Integrationstagung

Am 13. Oktober fand die Tagung „Integration – zwischen Ehrenamt und Wissenschaft“ statt, an der rund 16 Studierende teilnahmen. Vielen Dank an alle Teilnehmenden, Redner*innen und Workshop-Leiter*innen!

Das Tagesziel war es, aus der Tagung herauszugehen und zu wissen, wo wir und jede*r für sich alleine ansetzen kann, um eine gelingende Integration zu ermöglichen.

Dafür zunächst eine kleine Revue: In einer Keynote-Speech von Dr. Vivien Sommer, Leiterin des Projektes „Medien & Asyl“ an der TU Chemnitz, erfuhren wir mehr über das Forschungsanliegen und die zugrundeliegende Methodik. Dr. Sommer ging der Frage der Partizipation von Geflüchteten im Rahmen des Projektes nach. Auf die abschließende Frage des Moderierenden, was für Dr. Sommer gelingende Integration ausmache, antwortete sie, dass ihre geschärfte Perspektive durch das Projekt, ihr aufgezeigt habe, wie wichtig das mitzubringende Motivationspotenzial durch die aufnehmende Gruppe und nicht die Integrierenden selbst sei. Außerdem regte sie an, die fehlende Vernetzung der Projekte zur Integration von Geflüchteten in Chemnitz untereinander voranzutreiben. Plötzlich stand die Aufnahmegesellschaft im Mittelpunkt. Wir alle waren gefragt, uns in den Workshops näher damit auseinanderzusetzen, wie wir uns für eine gelingende Integration nachhaltig einsetzen können.

Der Workshop „Du bist Deutschland – Es gibt Kurse für Alles! // Integration & informelle Bildung“  geleitet durch Janna Rückert vom netzwerk n und Rawad Altaweel, selbst Geflüchteter, begann damit, dass der Text “Ohne Titel” vorgelesen wurde, woraufhin sich eine intensive Analyse und Diskussion entwickelte. Daraufhin dachten sich die Teilnehmenden selber Projekt-Ideen aus. Im Gespräch kam heraus, dass es manche Idee schon gibt, andere an der Umsetzung scheiterten und wieder andere noch völlig neu waren. Auffällig war hier, dass mehr die Geflüchteten selbst als Projektdurchführer*innen angesehen wurden. Es sollten nicht weiter strikt Kurse für Flüchtlinge angeboten werden. Vielmehr kam die Frage auf, was wir von Geflüchteten lernen können. Der Konsens: sehr viel!

In dem anderen Workshop  „Der Weg in die Zukunft – Integration als Einbahnstraße oder gesamtgesellschaftliche Verantwortung?“  stand die Forschung im Mittelpunkt. Zum einen sollte aufgezeigt werden, dass nicht nur ehrenamtliche Arbeit Integration ausmacht, sondern auch eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Integration diese voranbringt. Robinson Dörfel, Mitglied in der Forschenden-Gruppe „Flüchtlinge in Sachsen (FIS)“ an der TU Chemnitz, leitete diesen Workshop. Mit seiner Hilfe wurden zwei Forschungsideen anhand des Transfermodells entwickelt.

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion, die mehr einen offenen Gesprächskreis darstellte, wurde der Frage nachgegangen, inwieweit gute Integration gelingen kann. Als „Podiumsgäste“ waren Etelka Kobuß (Migrationsbeauftragte der Stadt Chemnitz), Runa Richter (Save Me), sowie die beiden Workshopleitenden Janna Rückert und Robinson Dörfel eingeladen.

Zunächst stellte Robinson Dörfel die Ergebnisse seines Workshops vor. Ein Ergebnis war, dass mithilfe von Forschung Handlungsfelder entwickelt werden können und so für die Praxis Workshops für Multiplikator*innen entwickelt werden können. Frau Kobuß und Frau Richter bestätigten, wie wichtig solche Workshops für ehrenamtliche Helfer*innen seien und dass es schon einige Angebote in der Stadt diesbezüglich gebe. So erzählte Frau Richter von ihrer Arbeit als Koordinatorin der „Save Me“ Kampagne und welche Workshops den Ehrenamtlichen angeboten werden. Frau Kobuß falsifizierte anschließend die angenommene These, dass im ‚Märchensommer‘ viele Ehrenamtliche zur EFA (ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit) dazugestoßen seien und jetzt nach und nach wieder abspringen würden. Das Gegenteil sei der Fall: die Zahl der ehrenamtlich Engagierten sei gleichbleibenden hoch mit der Tendenz steigend. Auf die kritische Nachfrage, ob Ehrenamtliche Aufgaben des Staates übernehmen würden, antworten die beiden, dass dies der Fall gewesen sei, aber nun nicht mehr. Einig waren sich beide darin, dass ohne ehrenamtlich engagierte Menschen nichts laufen würde: „Wir sind auf Ehrenamtliche angewiesen!“

Danach stellte Janna Rückert die Ergebnisse ihres Workshops vor. Alle Projektideen wurden vorgestellt und Frau Kobuß und Frau Richter bestätigten, dass es schon sehr viele dieser genannten Angebote seitens der Stadt und diverser Einrichtungen gebe, aber immer mehr gebraucht werden. Ein einzelnes Integrationscafé helfe nicht viel, man brauche in jedem Stadtviertel eines und dazu muss es offen sein für alle, sodass auch Nachbar*innen vorbeikommen und tatsächlich Integration stattfinden könne, so Frau Kobuß. Darin waren sich wieder alle einig, Integration kann nur gemeinsam geschafft werden, es gibt Pflichten für die Aufnahmegesellschaft und Pflichten für die Ankommenden. Aber Integration kann nie bei einer Gruppe allein liegen. Ein Konsens wurde auch bei der Aussage gefunden, dass die eigentliche Arbeit der Integration jetzt erst beginne.

