Navigation

Springe zum Hauptinhalt
Seniorenkolleg an der TU Chemnitz
Seniorenkolleg

Pressemeldung zum 1. Mitteldeutschen Weiterbildungsforum „Lebenslanges Lernen – Bildung für Ältere und generationsübergreifend mit Jüngeren“ am 28./29.9.2011 in der Technischen Universität Chemnitz.

 

Lebenslanges Lernen von Älteren und Jüngeren auch als Prävention gegen Demenz

100 Ältere und Jüngere aus Mitteldeutschland, die auf dem Gebiet der Bildung für Ältere und generationsübergreifend mit Jüngeren als Wissenschaftler, Studierende, Organisatoren oder als Teilnehmende tätig sind, trafen sich zum 1. Mitteldeutschen Weiterbildungsforum „Lebenslanges Lernen – Bildung für Ältere und generationsübergreifend mit Jüngeren“ am 28./29.9.2011 in der Technischen Universität Chemnitz. Eingeladen hatte das Seniorenkolleg an der TU Chemnitz und das Institut für Bildung, Kultur und Organisations-entwicklung e.V. im Rahmen des Jahres der Wissenschaften 2011 anlässlich des 175-jährigen Jubiläums der TU Chemnitz.

Der Dekan der Philosophischen Fakultät der TU Chemnitz, Prof. Christoph Fasbender begrüßte in Vertretung des verhinderten Rektors Prof. Klaus-Jürgen Matthes die Teilnehmenden diese Weiterbildungsforum und Referenten aus Japan, Polen, der Schweiz, der Tschechischen Republik und aus den mitteldeutschen Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aber auch aus anderen Bundesländern.

Im Auftrag des Sächsischen Staatsministers für Kultus und Sport Prof. Dr. Roland Wöller begrüßte Herr Abteilungsleiter Thomas Rechenthin die Teilnehmenden und informierte über die Zielstellungen und Förderung des Lebenslangen Lernen, im Freistaat Sachsen durch die Förderung von Projekten, z.B. zum Einsatz Älterer als Schulmediatoren und Streitschlichter oder durch den Innovationspreis Weiterbildung.

Frau Yumiko Kaneko, Direktorin des Nomura Centers for Lifelong Integrated Education in Tokyo, die mit 4 japanischen Wissenschaftlerinnen an der Tagung teilnahm, sprach über die Aktivitäten des Zentrums und das gesellschaftliche Umdenken in Japan nach der Katastrophe im Atomkraftwerk Fokushima. Dadurch hat die Werteerziehung, als Teil der von ihr geforderten ganzheitlichen Bildung für eine menschlichere Entwicklung, wieder einen größeren Stellenwert erhalten. Ebenso hob sie die Entwicklung der zunehmenden Eigenständigkeit älterer Damen in Japan als einen wichtigen Erfolg für ein selbstbestimmtes Leben Älterer hervor. Die ausländischen Gäste Herr Dr. Peter Luder, Präsident der Schweizerischen Vereinigung der Senioren-Universitäten in der Schweiz, Frau Jitka Paceltova von der Universität des 3. Lebensalters (U3L) in Liberec aus Tschechien und Frau Weigt von der U3L aus Lodz in Polen berichteten aus ihrer aktiven und erfolgreichen Arbeit und über die staatliche Förderung der Bildung für Senioren an den Hochschulen in ihren Ländern. Dies betrifft besonders die Kooperation unter diesen Einrichtungen und die Projektförderung, z.B. in Polen für 260 U3L – auch in ländlichen Gebieten - in Höhe von 600 000 € im Jahr.

Im Festvortrag im Rahmen des Ehrenkolloquiums anlässlich des 70.Geburtstages des wissenschaftlichen Leiters des Seniorenkollegs an der TU Chemnitz Prof. Roland Schöne sprach Prof. Wolfgang Böhmer, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt a.D. zum therapeutischen Nutzen Lebenslangen Lernens. Er verwies auf die große Bedeutung des Lebenslangen Lernens für das Training der Synapsen im Gehirn und aller Muskelzellen. Alles was nicht genutzt wird bildet sich zurück.

Dies untersetzte Prof. Andreas Simm mit seinen medizinischen Untersuchungen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, und konnte belegen, dass Lebenslanges Lernen eine wichtige Präventionsmaßnahme gegen Demenz ist und den Zeitpunkt des Eintritts hinaus schieben kann. Allein die dadurch mögliche Kosteneinsparung von ca. 40 000 € für die jährlichen Behandlungskosten eines Patienten, machen deutlich, wie wichtig die Förderung des Lebenslangen Lernens durch die öffentliche Hand ist, um Pflegekosten zu reduzieren und zugleich die Bildung für Ältere und die Lebensqualität zu verbessern.

