermeister von Chemnitz, Diplomat im Schmalkaldischen Krieg und Chronist von Teilen der sächsischen Geschichte ist.
Am 21. November 1555 stirbt der Universalgelehrte in Chemnitz, wird als Katholik aber nicht im protestantischen Chemnitz begraben, sondern im Dom von Zeitz.



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Schwibbogen zu Ehren Agricolas

Heute gibt es in unserer Stadt nicht nur das Agricola-Forschungszentrum, es tragen auch mehrere Gymnasien der Region seinen Namen, deren historisch interessierte Schüler interessante Projekte bearbeiten.

Und ab und zu taucht der Universalgelehrte sogar über dem Chemnitzer Weihnachtsmarkt auf, um als Figur des Glockenspiels seine Runden über dem Markt zu drehen, zur Zeit mit weihnachtlichen Weisen:


Buchtitel Biografie
Buchtitel: Standbild in Glauchau

Kleine Preisfrage:

Was hat Georgius Agricola mit dem amerikanischen Dollar zu tun?

Die 24. richtige Antwort wird mit der lesenswerten Biographie "Agricola" von F. Naumann belohnt.
Meine Antwort als Kommentar



Version zum Ausdrucken


© Wir danken Prof. em. Dr. F. Naumann für die umfangreichen Materialien und Fotos;
weitere Fotos: U. Hertel (1), A. Heik (2), Ton: A. Heik
Ursula Riedel, Die TU-Wichtel

Adventskalender der TU Chemnitz 2008