Stellungnahme des Vorstandes zum offenen Brief von „Rock Your Life!“

Stellungnahme des Vorstandes der Initiative Europastudien e.V. zum offenen Brief von ROCK YOUR LIFE Chemnitz

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder,

die Initiative Europastudien e.V. (i’es) wurde am 16.02.2016 angefragt, den offenen Brief, der federführend von ROCK YOUR LIFE! Chemnitz gezeichnet wurde, zu unterstützen. Nach internen Beratungen hat sich der Vorstand der i’es dazu entschlossen, den Brief nicht mitzuzeichnen. Die Initiative Europastudien e.V. spricht sich klar und deutlich gegen Diskriminierung und Rassismus jedweder Art aus. Weder in der Gesellschaft noch im Hochschulumfeld sind derartige Äußerungen zu tolerieren. Inhaltlich ist zu begrüßen, dass sich das Institut für Psychologie und das Dekanat der Human- und Sozialwissenschaften bereits öffentlich von Form und Inhalt des von Herrn Prof. Rindermann in FOCUS ONLINE publizierten Artikels distanziert haben. Die Initiative Europastudien e.V. selbst ist aus der Fachgruppe Europastudien hervorgegangen und entstammt dem Institut für Europastudien an der Philosophischen Fakultät. Aus diesem Grund definiert der Verein seine Reichweite und sein Wirken im Kreise der Europastudierenden und setzt sich insbesondere in diesem Bereich für Vielfalt und Weltoffenheit in Chemnitz, Sachsen und Europa ein.

Herr Prof. Rindermann ist bereits in der Vergangenheit mit kontroversen Äußerungen in Rundfunk und Medien aufgefallen. Allerdings sehen wir uns als Initiative Europastudien e.V.  nicht in der Lage, die Person Herrn Rindermanns aus der Perspektive der Europastudien wissenschaftlich beurteilen zu können. Auf Basis des Artikels geht zwar eine mangelnde methodische Herangehensweise sowie problematische Schlussfolgerungen hervor, welche in einer nicht zu begrüßenden populistischen Weise festgehalten sind. Doch fraglich bleibt bei dem Text des offenen Briefes, welche Art von Transparenz der Universitätsleitung gefordert wird. Eine technische Sanktionierung können wir aus zu großen thematischen Differenzen und mangelndem Sachstandkenntnis nicht fordern. Gleichwohl ist im Sinne der Subsidiarität ein Entschluss der betreffenden Fakultät zu begrüßen.

Die Initiative Europastudien e.V. ruft jedes einzelne ihrer Mitglieder dazu auf, sich vielfältig in Gesellschaft – und besonders im Bereich Flüchtlinge – zu engagieren. Integration ist die Antwort auf eine der drängendsten Fragen unserer Zeit und deshalb sind wir stolz darauf, dass ein großer Teil der Mitglieder unseres Vereins bereits in mannigfaltiger Art und Weise der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung nachkommt. Dies zeigt auch den weltoffenen Charakter der i’es. Wir fordern auch andere Initiativen, welche thematisch näher im entsprechenden Bereich tätig sind, auf, sich weiterhin gegen Diskriminierung einzusetzen.

Auch im Sinne der Chemnitzer Charta für Vielfalt gilt es die Hochschule weiterhin als einen diskriminierungsfreien Ort, der keinen Platz für Rassismus bietet, zu erhalten.

 

Vorstand der Initiative Europastudien e.V.

 

Im Folgenden finden Sie den offenen Brief zum Nachlesen: 

„Sehr geehrter Herr Professor Schubert,

am 17. Oktober des vergangenen Jahres erschien auf der Internetseite FOCUS ONLINE ein Artikel des an der Technischen Universität Chemnitz unterrichtenden Herrn Professor Rindermann, in welchem er eine stark diskriminierende Position gegenüber Geflüchteten und Migrant_innen einnimmt. Der Artikel schreibt Geflüchteten und Migrant_innen „limitierte Fähigkeiten“ und einen geringeren Intelligenzquotienten zu und unterstellt ihnen kriminelle Umtriebe. Dies ist unserer Meinung nach wenig differenziert und aus dem Zusammenhang gerissen dargestellt. Herr Professor Rindermann nimmt mit diesem Artikel eine einseitig beleuchtete Bewertung der momentanen Migrationsbewegung vor, woran sich eine verantwortungsbewusste und humane Flüchtlingspolitik mitnichten ausrichten darf.

Wir, die Studierendenschaft der TU Chemnitz, begrüßen es, dass sich das Institut für Psychologie und das Dekanat der Human- und Sozialwissenschaften bereits öffentlich von Form und Inhalt des Artikels distanziert haben. Ungeachtet der Tatsache, dass diese Stellungnahme nicht mehr öffentlich auffindbar ist, befürchten wir indes, dass vonseiten der Universität keine weiteren Konsequenzen folgen werden. Wir möchten mit diesem Schreiben zum Ausdruck bringen, dass wir Studierende die Aufassung und Schlussfolgerungen von Herrn Professor Rindermann nicht teilen und fordern Sie auch zu einer eindeutigen Positionierung auf.

Bereits im vergangenen Februar hat Ihr Vorgänger im Amt, Herr Professor van Zyl, die „Chemnitzer Charta für Vielfalt“ unterzeichnet, um damit den Wert eines solidarischen Miteinanders und der Internationalität von Forschung und Lehre zu betonen. In einer E-Mail rief er ebenso die Studierenden auf, ihre Überzeugung für Diversität und Weltoffenheit kundzutun. Dieser Aufforderung möchten wir in der Überzeugung, dass auch Sie für eine solche weltoffene Position einstehen, mit diesem offenen Brief nachkommen. Wir sind der Auffassung, dass eine solche Publikation, welche durch ihre Aussagen ein diskriminierendes Verhalten gegenüber Geflüchteten und Migrant_innen befördert, in keiner Weise in das weltoffene Konzept der TU Chemnitz passt und geeignet ist, dem Ruf der Universität Schaden zuzufügen. Als Studierendenschaft fordern wir daher mehr Transparenz darüber, wie vonseiten der Universitätsleitung mit solchen Äußerungen umgegangen wird. Wenn das Engagement der TU für die „Chemnitzer Charta für Vielfalt“ keine leere Hülle bleiben, sondern mit Leben und einem beständigen Einsatz für mehr Diversität gefüllt werden soll, muss in dieser Sache dringend eine klare Stellungnahme vonseiten der Universitätsleitung erfolgen.

Mit freundlichen Grüßen,

ROCK YOUR LIFE! Chemnitz e.V.

Amnesty International, Stadtgruppe Chemnitz

United Campus Chemnitz e.V.

Bündnis Chemnitz Nazifrei“

 

 

Stellungnahme des Vorstandes zum offenen Brief von „Rock Your Life!“
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