Hochschule für Rassismus, Hochschule ohne Courage – Rückgrat ist eine Frage des Geldes

In einem Interview am 15.04.2017 in der Freien Presse hat Hans J. Naumann gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen diskriminierende Aussagen getroffen. Nach einer Pressemitteilung des StuRa versuchte Naumann ungenügend seine Aussagen zu relativieren. Vier Wochen später fand am 19.05.2017 im Beisein der Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange, der Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, dem Vorsitzenden des Hochschulrates Peter Seifert, Vertretern der Universitätsleitung und Vertretern des Student_innenrates bei Herrn Naumann in der Firma ein klärendes Gespräch statt. „Obwohl die Ministerin klar verkündete, dass die Äußerungen von Herrn Naumann rassistisch seien, leitete sie das Gespräch mit der Aussage ein, dass wir zusammengekommen seien, um eine ergebnisoffene Debatte zur Beerdigung der Angelegenheit zu führen. Gleichzeitig wurden Versuche über inhaltliche Debatten sofort unterbunden“, erinnert sich Florian Melcher, Mitarbeiter im Referat Hochschulpolitik des Student_innenrates und Teilnehmer am Gespräch. Mit dieser Einleitung war bereits klar, dass vorher eindeutig rassistische Äußerungen nur relativiert werden müssen, um an sächsischen Hochschulen salonfähig zu sein.

Der Senat der TU Chemnitz hat sich nun am 04.07.2017 nochmals mit der Person Hans J. Naumann beschäftigt. Anlass dafür war ein Antrag, Herrn Naumann zum Rücktritt aufzufordern. Grundlage dessen war allerdings der Umgang Herrn Naumanns mit der Kritik zu seinem Interview. Es muss in Frage gestellt werden, ob eine Person, die vier Wochen für die Reflexion des eigenen Handelns benötigt, geeignet ist, eine Hochschule in entscheidenden Angelegenheiten zu begleiten und zu vertreten. Die Abstimmung im Senat fiel als Patt aus, woraufhin die Entscheidung bei Rektor Prof. Dr. Gerd Strohmeier lag, der dem Antrag nicht zustimmte. „Es wäre wünschenswert gewesen, dass der Senat und vor allem das Rektorat ein klares Zeichen setzen. Die Ablehnung des Antrages wirkt, als wolle man sich mit der Angelegenheit nicht weiter befassen“, wertet Ines Knöfel, Referentin für Antidiskriminierung im Student_innenrat, aus.

Die TU Chemnitz bezeichnet sich als eine weltoffene Universität und bietet Student_innen aus über 100 Nationen ein Zuhause zum Leben und Forschen. Zu einer weltoffenen Hochschule gehört jedoch weitaus mehr. Unsere kulturelle Vielfalt muss geschützt werden; das bedeutet auch, dass rassistische Äußerungen in den eigenen Reihen nicht geduldet werden dürfen. Sowohl der Senat der TU Chemnitz, als auch die Ministerin zeigen in ihrem Agieren ganz klar, dass monetäre Interessen deutlich wichtiger scheinen, als die gesellschaftliche und moralische Verantwortung der Hochschulen. „Da Herr Naumann mit seinen Unternehmen ein wichtiger Kooperationspartner der TU Chemnitz ist, scheint der Umgang mit den Vorkommnissen dem Motto Geld stinkt nicht absolut gerecht zu werden“, schließt Melcher ab.

Für Rückfragen steht Ihnen Florian Melcher, Mitarbeiter im Referat für Hochschulpolitik, unter 0173/2094522 sowie unter hopo@stura.tu-chemnitz.de gerne zur Verfügung.


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