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Seniorenkolleg an der TU Chemnitz
Seniorenkolleg

Begegnungen mit anderen gleichartigen Einrichtungen


Begegnung der Senioren der Universität des 3. Lebensalters (U3L)
an der Johann Wolfgang Goethe – Universität in Frankfurt am Main
mit Senioren des Seniorenkollegs an der Technischen Universität Chemnitz
im Juli 2007 in Frankfurt am Main


Die Begegnungen der Senioren der beiden Universitäten haben eine mehrjährige Tradition und sie finden im Wechsel der Jahre in Frankfurt/M. und Chemnitz statt.
Im Jahr 2007 lud für das Begegnungsseminar der älteren Studierenden Professor Dr. Dr. h.c. Günther Böhme in einer sehr persönlich gehaltenen Einladung zum Treffen nach Frankfurt ein. Zur Tradition gehört auch, dass wissenschaftliche Podiumsdis- kussionen, regionales Kulturgut und gemeinsame Stunden bei zwanglosen Gesprächen Bestandteil dieser Besuche sind.
Prof. Böhme thematisierte für den Inhalt der Vorträge während des 3-tägigen Kolloquiums die zeitnahe Problematik: „Europa und Deutschland“.  Der kulturelle Teil sah einen Besuch des Zisterzienserkloster in Eberbach im Rheingau vor, einem Zentrum des katholischen Ordens.
Im Eröffnungsvortrag erinnerte Prof. Böhme an einen deutschen Philosophen: „Heidegger, der Denker des Jahrhunderts“.
Martin Heidegger lebte von 1886 bis 1976. Prof. Böhme stellte in seinen Darlegungen Denkweisen des Philosophen in denMittel- punkt seines Vortrages.
im Seminar,mit  Prof. Böhme
Er betonte die durch Heidegger entwickelte „radikale neue Philosophie“, die sich an der „Tiefe des Seins“ orientiert. Sie will sich als die „Lehre vom Sein“ verstanden wissen. Das Werk Heideggers „ Sein und Zeit “ sei Grundlage dafür, das „Dasein“ des Menschen zu interpretieren und zu verstehen. Im Sein versteht Heidegger den Sinn der Existenz des Menschen.
In den 1960er Jahren stehen Technik und Technologie der Moderne stark in seiner Kritik. Der Denkansatz „Es rechnet sich oder es rechnet sich nicht“ könne nicht Sinn des Dasein sein. Vielmehr begründet Heidegger in der Onthologie, also der Lehre vom Sein, das metaphysische Denken als eine Voraussetzung für Antworten nach der Unendlichkeit der Welt, nach der Frage: was ist das Jenseits, nach der Sinnhaltigkeit der Existenz und nach dem menschlichen Sein als Sein vom Ganzen.

Am zweiten Tag befasste sich Professor Wolfhart Sommerlad während eines Vortrages mit der Problematik:
„Deutschland in Europa- Zur Geschichte der Aktualität einer deutschen Europapolitik“.
Ausgang seiner Betrachtungen waren die am 25. März 1957 abgeschlossenen Römischen Verträge. Sie seien die Voraussetzungen gewesen für den heutigen gemeinsamen Markt, dem freien Verkehr von Waren und Personen in Europa, Dienstleistungen und der gemeinsamen Währung des Euro. Bereits Winston Churchill nannte 1946 in einer „Rede an die akademische Jugend“ seine Vorstellungen eines künftigen Europas: Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa und Partnerschaft zwischen Frankreich und Deutschland. Der Gedanke der Ost-West-Aussöhnung sei auch ein Grundanliegen der Regierungen unter den Bundeskanzlern Schmidt, Brandt, Kohl und Schröder gewesen.
Zu den Gründungsmitgliedern zählten vor 50 Jahren Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg. Heute umfasst der europäische Wirtschaftsraum 27 Staaten mit einer Bevölkerung von 480 Millionen Menschen.

Die EU sei während mehrerer Etappen gewachsen:
  • Juli 1952   Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl  -  Montanunion
  • 1953/54    Europäische Verteidigungsgemeinschaft
  • Jan. 1958  Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft EWG und der Europäischen Atomgemeinschaft Euratom
  • 1967    Zusammenlegung von EGKS, EWG und Euratom zur Europäischen Gemeinschaft
  • Jan. 1973   Beitritt von Großbritannien, Dänemark und Irland zur EG
  • 1978  Gründung des Europäischen Währungssystems
  • 1979  Erste Direktwahlen zum Europäischen Parlament
  • 1981/86 Beitritt Griechenland, Spanien und Portugal zur EG
  • 1990  Deutsche Einigung – 5 ostdeutsche Bundesländer werden Teil der EU
  • 1992  Vollendung des Europäischen Binnenmarktes Maastrichter Vertrag: Umbenennung EG in Europäische Union EU
  • Jan. 1995  Beitritt Finnland, Österreich und Schweden zur EU
  • Dez. 2000 Vertrag von Nizza, Beschluss zum Beitritt von 8 mittel- und osteuropäischen Staaten, Malta und Zypern
  • 2002/03 Entwurf eines Vertrages über eine Verfassung für Europa
  • Jan. 2007  Beitritt Bulgarien und Rumänien zu EU
Professor Sommerlad ging auch auf das 3-Säulenmodell der EU ein - Gemeinsame Außen- und Sicherheits- politik, Europäische Gemeinschaften, Polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit - , erwähnte die Organe der EU, die Zusammensetzung des Europäischen Parlamentes und des Europäischen Rates als wesentliche Institu- tionen der Europäischen Union. Deutschland sei als Vollmitglied in allen Gremien integriert und gelte als Grund- pfeiler für die Politik der Europäischen Union.

