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Europäische Geschichte studieren in Chemnitz
Geschichte studieren und dann?

Geschichte studieren und dann?

Susi Bogen und ihr Auslandspraktikum in Ungarn im Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek in Budapest

Ab dem WS 16/17 bin ich für 10 Monate nach Budapest gegangen, um dort an der Central European University (CEU) zu studieren. Von Anfang an wollte ich auch gleich ein Praktikum in Ungarn machen, daher habe ich meine Zeit in 7 Monate Studium und 3 Monate Praktikum unterteilt. So konnte ich mich schon vor Ort nach Möglichkeiten erkundigen und hatte schon eine gewisse Landes- und Stadtkenntnis.


Meine Praktikumsstelle habe ich dann eher mit Zufall beim Spazieren gehen im Diplomatenviertel gefunden. Ich war sehr verwundert, dass es ein eigenes Kulturzentrum für die Ungarndeutschen gibt. Ungarndeutsche berufen sich auf ihre deutschen Vorfahren, die im 19. Jahrhundert nach Ungarn gekommen sind, um das Land nach den Türkenkriegen wieder mit aufzubauen. Bis zum 2. Weltkrieg war die deutsche Minderheit eine der größten im Lande. Die Schwaben, wie sie auch genannte werden, brachten ihre Sprache, Kultur und ihr wirtschaftliches Know-How mit. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Deutschen zum Teil ausgesiedelt und verfolgt. Nur assimilierte Deutsche durften bleiben. So verschwand die Kultur und Sprache der Minderheit allmählich. Um diesen Prozess doch noch aufzuhalten, haben die Schwaben sich in einer Community zusammengeschlossen und betreiben für- und untereinander Kultur- und Sprachpflege. Während meines Praktikums habe ich viele Einblicke in viele verschiedenen Bereiche bekommen. So habe ich beim Ungarndeutschen Jugendfilmfest abgedreht! mitgeholfen, Kontakte mit der Deutschen Botschaft Budapest gepflegt, Sprachwettbewerbe und Dorffeste besucht, beim Aufbau des Online-Kataloges der Bibliothek geholfen, Buchempfehlungen der Ungarndeutschen Literatur geschrieben, Ungarndeutsche Lehrpfade evaluiert und alles mögliche Korrektur gelesen. Dazu gab es tiefe Einblicke in die Minderheitenpolitik und -rechte, Diskussionen um das Thema „Identität“ und Deutsch als Fremdsprache.

Das Praktikum war sehr intensiv und lehrreich, weil ich meine Arbeit selber gestalten konnte und auch eigene Ideen eingebracht habe. Zudem ist die ungarische Mentalität entspannter und lockerer als die Deutschen. Das kennzeichnet sich in flachen Hierarchien und in einem freundschaftlichen Umgang mit Kollegen/ Praktikanten aus. Ich habe ganz unterschiedliche Menschen kennengelernt, die sich dem Ungarndeutschtum mal mehr, mal weniger verbunden fühlten.

Wer interessiert ist, kann sich unter zentrum.hu informieren und bewerben. Ungarischkenntnisse werden gerne gesehen, sind aber keine Voraussetzung.

Patrick Fanghänel über seinen Einstieg ins Berufsleben

Ich habe während meines Bachelorstudiums die verschiedensten Zeitepochen und Disziplinen der Geschichtswissenschaft  kennenlernen dürfen und darüber hinaus Einblicke in andere Wissenschaften erhalten. Die freie und eigenverantwortliche Auswahl der Lehrveranstaltungen in Kombination mit der unterstützenden Hilfestellung durch die Fachgruppe haben mir das Studieren in Chemnitz spürbar erleichtert. Dank des studienbegleitenden Praktikums und zahlreicher Lehrveranstaltungen außeruniversitärer Dozenten ließen sich hier leicht erste berufliche Kontakte knüpfen. Die unkomplizierte eigene Zeiteinteilung im Studiengang Europäische Geschichte machte zusätzliche Studentenjobs relativ stressfrei möglich. Somit konnte ich bequem nebenbei meinen Unterhalt im Einzelhandel verdienen und gleichzeitig hin und wieder über ein Dienstleistungsunternehmen Urlaubsvertretungen übernehmen, über welche ich letztlich zu meiner heutigen Arbeitsstelle als Kundenbetreuer für eine Chemnitzer Wohnungsbaugenossenschaft gelangte. Sicher ist die Immobilienbranche nicht der erste Gedanke, wenn man an die beruflichen Perspektiven eines Geschichtsstudenten denkt. Allerdings wird Geisteswissenschaftlern nicht ganz zu unrecht ganzheitliches Denken, Kommunikations-/ Präsentationsstärke oder Kreativität nachgesagt, was sie grundsätzlich für jedes Unternehmen interessant macht.

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