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Europäische Geschichte studieren in Chemnitz
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für Geschichte Europas im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit    

Aktuelle Informationen

Bericht zum Chemnitzer Kolloquium zur Erforschung des mittelalterlichen Krieges 2018

Vom 19.-21.09.2018 versammelten sich in Chemnitz NachwuchsforscherInnen der Mediävistik zu einem von der Professur für die Geschichte Europas im Mittelalter und der Frühen Neuzeit der TU Chemnitz (Martin CLAUSS) ausgerichteten und vom Arbeitskreis Militärgeschichte e. V. geförderten Workshop mit dem Titel „Aktuelle Forschungen zum Krieg im Mittelalter“. Dieser Workshop verfolgte das Ziel, NachwuchswissenschaftlerInnen zusammenzubringen, die sich in ihren Forschungsprojekten – bei allen handelt es sich um Dissertationsprojekte – mit dem Krieg im Mittelalter auseinandersetzen. Er bot den TeilnehmerInnenn die Möglichkeit, die eigenen Projekte vorzustellen, um dann gemeinsam die Themen und einzelne Aspekte sowohl inhaltlich als auch methodisch zu diskutieren. Martin Clauss eröffnete den Workshop und hob in einem kurzen Eingangsstatement die Wandlungen hervor, welche sich in den letzten Jahrzenten in Bezug auf die mediävistische Erforschung kriegerischer Konflikte feststellen lassen.

Als erster Teilnehmer stellte Fabian FELLERSMANN (München) sein Dissertationsprojekt vor, in dem er die mittelalterliche Schlacht in einem Zeitraum von 1075‐1315 untersucht. Ziel ist dabei eine Annäherung an die Wirklichkeit des Schlachtfeldes, wobei ein Fokus auf dem Agieren des mittelalterlichen Heeres als Personenverband liegt. Er wies dann anhand mehrerer Ausschnitte historiographischer Quellen auf ein wiederkehrendes Narrativ mittelalterlicher Geschichtsschreiber hin, in ihren Werken die ‚deutschen‘ Kämpfer als bevorzugt zu Fuß kämpfend darzustellen. Mit dieser Kampfweise grenzten sie sie explizit von anderen Gruppen ab, vor allem von den beritten kämpfenden ‚französischen‘ Kriegern. Seinem Forschungsinteresse folgend stellte Fabian Fellersmann die Frage, inwiefern man dieses Bild als Topos oder Realität bewerten könne. Hierbei wies er darauf hin, dass die angesprochenen Zeugnisse allesamt Außenwahrnehmungen darstellten, die Parallelen zu Völkerstereotypen in antiken und byzantinischen Quellen aufwiesen. Demgegenüber schilderten zeitgenössische Historiographen aus dem Reichsgebiet selbst die ‚deutschen‘ Krieger in der Schlacht fast immer als beritten kämpfend.

Das Forschungsprojekt von Sebastian SCHAARSCHMIDT (Chemnitz) rückte dann das Verhältnis zwischen Königtum und Krieg im Hochmittelalter in den Mittelpunkt der Diskussion. Es untersucht das Bild der Zeitgenossen von dieser Beziehung für die Zeit der Stauferkönige. Das Projekt fragt einerseits, wie auf der Darstellungsebene König und Kriegsgeschehen in einen Zusammenhang gestellt wurden. Dabei werden die Rollen, welche ein König im Krieg einnehmen konnte, kategorisierend als Krieger, Feldherr und Kriegsherr beschrieben. Mit Hilfe diskursanalytischer und narratologischer Ansätze untersucht das Projekt die Funktionen der aufgerufenen Bilder und untersucht schließlich, was sagbar war über den König und den Krieg und was nicht. Da auch Königinnen als Teil des Königtums durchaus in einer Beziehung zum Krieg standen, widmet sich Sebastian Schaarschmidt nicht zuletzt auch den Bildern von weiblicher Herrschaft im Kontext von organisierten Gewalthandlungen.

