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Tag der Lehre 2015

Der Tag der Lehre 2015 findet am 3. Dezember 2015 von 9.15 Uhr bis 13.00 Uhr statt.
Weitere Informationen finden Sie hier: Tag der Lehre 2015 - ZEITgemäß Lehren und Lernen

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Zeit ist das Thema der Universitäten schlechthin deshalb steht der nächste „Tag der Lehre“ unter diesem Titel

Obwohl er schon eine ganze Weile zurückliegt, erinnere ich mich doch sehr gut an einen Augenblick, der das Ende meiner Studienzeit einläutete. Als ich das Vorlesungsverzeichnis nach interessanten Veranstaltungen durchmusterte, meldete sich meine innere Stimme, und beinahe mit Unwillen rief sie mir zu: „Das kennst du alles schon!“ Ich wusste in dem Moment, dass es Zeit war, mich zum Examen zu melden. Ich hatte schon ein paar Semester auf dem Buckel. Dafür gab es natürlich verschiedene Gründe. Aber ich gehörte zu denen, die den Groschen erst lautstark fallen hören müssen. So ging ich innerlich überzeugt, mich bestens auszukennen, ins Examen. Und das Gefühl, nun ‚bereit‘ zu sein, war vielleicht wichtiger als die Frage, ob ich‘s denn tatsächlich war. Es hat mich ein gutes Stück weit getragen.

Zeit ist das Thema der Universitäten schlechthin. Der Rohstoff Zeit ist Mangelware geworden. Alle sagen das, alle klagen darüber. Alle meinen dabei etwas anderes. Dem Studierenden fehlt ein halber Tag, um sich besser auf eine Modulprüfung vorzubereiten. Dem Absolventen fehlt ein ganzes Semester, um sein Examen erfolgreich zu meistern. Der Doktorandin fehlt ein Vierteljahr, um dieses oder jenes wichtige Kapitel noch zu schreiben. Dem Lehrenden fehlen nur ein paar Stunden, um die bitter nötige Einzelbetreuung zu ermöglichen. Und der Professorin fehlt seit Ewigkeiten die Zeit, um ihre Vorlesung endlich mal mit neuer Literatur vorzubereiten. Alles faule Ausreden? Ist „Zeitmangel“ nicht mehr als die gesellschaftlich akzeptierte Karte, die alle ziehen, um mittelmäßige Resultate zu rechtfertigen? Oder haben wir die Zeit für Qualitätsarbeit tatsächlich nicht mehr? Und wenn das so sein sollte: Wohin steuern Lehre, Studium und Forschung in unseren Universitäten? Manche sagen: Lerne, mit der dir gegebenen Zeit umzugehen. Zeitmanagement ist eine Kompetenz. Andere sagen: Erkenntnisprozesse lassen sich nicht durch Zeitfenster zwängen. Wissenschaft braucht so viel Zeit, wie sie braucht. Dies zu erkennen und einzugestehen ist überhaupt die Voraussetzung von Wissenschaft. Das aber bleibt nicht ohne Folgen für die universitäre Lehre. Wie kann ich als Professor junge Menschen an Wissenschaft heranführen, wenn ich zugleich die Voraussetzungen jeder Wissenschaftlichkeit in Frage stelle? Das heißt nicht: Nehmt euch alle Zeit der Welt. Das heißt aber: Nehmt euch so viel Zeit, wie eure Aufgabenstellung es erfordert. „Forschend lernen“ lässt sich nicht simulieren. Das geht nur in Echt-Zeit. Und da ticken alle Uhren ein bisschen anders: von Disziplin zu Disziplin, von Mensch zu Mensch.

Nehmen wir uns die Zeit, die wir brauchen. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Niemandem ist gedient mit mittelmäßigen Examina, halbfertigen Abschlussarbeiten, erschummelten Versuchsreihen und unausgegorenen Dissertationen. Universitäre Absolventen streben in Führungspositionen. Sie müssen qualifiziert sein, um qualifizierte Aussagen über Zeitbedarf machen zu können. In Industrie und Wirtschaft, in Forschung und Lehre, im richtigen Leben. Sollte diese Aussage unzutreffend sein, stellte dies das gesamte Bildungssystem in Frage. Sollte sie zutreffen, wäre es fahrlässig, ihr zuwider zu handeln.

Prof. Dr. Christoph Fasbender,
Prorektor für Lehre, Studium und Weiterbildung

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