2006

Folgende Projekte veranstaltete die Initiative Europastudien e.V. im  Jahr 2006:

 

1. Bewegte Bilder

2. _die sorben/wenden – wo geht die reise hin?!

3. Filmabend Belarus

4.  Die magische Stadt und ihre Künstler – Prag zu Beginn des 20. Jahrhunderts

1.) Bewegte Bilder

Hierbei handelt es sich um ein Kooperationsprojekt der Initiative Mittel- und Osteuropa. Unter dem Motto: Bewegte Bilder – Mit Dir wächst die Vielfalt werden im Juli 2006 1.000 Fotoalben auf die Reise durch Europa geschickt. Die ursprüngliche Idee war, dass 10 Initiativen in 5 Ländern an einem Tag ein Projekt auf die Beine stellen, um den grenzübergreifenden Dialog zu fördern und Leute zur Mitarbeit in einer aktiven Zivilgesellschaft zu motivieren. Daraus hat sich eine verbindende Idee entwickelt: 1000 Fotoalben sollen für ein halbes Jahr quer durch ganz Mittelosteuropa reisen. Jeder, der eines in die Hand bekommt hat die Möglichkeit eine Seite zu gestalten. Dann wird das Album weitergegeben. Die Alben starten ihre Reise in allen teilnehmenden Initiativen am 29. Juli 2006 und sollen bis Weihnachten möglichst viele Stationen durchlaufen, um sich am Ende wieder in Berlin einzufinden. Die Idee für die Auftaktveranstaltung in Chemnitz ist ein Fotobiathlon in Leipzig und Chemnitz. Wir planen dies mit einer Fotoausstellung zu verbinden. Die schönsten Bilder werden am 29.Juli im Leipziger Hauptbahnhof ausgestellt. Gleichzeitig dienen sie als erste Seite der Alben.

 2.) _die sorben/wenden – wo geht die reise hin?! – serby – co pśinjaso pśichod?! 

Die Sorben im Gepäck

Europa-Studenten sensibilisierten Chemnitzer Schüler für die Minderheitenproblematik und laden zur Ausstellung über die Sorben ein

Unter dem Motto „Serby – co psinjaso psichod?“, was in Deutsch soviel heißt wie: „Die Sorben – wo geht die Reise hin?“, wird am 7. Mai 2006 im Armen Theater Chemnitz eine zweiwöchige Ausstellung über die Sorben eröffnet. Von 11 bis 15 Uhr werden hier künstlerische Arbeiten von Chemnitzer Schülern präsentiert, die im Rahmen eines vom Theodor-Heuss-Kolleg der Robert Bosch Stiftung gestifteten Projekts an der TU Chemnitz entstanden sind. Im Januar und Februar diesen Jahres waren elf Europa-Studenten in zwei Chemnitzer Gymnasien (Dr. Wilhelm-André-Gymnasium, Schmidt-Rottluff-Gymnasium) und vier Mittelschulen (Theodor- Körner-Mittelschule, Flemming Mittelschule, Mittelschule Gablenz, Evangelisches Schulzentrum) unterwegs, um den Schülern der Klassenstufen acht bis zehn die Minderheitenproblematik in Deutschland näher zu bringen. Im Mittelpunkt ihrer Vorträge standen aktuelle Probleme der Sorben aus der Ober- und Niederlausitz und die gemeinsame Suche nach neuen Perspektiven für das sorbische Volk. „Wir mussten feststellen, dass die meisten Schüler weder die sorbische Minderheit in Sachsen noch in Brandenburg kannten. Heute wissen sie nicht nur etwas über die sorbische Kultur, sondern auch etwas über die vielschichtigen Probleme, vor denen nicht nur die Sorben, sondern auch andere Minderheiten stehen“, erklärt die Europa-Studentin Katja Sieg.

Zudem waren die Chemnitzer Schüler in einem Schulwettbewerb aufgerufen, ihre Ideen zur sorbischen Kultur und Lebensweise kreativ umzusetzen. Die Ergebnisse werden nun in der Ausstellung vorgestellt. Die Europa-Studenten und die am Projekt beteiligten Schüler wollen den Besuchern den Alltag der Sorben durch Kunst, sorbische Bräuche und Informationen näher bringen. Auf dem Programm stehen Auftritte des Cottbusser Tanzensembles Freundschaft (TEF) und eine musikalische Einlage der Heidemusikanten aus Spremberg. „Während der Veranstaltung haben die Gäste die Möglichkeit, die Kunst der Ostereibemalung zu erlernen oder Nowoletki – sorbische Glücksbringer – anzufertigen. Auch das Sonntagsmenü unserer Gäste kann ins Arme Theater verlegt werden, denn auf der Karte stehen traditionelle sorbische Speisen wie Pellkartoffel mit Quark und Leinöl“, so Ausstellungsleiterin Grynet Kleiner. Am Nachmittag werden von einer Fachjury die besten Schülerarbeiten prämiert. Als Hauptpreis können die Schüler eine erlebnisreiche Reise in den Spreewald gewinnen.

