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Mehr als nur Fake-News

Summerschool der Professur Englische Sprachwissenschaft beschäftigte sich mit dem Medien-System auf dem Balkan

Der Begriff „Fake-News“ gehört aktuell zu den prägenden im medialen System. Und diesem Begriff ging die Summerschool der Professur Englische Sprachwissenschaft der Technischen Universität Chemnitz im Sommer 2017 in Ohrid im Süd-Westen von Mazedonien auf den Grund. Titel der Summerschool: „DIgesting Crises in Europe (DICE)“. Neben den Übungen zum objektiven journalistischen Schreiben, gerade in Bezug auf Krisen-Berichterstattung auf dem Balkan, bereicherten persönliche Erlebnisse mazedonischer Studierende von der sogenannten „Colourful Revolution“ in Mazedonien die Summerschool. Im Rahmen der „Colourful Revolution“ wurden von der konservativen Regierung gebaute neoklassizistische Prunkbauten mit Farbe „verziert“. Ein Zeichen gegen Prunksucht, das zu einer neuen Regierung führte, in der die Protestsprecherin Informationsministerin wurde.

Zum Programm gehörten auch ein Besuch des regionalen Fernsehstudios, ein Ausflug nach St. Naum an der albanischen Grenze und ein Volkstanz-Abend dazu. Gefördert wurde die Summerschool aus Mitteln des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) im Programm „Hochschuldialog mit dem westlichen Balkan“. Ziel des Programms ist unter anderem die Stärkung der Zivilgesellschaft.

Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaft

„Zum nun bereits dritten Mal hat unsere Professur ihre Partnerinnen, Partner und Studierenden zu einer Summerschool in der Region eingeladen, die meist nur als ‚Krisenstaaten des Balkan‘ wahrgenommen werden“, beschreibt Prof. Dr. Josef Schmied, Inhaber der TU-Professur Englische Sprachwissenschaft die Ausrichtung der Summerschool. Nachdem das Auswärtige Amt 2015, genau im Jahr der großen Flüchtlingskrise, das Programm zum Aufbau der Universitäten Südosteuropas gestrichen habe, habe man ein Jahr später das neue Programm zum Hochschuldialog aufgelegt: „Wir freuen uns sehr, dass wir mit unserer Summerschool einen Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaften, zur Demokratieentwicklung und zum Abbau ethnischer Konflikte leisten durften, wie es auch diese Förderlinie des DAAD vorsieht“, erklärt Schmied.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Vlore (Albanien), Niš (Serbien), Skopje und Ohrid/Bitola (Mazedonien) wurden zuvor für diese Summerschool von ihren jeweiligen Dozentinnen und Dozenten ausgewählt. Sie müssten sich dazu in einem Aufsatzwettbewerb bewerben und waren sehr erfreut über eine internationale Ergänzung ihrer jeweiligen nationalen Perspektiven durch vier Gastdozentinnen und -dozenten von der TU Chemnitz.

Internationale Perspektive bricht nationale Wahrnehmung auf

Für die Dozentinnen und Dozenten war der Unterricht durch die sehr offenen und persönlichen Beiträge der Studierenden auch selbst sehr aufschlussreich. So hörten sie von den Studenten aus Skopje ihre eigene Interpretation der Proteste in Mazedonien aus dem Jahr 2016 – der „Colourful Revolution“. Genauso eindrucksvoll sei für die Chemnitzer Gäste die Aussagen der mazedonischen Fernsehjournalisten gewesen, die sehr bewusst formulierten, dass sie so kritisch wie möglich berichten und ihren Job nicht machen, um geliebt zu werden – selbst wenn es normalerweise nicht um große Politik geht, sondern um Lokales wie den Schutz der Ohrid-Forelle oder den Schutz der Altstadt von Ohrid, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Die Studierenden durften außerdem am Tisch des Nachrichtensprechers sitzen – Interviews mit Dozenten und Studenten waren sogar Teil der Regionalnachrichten am Abend.

Was bleibt

In der anonymen Evaluation betonten die Studierenden vor allem die gute interaktive Lernatmosphäre und das breite Veranstaltungsangebot; geboten wurde neben den fachlichen Modulen auch kulturelle und interkulturelle Erfahrung durch die Besichtigung von Sehenswürdigkeiten. Ein sehr straffes Programm habe so aber absolviert werden müssen, das nach den täglichen Schreib- und Präsentationsaufgaben in internationalen Arbeitsgruppen nur wenig Zeit für Freizeitaktivitäten ließ.

Die albanischen Teilnehmenden seien beeindruckt gewesen vom christlichen Erbe der Kirchen und Klöster in und um Ohrid. Die Mazedonier und Serben hingegen hätten die säkularen Traditionen im vermeintlich muslimischen Albanien unterschätzt, so eine weitere Erkenntnis.

Allerdings: Albaner, Mazedonier und Serben stellten viel mehr Gemeinsamkeiten als erwartet fest: beim Essen und Trinken, bei Volkstänzen und bei Problemen der Unterrichtssprache Englisch. So war eine übereinstimmende Meinung in vielen Abschlussberichten: „Wir haben zwar viele Erkenntnisse über Medien und journalistisches Schreiben gewonnen, aber vor allem viele neue Freunde“, formulierte es eine Teilnehmerin.

Fortführung im kommenden Jahr 2018

„Ich freue mich sehr, dass sich alle Beteiligten eindringlich für eine Fortführung des Hochschuldialogs ausgesprochen haben“, fasst Josef Schmied zusammen. Schwerpunkt der nächsten Summerschool wird das Thema „Credibility, Honesty, Ethics and Politeness im akademischen und journalistischen Schreiben“ sein. Das wurde bereits andiskutiert. „Ich hoffe auf ebenso rege Teilnahme und diesmal ein paar Tage länger in Split, Kroatien, unserem nächsten Tagungsort.“ Und eines steht schon jetzt fest: Neben dem fachlichen wird auch wieder genug Zeit für persönlichen und interkulturellen Austausch sein.

(Autoren: Josef Schmied/Matthias Fejes)

Weitere Informationen:  mytuc.org/fvsc

 

Matthias Fejes
14.11.2017

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