Zum Abschluss wurden alle Gesprächspartner*innen gefragt, was alles geschehen sein sollte, dass sie in Zukunft sagen könne, Integration sei gelungen. Frau Richter erhoffte sich, dass die Chemnitzer*innen offener werden und Fremden nicht weiterhin das Gefühl geben, sie seien nicht willkommen. Frau Kobuß stimmte dem zu, verwies auf die Vergangenheit, wieviel schon geschehen sei in dem Bereich Integration. Sie nannte ein buntes Miteinander als Voraussetzung für eine gelingende Integration. Herr Dörfel legte den Fokus auf den Diskurs und hofft inständig auf mehr Besonnenheit. Janna Rückert sagte, dass sie hoffe, dass Integration an sich kein Thema mehr sei, sondern schlicht geschehe.

Und was können wir nun tun? Alles.

Wir hoffen, dass ihr Kontakte geknüpft habt oder über uns den einen oder anderen Kontakt wiederherstellen könnt. Vor allem wünschen wir uns, dass ihr für dieses Thema Feuer gefangen habt. Nur weil die Notunterkünfte an der Uni geschlossen wurden, heißt das nicht, dass es keinen Handlungsbedarf mehr gibt!

Ihr habt also Bock eines der Projekte umzusetzen? Die Initiative Europastudien e.V. freut sich über Projektideen und deren gemeinsame Umsetzung: Meldet euch gern bei den Verantwortlichen. Auch die Bürgerstiftung für Chemnitz könnt ihr gerne kontaktieren. Wir vermuten auch stark, dass die Gruppe FIS noch forschungsfreudige Mitstreiter*innen sucht. Kontaktdaten sind jeweils verlinkt, wir danken allen herzlich und hoffen auf eine weitere gute Zusammenarbeit!

Zur Info: Im letzten Semester erschien der ES-Spiegel unter dem Thema “Asly in Chemntiz – Deutschland – Europa”. Er ist immer noch aktuell und lesenswert! Hier geht es zum Blog. Des Weiteren gibt es eine Seite namens “goods4refugees”, deren Prinzip denkbar einfach ist: Du suchst einfach, was in deiner Stadt am dringendsten benötigt wird oder schaust, bei welchen Organisationen du dich aktiv einbringen kannst. Vielleicht für den einen oder anderen interessant.

Björn & Ellen

 

Ohne Titel 

Das Leid der syrischen Vergangenheit überdauert die westliche vorübergehende Trunkenheit.

Der leichte Tanz der Nacht verliert sich im aufkommenden Schrei bis zum Morgengrauen, den du in einem Heft versuchst zu schreien, das schon aus allen Nähten vor Erinnerungen platzt.

Durch Wein, Tabak und den neuen alten Schmerz ferngehalten vom Schlaf sitze ich auf dem Balkon. Getrieben von einer aufkommenden Enge flüchte ich ins Wohnzimmer und finde mich in Mitten von neuen Leuten. So ungewohnt ist ihr Leben in geregelten Bahnen. Unvorstellbar schien es uns, schon in den Träumen, die wir hatten, bevor wir hierher gekommen sind. Irgendwie nutzen diese Leute ihre Zeit auf eine Art und Weise, die uns, die aus dem Kriegsland gekommen sind, völlig fremd ist.

Ich lausche ihren unverständlichen Gesprächen auf der Suche nach bekannten Wortfetzen. Eine deutsche Freundin fragt mich nach meinen Plänen für das Wochenende und die nächsten Monate. Wie ein Idiot stehe ich sprachlos vor ihr. Wie ein Schlag trifft mich diese Frage, auf die ich keine Antwort finde, genau wie all die anderen Menschen, die von Tag zu Tag leben müssen. Der einzige Plan, der ihnen bleibt, ist zu überleben und immer wieder Manöver zu finden, um ihre Existenz zu sichern für die nächsten 30 Tage von Turbulenzen.

Keiner plant in unserm Land. Es ist den mächtigen Männern vorbehalten. Die setzen rote Linien um uns herum wie Mauern einer Gefängniszelle, in deren Isolation die innere Uhr nach dem ersten unruhigen Schlaf keine Orientierung mehr hat.

Nun umgeben von der neuen Freiheit spüre ich wie die Mauern meines Gefängnis von ihr durchbrochen werden. Geblendet von dem grellen ungewohnten Licht verbleibt in mir Unruhe.

Befreit von Mauern, Wächtern und Fesseln kehren die Sonne und die Gestirne zurück in dein  Universum voller Dunkelheit. Ihre Gabe ist ein neuer Kontinent… die Zeit.

 

Rawad Altaweel

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