Neben den Schulbesuchen und der Ausstellung steht auch noch eine dritte Etappe des Projekts. Als Ziel haben sich die Teilnehmer eine breit angelegte Unterschriftenaktion gesetzt, die ein neues Finanzierungsabkommen für die Minderheit fordert. „Die bisherige Unterstützung läuft Ende 2007 aus. Die Bundesregierung und die Länder Sachsen und Brandenburg haben sich aber für die Förderung und Weiterentwicklung der sorbischen Kultur verpflichtet. Deshalb möchten wir uns dafür einsetzen, dass die Sorben auch in Zukunft angemessen gefördert werden“, betont Katja Sieg. Bis zum Juli kann man die Aktion noch mit seiner Unterschrift unterstützen, im September soll die Liste dann dem Kultusstaatsminister Bernd Neumann überreicht werden. Auf die Frage hin, warum sie sich so für das sorbische Volk engagiert, antwortet sie: „Die Niederlausitz ist meine Heimat. Ich fühle mich als Sorbin und möchte einfach, dass das Sorbische weiter erhalten bleibt.“

Die Schirmherrschaft für das Projekt hat der Domowina Regionalverband Niederlausitz e.V., der Dachverband sorbischer Vereine und Institutionen, übernommen. Als weitere Partner konnten die Chemnitzer Studenten die Gesellschaft für bedrohte Völker e.V., die sorbischen Kulturinformationszentren LODKA (Cottbus) und SKI (Bautzen) sowie die Initiative Europastudien e.V. und die Professur Europäische Regionalgeschichte an der TU Chemnitz gewinnen.

Pressemitteilung der TU Chemnitz vom 03. Mai 2006

Links:

Projekthomepage

Blog Eintrag „Sorben.org“ 

Bericht des Theodor-Heuss-Kollegs

3.)  Filmabend Belarus

Im Rahmen der Europawoche Präsentation des Filmes „89 Millimeter“ – 

Diskussion mit dem Filmemacher Sebastian Heinzel; 11. Mai 2006.

Am 11.Mai 2006 veranstaltete die Initiative Europa Studenten e.V. ein Filmabend über Belarus. Genauer gesagt wurde der Film „89 Millimeter“, der das Lebensgefühl sechs junger Weißrussen beschreibt, von Sebastian Heinzel gezeigt. Höhepunkt des Abends, der von der Initiative Europa Studenten e.V. und dem Studentenrat finanziell unterstützt wurde, war natürlich die persönliche Anwesenheit des Regisseurs.

Völlig unerwartet und wahrscheinlich aufgrund der Aktualität dieses Themas, kamen fast doppelt so viele Personen als erwartet, das TAC war übervoll. Der Film wurde auf einer großen Leinwand gezeigt und das Publikum war sichtlich ergriffen. Nachdem der Film gezeigt wurde, und offenbar auch auf großen Zuspruch gestoßen ist, stellte sich die Aktion „Pro Belarus“ vor. Die Aktion Pro Belarus will Studierende in
Weißrussland, die aufgrund ihres politischen Engagements seit der Präsidentschaftswahl zwangsexmatrikuliert wurden, oder davon bedroht sind, durch die Vergabe von Stipendien unterstützen.

Im Anschluss daran entwickelte sich eine Diskussion, die der Regisseur selbst mit dem Publikum führte. Fast anderthalb Stunden diskutierte das sehr interessierte Publikum mit seinen unterschiedlichsten Meinungen und Sichtweisen gemeinsam mit Sebastian. Dabei beteiligte sich auch eine weißrussische Studentin, was natürlich Diskussionspotential bot. Bei russischer Musik und Bier klang der Abend mit viel Freude darüber, dass der Filmabend so erfolgreich verlaufen ist, aus.

Friederike Merkel, Initiative Europastudien e.V.

 4.) Die magische Stadt und ihre Künstler – Prag zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Seminar für Studierende aus Polen, Tschechien und Deutschland in Prag; 27. bis 30. April 2006.