In dem Vortrag „Lebensgeschichten europäischer Senioren“ sprach Herr Konstantin Wowra aus Chemnitz über die Zusammenarbeit mit Senioren aus Italien, Belgien und Irland. Dieser Bericht war ein anschauliches Beispiel der ge- und erlebten Zusammenarbeit zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturkreise innerhalb Europas. Durch wechselseitige Besuche und verfasste Berichte, die im Internet ausgetauscht werden, entstand eine an- schauliche Dokumentation. Sie enthält Geschichten über Erlebnisse, Begebenheiten und Fragen innerhalb unterschiedlicher Staaten der Europäischen Völkergemeinschaft.
Diese Dokumentation wurde von den Frankfurter Senioren stark nachgefragt, war sie doch ein praktisches, länderübergreifendes Ergebnis zwischen Senioren mit unterschiedlicher Vergangenheit und Lebensweise.

Der Frankfurter Musikwissenschaftler, Herr Dr. Gernot Blume versuchte während seines Vortrages „Das Europäische in der modernen Musik“ das Spannungsfeld zwischen Klassik und Moderne in der Musik auszu- leuchten. Er glaube nicht an eine Polarisation zwischen dem Erbe der Musik und Weiterentwicklungen. Ein ein- druckvolles Beispiel dafür sei schon in früheren Jahren die Lehre des österreichischen Komponisten Arnold Schönberg (1874 – 1951) gewesen. Er stellte den Musikwerken, die in Dur oder Moll geschrieben wurden, die Zwölftontechnik als Weiterentwicklung in der Musik gegenüber. Die Einführung der Methode der Komposition mit 12 aufeinander bezogenen Tönen beeinflusste die weitere Musikentwicklung. Eine ähnliche Bedeutung, die Musik mit neuen modernen Ideen auszurüsten, käme Igor Strawinsky (1882 – 1971) zu. Seine frühen Ballett- musiken seien dafür genannt, beispielhaft „Der Feuervogel“ und seine Zusammenarbeit mit dem Bandleader der amerikanischen Swingszene Woody Herrmann. Sie gipfelte im Entstehen des „Ebony-concerto“ mit einer für Jazz-Orchester völlig neuen Klangfarbe.
Das Moderne in der Musik käme auch heute durch außereuropäischen, asiatischen und islamischen Instrumen- taleinfluss zum Ausdruck. Diese neuen Kombinationen in der Instrumentierung und der Tontechnik würde die Musikkultur weltoffen halten und neue Farbspiele in der Musik hervorbringen.

Der abschließende Vortrag von Prof. Dr. Roland Schöne von der TU Chemnitz stand unter der Überschrift „Der demographische Wandel und seine Chancen“.
Es sei eine europäische Tatsache, dass der Einfluss der Älteren in  der Gesellschaft zunimmt, mehr noch: sie seien sogar Zielgruppe der Bedürfnis- und Produktentwicklung. Zur Zeit seien in Folge der Arbeitsmarkt- situation ältere Erfahrungsträger in Produktion und Technik wieder zunehmend gefragt. Die Aus- und Weiterbil- dung sei ressortübergreifend durch geeignete Bildungskonzepte abzusichern. In der Bundesrepublik gäbe es 80 lernende Regionen, davon 5 in Sachsen und eine in Chemnitz.
Bildung und Förderung müsse möglichst im Kindergarten beginnen und sich im Übergang zur Grund-, Real- schule bis in die Gymnasien fortsetzen. Die dafür entwickelten Programme seien um so wichtiger, da eine Halbierung der Schülerzahl zu verzeichnen war.
Die TU Chemnitz stellte sich diesem Problem durch die Schaffung von Kreativzentren für Schüler an der Universität und der Anschaffung einer mobilen Bildungsstätte in Form eines Großraumfahrzeuges. Dieser „Future-Trucks“ ist ausgestattet mit Experimenten zu moderner Technik und Naturwissenschaft und er ermög- licht ein zusätzliches Bildungsangebot für Schulen der Region.
Für die an der Chemnitzer Universität Studierenden gelte es günstige Bildungsangebote zu schaffen und weitere Studenten, auch aus anderen Bundesgebieten und dem Ausland, für diese Universität zu interessieren.
Zum kulturellen Programm gehörte der bereits erwähnte Besuch des Zisterzienserklosters in Erbach im Rheingau.
Während der geführten Besichtigung wurde die Entstehungs- geschichte der Benediktiner erklärt, aus denen die Zisterzienser als kirchlicher Orden hervorgingen. Im 6. Jh. n. Chr. G. lebte, lehrte und arbeitete der Mönch Benedikt mit seiner Zwillingsschwester Scholastika auf dem Monte Cassino zwischen Rom und Neapel. Der Grundgedanke „ora et labora“ vereinigte Glaubensbrüder in diesem katholischen Orden. Von Italien ausgehend entstanden weitere Klöster in Frankreich und Deutschland, so auch das Kloster in Erbach.

In den geselligen Stunden wurden die bestehenden persönlichen Verbindungen vertieft und neue geknüpft.
Kloster
Kloster geselliges Beisammensein

Horst  C l a u ß
Sekretariat Seniorenkollegs an der TU Chemnitz

Fotos:
Renate Wolf
Teilnehmerin  des Seniorenkollegs

 

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