Der Landesbeauftragte für das Zusammenleben der Generationen in Thüringen, Herr Michael Panse, machte auf die zunehmende Vereinsamung älterer Menschen aufmerksam, wodurch ihr Lebenswille sinkt. Gerade gegen diese Tendenz können mehr Bildungsangebote der Hochschulen und Volkshochschulen, die besonders in den ländlichen Regionen noch nicht ausreichen, einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des § 26 mit der Forderung: „Bildung für Alle“ in der UNO-Menschenrechtskonvention im kommenden EU-Jahr 2012 des „Aktiven Alterns und des generationsübergreifenden Dialogs“ einen wichtigen Beitrag leisten.

Eine Übersicht über die aktuellen Bildungsangebote für Ältere in Mitteldeutschland gab Prof. Roland Schöne, wiss. Leiter des Seniorenkollegs an der TU Chemnitz. Hierbei wurde deutlich, dass im ländlichen Raum bisher kaum Angebote bestehen, die besonders durch die Hochschulen und Berufsakademien in diesen Räumen angeboten werden könnten, die sich bisher noch zu wenig dafür engagieren. Er begründete die notwendige Öffnung der Bildungsangebote für Senioren für Jüngere anhand von Beispielen aus ganz Deutschland und gab Empfehlungen zur Gestaltung der generationsübergreifenden Bildung mit Jüngeren und zur weiteren Kooperation auf diesem Gebiet in Mitteldeutschland.

Der Vizepräsident des Sächsischen Landtages Herr Prof. Andreas Schmalfuß und der Politikwissenschaftler Prof. Werner Patzelt von der TU Dresden hoben in ihren Beiträgen die wichtige Rolle der politischen Bildung Älterer, der größten Wählergruppe in den neuen Bundesländern, zum Erhalt der Demokratie hervor, die bisher noch nicht im erforderlichen Umfang durch entsprechende Bildungsangebote und Exkursionen mit Politikern gefördert wird. Ein Beispiel guter Praxis ist die erfolgreiche Zusammenarbeit des Seniorenkollegs an der TU Chemnitz mit den Politikern des Sächsischen Landtages.

Als Personalleiter des BMW-Werkes Leipzig und zugleich Vertreter der Wirtschaftsinitiative Mitteldeutschland zeigte Herr Jens Gerhardt, am Beispiel der erfolgreichen Entwicklung und Perspektive seines Werkes für den Bau von Elektrofahrzeugen, wie wichtig eine intergenerative Personalentwicklung mit einem Erfahrungsaustausch zwischen Älteren und Jüngeren in der Wirtschaft ist, die BMW in Leipzig seit der Werksgründung kontinuierlich vorlebt.

Anregende Impulse für das generationsübergreifende Lernen vermittelte Frau Carmen Stadelhofer sehr anschaulich mit Beispielen im Rahmen einer Video-Konferenzschaltung aus einem Seminar mit Älteren an der Universität Ulm.

In einem Open Space (Offene Diskussion in mehreren Räumen) diskutierten Vertreter von Universitäten in Dresden, Leipzig und Magdeburg; von den Hochschulen in Bernburg, Wernigerode und Mittweida; von Volkshochschulen, Kultureinrichtungen, Mehrgenerationenhäuser, Freiwilligendienste, Seniorenbeiräte u.a. über die erzielten Ergebnisse und zur Weiterentwicklung ihrer Bildungsangebote besonders für den ländlichen Raum. Besondere Beachtung fanden dabei auch die Beiträge von Herrn GM Frank Beermann von der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz und Herrn Thomas Friedrich vom Sächsischen Volkshochschulverband.

Die Diskussionsergebnisse und Empfehlungen über die notwendige verstärkte ideelle und materielle Förderung des Lebenslangen Lernens wurden in einem „Chemnitzer Aufruf zum Lebenslangen Lernen in Mitteldeutschland 2012“ in einer AG „Lebenslanges Lernen in Mitteldeutschland“ verdichtet und sollen den drei Landesregierungen und kommunalen Spitzenverbänden in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen übersandt werden.


 

Prof. Dr. Roland Schöne
Wiss. Leiter des Seniorenkollegs an der TU Chemnitz 
 

Presseartikel