Als „magische Stadt“ ist Prag oft gerühmt und beschrieben worden – ihr Ruf ist der Hauptstadt Tschechiens vorausgeeilt und macht sie nicht erst seit heute zum Anziehungspunkt unzähliger Touristen und
Rucksackreisender.

Auch vor 100 Jahren war die alte Hauptstadt Böhmens Anziehungspunkt für einen Kreis junger Literaten, die sich im beginnenden 20. Jahrhundert in Prager Cafés trafen und über Literatur diskutierten. Einige von ihnen, wie Franz Kafka und Rainer Maria Rilke, erlangten später mit ihren Werken Weltruhm.

Diesem Mythos von Kafka und der magischen Atmosphäre Prags versuchten wir uns also auf dem Seminar zu nähern und reisten für vier Tage nach Prag.

Wir waren 18 Teilnehmer aus drei Nationen, sieben Studentinnen aus
Chemnitz (initiiert und gefördert war das Projekt auf deutscher Seite von der Chemnitzer „Initiative Europastudien“), sieben polnische Germanistikstudentinnen vom „Krakauer Germanistenzirkel“ und vier Tschechen von der Initiative „Knoflik“, die den deutsch-tschechischen Austausch fördern will. Koordiniert und finanziell unterstützt wurde das Seminar von der Stiftung InMOE.

Eine Stadtrallye, in denen wir in kleineren, international gemischten Gruppen die Stadt erkundeten, ließ uns zunächst mit der Atmosphäre im heutigen Prag bekannt werden. Durch einen Besuch auf dem alten Jüdischen Friedhof in einem der Prager Vororte und der Besichtigung des Judenviertels wurde uns auch die schwierige Position der Prager Juden bewusst: „doppelt ghettoisiert“ waren sie als sowohl deutsche wie auch jüdische Minderheit im alten Prag, wie Prof. Havelka von der Karls-Universität uns später in seinem Vortrag über die Geschichte Prags erzählte.

Franz Kafka läutete das 20. Jahrhundert ein mit kurzen Erzählungen, die beim Leser immer einen schalen Nachgeschmack hinterlassen. Irritiert bleibt der Leser zurück, aber wohl nie lässt Kafka ihn kalt. Für diese eigentümliche Art der Irritation wurde Kafka ein eigenes Adjektiv erschaffen: „kafkaesk“ – in rätselhafter Weise unverständlich.

Mit dem Ziel, diese Unverständlichkeit zu überwinden und hinter Kafkas schwierige Texte zu blicken, wanderten wir also durch Prag. Hörten Vorträge über Kafkas Leben, sein Verhältnis zur Heimatstadt, das Leben der Prager Juden im Ghetto. Und besuchten viele der Stationen in Kafkas Biographie, vom Geburtshaus über die Universität, in der er lustlos Jura studierte, bis hin zum „Café Arcor“, in dem Kafka über Literatur diskutierte und wir uns nach einer verregneten Stadtführung mit Kaffee und Kakao aufwärmten.

Bei diesen Gelegenheiten kam sich auch unsere Gruppe schnell näher– von lebhaften Diskussionen über die Bedeutung von Kafkas Werk bis zum Austesten spärlicher Tschechisch-Kenntnisse beim Bierbestellen. Die Seminarsprache war deutsch, und wir waren immer wieder beeindruckt von dem fließenden und gewandten Deutsch der tschechischen und polnischen Teilnehmer. Aus dem Seminar soll nun eine Seminarreihe werden, jährlich wechselnd in einer anderen Stadt, angedacht ist für das nächste Jahr eine Fortsetzung in Krakau.

Der expressionistische Zwanzigerjahre-Stummfilm „Golem“, der im Prager Judenviertel spielt, schlug den Bogen zur Atmosphäre der damaligen Zeit zwischen Aufbruchstimmung und Verunsicherung,
lebhafte Diskussionen folgten. Langsam entspann sich also ein Bild von der Atmosphäre in Prag zu Beginn der Jahrhundertwende, dem Leben in den Cafés und in einer historischen Stadt. Zunächst enttäuscht über das schlechte Wetter, vermittelte der anhaltende Regen vielleicht doch ein treffendes Bild von Nostalgie und Glanz vergangener Zeiten. Auch wenn sich Prag im Laufe eines Jahrhunderts deutlich verändert hat, hat besitzt es doch immer noch, wie wir während des Seminars gemerkt haben, eine ganz besondere Anziehung und Magie.

Maike Jacobsen (Initiative Europastudien e.V.)

2006
Tagged on:

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *