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Europäische Geschichte studieren in Chemnitz
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für Geschichte Europas im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit    

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Köln in Antike und Mittelalter. Ein studentischer Exkursionsbericht

Im Rahmen einer viertägigen Exkursion des Instituts für Europäische Studien und Geschichtswissenschaften der TU Chemnitz erkundeten im Januar 2019 fünfzehn Studierende und die Dozenten Prof. Dr. Martin Clauss und Jun.-Prof. Dr. Marian Nebelin sowie die Dozentin Nele Schopf, die in einem an der Juniorprofessur Antike und Europa angesiedelten ESF-geförderten Landesinnovationspromotionsprojekt tätig ist, die antike und mittelalterliche Geschichte der Stadt Köln. Die Exkursion sollte den Teilnehmern einen Einblick in die 2000jährige und für eine Stadt zweifellos einzigartige und komplexe Geschichte Kölns vermitteln und zwar von den Anfängen der römischen Kolonie bis hin zur Metropole des Katholizismus im Mittelalter. Dank der tadellosen Organisation und Ausführungen durch die Dozenten ist dies auch hervorragend geglückt.

Zur thematischen Einstimmung fanden bereits im Dezember 2018 zwei Vorbereitungssitzungen statt, in denen die Studierenden grundlegende Kenntnisse beispielsweise über die Besiedlung des späteren Kölner Gebiets in römischer Zeit, über die Strukturen der mittelalterlichen Stadt und über den Wandel des Kölner Stadtbild, welches anhand von Karten aus verschiedenen Epochen diskutiert wurde. Außerdem wurden einige einführende studentische Referate bereits in Rahmen dieser Seminare gehalten. So konnte die Exkursion dann im Januar 2019 gut vorbereitet beginnen.
Am Montagabend, nach Anreise und Ein-Checken im Hotel, eröffnete Jun.-Prof. Dr. Marian Nebelin die Exkursion mit einem auf Einladung von Prof. Dr. Karl-Joachim Hölkeskamp gehaltenen Gastvortrag im Rahmen des althistorischen Kolloquiums an der Universität zu Köln. Thema seines Vortrags war „Cicero und die concordia ordium“. Den Abend beschloss ein gemeinsames Essen in einem Kölner Brauhaus.

Der nächste Tag begann mit einer spannenden Stadtführung rund um wichtige Angelpunkte der Colonia Claudia Ara Agrippinensium einschließlich der Überreste der römischen Stadtmauer und der Ruinen des Nord-Tores in der Nähe des Kölner Doms. Auch die Überreste des Prätoriums wurden zunächst im Rahmen der Führung besichtigt. Anschließend wurde durch ein studentisches Referat die Funktion dieses Baus als antiker Herrschafts- und Verwaltungssitz näher vorgestellt.


Kölner Dom (Ansicht von rechter Rheinseite, Foto: Dorel Meister)


Vom Nord-Tor aus ging es weiter mit dem Wahrzeichen Kölns, dem Dom, einem trotz seiner Unfertigkeit imposanten Bauwerk, das Studierende wie Lehrende staunen ließ. Bevor später die Baugeschichte in zwei Vorträgen vorgestellt wurde, ermöglichte eine Führung, in welcher der Fokus auf die kunstgeschichtlichen Aspekt des Kölner Doms gerichtet wurde, einen Blick auf weniger offensichtliche Seiten des Baus. Dabei wurde erklärt, welche Überlegungen und Einflüsse die Ausgestaltung des Doms, wie wir ihn heute kennen, geprägt haben. Ein besonderes Highlight des Tages war die folgende Besichtigung des Domschatzes. Zu dessen prachtvollen Exponaten gehören viele Reliquien, deren Bedeutung für die katholische Kirche und die Gläubigen bei einigen von uns vielleicht etwas auf Unverständnis stieß. Am Ende ging man so mit neuen Erkenntnissen über den zuvor vermeintlich allseits bekannten Kölner Dom. Den Tag beschloss dann eine Stadtführung durch das mittelalterliche Köln.

Der Mittwoch startete mit einem Besuch im Stadtarchiv der Stadt Köln, wo den Teilnehmern ein Blick hinter die Kulissen der Restaurierung und Kategorisierung städtischer Quellen geboten wurde. Einen Höhepunkt bildete die überraschend möglich gewordene Ansicht eines Originals des Kölner Verbundbriefes, der lange Zeit die gültige ‚Verfassung‘ der Stadt Köln war.


Verbundbrief der Stadt Köln (Foto: Matthias Herrmann)


Als nächstes auf dem Programm stand ein Besuch des Rheinischen Landesmuseums in Bonn. Obwohl die Teilnehmer dort natürlich nur einen kleinen Bruchteil der Ausstellungen besuchen konnten, fand das Museum, insbesondere die Präsentation der Exponate und die kreative mediale Präsentation, großen Anklang. Die Mehrheit der Reisenden hat sich vorgenommen, das Landesmuseum zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu besuchen, um alles noch ausführlicher anschauen zu können.

Der letzte Programmpunkt des Tages war ein Gespräch mit Prof. Dr. Karl Ubl, dem Leiter der Forschungsstelle „Geschichte Kölns“ des Historischen Instituts an der Universität zu Köln. Professor Ubl beantwortete Fragen zur Kölner Stadtgeschichte und gab weiterführende Anregungen. Im Zentrum der Diskussion stand vor allem die Frage, wie man Stadtgeschichte schreibt. Eine Diskussion unter Fachkundigen!

Am letzten Tag der Exkursion stand als erster Punkt der Besuch im Schnütgenmuseum auf der Tagesordnung. Besonders gefiel den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dort, dass den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit geboten wird, wirklich nah an die Exponate heranzugehen und diese so nicht nur aus der Ferne durch eine Glasscheibe zu betrachten. 


Es folgte die Besichtigung der Kirche St. Severin inklusive einer Führung durch ehemaligen Grabanlagen, die heute unterhalb der Kirche liegen und anhand derer der Mythos um den heiligen St. Severin aufzuklären versucht wird. Dann ging es auch schon weiter zum Ubiermonument. Studierende und Dozenten setzten sich dort mit der Frage über den tatsächlichen Ursprung Kölns auseinander. Aktuellste Forschungsergebnisse zu diesem Themenkomplex wurden vollkommen richtig als „historisches Dynamit“ bezeichnet, stellen sie doch die bisher dominierende These, dass es ursprünglich eine alleine oder zuvorderst von Ubiern bewohnte und errichtete Siedlung auf dem Kölner Territorium gegeben habe, grundlegend in Frage. Stattdessen ist schon von eine frühzeitigen aktiven und sich auch baulich ausdrückenden römischen Beteiligung auszugehen.


Ubiermonument (Foto: Matthias Herrmann)


Von den (vermeintlich) ubischen Wurzeln führte die Exkursion anschließend zur St. Maria im Kapitol, wo eine Einführung in die vielfältigen Formen des Götterkultes und der Götterverehrung in der Colonia Claudia Ara Agrippinensium gegeben wurde. St. Maria als romanische Kirche wurde dann in einem studentischen Referat näher vorgestellt, wobei in dessen Rahmen auch die Krypta von St. Maria besucht werden konnte.

Ein gemeinsames Abendessen am Donnerstagabend, bei dem die Teilnehmer noch einmal ihre Erlebnisse und Erlerntes reflektieren konnten, rundete die Exkursion in Köln ab, bevor wir am Freitag wieder zurück nach Chemnitz fuhren.

Dorel Meister

Die Professur für Geschichte Europas im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit wünscht allen Studierenden viel Erfolg in der Prüfungsphase und schöne Semesterferien!

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