Vorwärts nimmer, rückwärts immer – Wiedereinführung von Diplomstudiengängen an der TU Chemnitz kommt archäologischer Ausgrabung gleich

Das Rektorat der TU Chemnitz hat am 28.06.2017 den Weg für die Wiedereinführung von Diplomstudiengängen freigemacht. Diese sollen als Ergänzung zu bestehenden Bachelor-/Master-Studiengängen eingeführt werden; eine Kapazitätserhöhung für die Lehre wird durch das Rektorat nicht gewährt werden.

Der Student_innenrat der TU Chemnitz (StuRa) sowie die überwiegende Mehrheit der Fachschaftsräte lehnt die Wiedereinführung von Diplomstudiengängen entschieden ab. „Wir sind uns mit der Mehrheit der Fachschaften einig, dass die TU Chemnitz zuerst einmal die bestehenden Studiengänge an die ländergemeinsamen Strukturvorgaben anpassen und eine ernsthafte Qualitätssicherung betreiben sollte, bevor mit einem Diplom-Experiment begonnen wird“, so Marius Hirschfeld, Referent für Hochschulpolitik. Nach der aktuellen Verfahrensweise würde die interne Begutachtung aller Studiengänge der TU Chemnitz mehrere Jahrzehnte dauern.

Auch die Nachfrage der Wirtschaft nach Diplomstudiengängen ist ein schwaches Argument. Selbst die größte Hochschule für Technische Studiengänge, die RWTH Aachen, hat das Diplom nicht wieder eingeführt. „Das Diplom ist ein Irrweg, denn es suggeriert einen Studienverlauf wie vor 20 Jahren, der jedoch auf Grund der Forderung nach modularisierten Studiengängen im Gesetz nicht durchführbar ist“, so Florian Melcher, Mitarbeiter im Referat Lehre und Studium. 

Da es keinen Stellenaufwuchs für die Wiedereinführung geben soll, ist der proklamierte Vorteil, dass zwischen Diplom und Bachelor/Master gewechselt werden kann, eine Mogelpackung. „Die Fakultäten haben gar nicht die Möglichkeit, angepasste Veranstaltungen für das Diplom zu entwerfen, da Stellen und Mittel dafür fehlen. So wird das Diplom nur eine Umetikettierung der bestehenden Bachelor-/Master-Studiengänge“, so Hirschfeld weiter. Auch einer der Vorteile, sich nach dem Bachelor noch einmal ganz anders zu orientieren und in eine andere Richtung zu vertiefen, geht so verloren.

„Die Hochschulleitung sollte aufhören, der TU Dresden nachzueifern um dann doch zu verlieren. Lieber soll sie durch die Schaffung einzigartiger Angebote ihre Attraktivität steigern. Die Rückbesinnung auf die erfolgreichen Studiengänge nach dem Chemnitzer Modell, in dem eine Geistes- und eine Natur- oder Technikwissenschaft kombiniert werden, wäre ein guter erster Schritt“, so Melcher abschließend.

Für Rückfragen steht Ihnen Marius Hirschfeld, Referent für Hochschulpolitik, unter 0171/6261949 sowie unter hopo@stura.tu-chemnitz.de gerne zur Verfügung.


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