Mit einem der prominentesten Vertreter der Familie der Staufer setzt sich wiederum Thilo TREß (Freiburg) auseinander. Seine Arbeit betrachtet die Heldendarstellung Friedrich Barbarossas in der zeitgenössischen Historiographie und Epik. Ein zentrales Problem stellt dabei die Frage dar, welche Handlungsweisen und Eigenschaften für die mittelalterlichen Zeitgenossen heroisierbar waren und welche nicht. In diesem Zusammenhang nimmt die Dissertation auch die Darstellung von und den Umgang mit Gewalt in den Quellen in den Blick. Thilo Treß zeigte auf, dass sich in Bezug auf diese im Mittelalter ein Wandel vollzogen hat. Vermied man es lange, Helden mit gewaltsamen Handlungen in einen direkten Bezug zu setzten, war zur Zeit des staufischen Herrschers vom Kaiser ausgehende, auch exzessive Gewalt in den historiographischen Quellen nun akzeptierter. Eine Erklärung für diesen Wandel in den Darstellungskonventionen könnte Thilo Treß zufolge – neben durch historische Ereignisse, wie etwa Investiturstreit und Kreuzzugsbewegung, veränderten Rahmenbedingungen – im Wandel in der Gattung der Historiographie liegen, die nun stärker von der Epik beeinflusst wurde und der sich so neue darstellerische Möglichkeiten erschlossen.

Die letzte Sektion des Workshops beschäftigte sich dann mit dem Projekt von Sandra VENZKE (Paderborn). Es untersucht die Handlungsweisen Sieger mittelalterlicher Schlachten nach dem Kampf und vertritt dabei die These, dass diese – im günstigen Fall – einen doppelten Transformationsprozess schufen. So überführte sie einerseits den militärischen Erfolg auf eine politische Ebene und leiteten andererseits vom Krieg in den Frieden über. Anhand eines Fallbeispiels, den Maßnahmen des siegreichen Philipps von Schwaben nach dessen Begegnung mit Otto IV. 1206 bei Wassenberg, wurden methodische Aspekte, aber auch die Bedeutung von Schlachten im Mittelalter – militärisch wie politisch – diskutiert. Mit der Frage nach der Identifikation von Schlachten in Abgrenzung zu Scharmützeln und Gefechten und der Definition des Begriffs gelang letztlich wieder der Bogenschlag zur ersten Sektion des Workshops.
Weitere Aspekte machten im Verlauf des Workshops immer wieder die Anschlussfähigkeit der Forschungsprojekte untereinander deutlich. Zugleich gelang es aber durch ihre unterschiedliche thematische Verortung, ein weites Feld der neueren mediävistischen Kriegsforschung aufzuspannen und zu zeigen, welche Räume hier noch zu besetzen sind. Das nächste Chemnitzer Kolloquium zur Erforschung des mittelalterlichen Krieges wird voraussichtlich im August 2019 stattfinden.
Sandra Venzke (19.02.2019)

Köln in Antike und Mittelalter. Ein studentischer Exkursionsbericht

Im Rahmen einer viertägigen Exkursion des Instituts für Europäische Studien und Geschichtswissenschaften der TU Chemnitz erkundeten im Januar 2019 fünfzehn Studierende und die Dozenten Prof. Dr. Martin Clauss und Jun.-Prof. Dr. Marian Nebelin sowie die Dozentin Nele Schopf, die in einem an der Juniorprofessur Antike und Europa angesiedelten ESF-geförderten Landesinnovationspromotionsprojekt tätig ist, die antike und mittelalterliche Geschichte der Stadt Köln. Die Exkursion sollte den Teilnehmern einen Einblick in die 2000jährige und für eine Stadt zweifellos einzigartige und komplexe Geschichte Kölns vermitteln und zwar von den Anfängen der römischen Kolonie bis hin zur Metropole des Katholizismus im Mittelalter. Dank der tadellosen Organisation und Ausführungen durch die Dozenten ist dies auch hervorragend geglückt.

Zur thematischen Einstimmung fanden bereits im Dezember 2018 zwei Vorbereitungssitzungen statt, in denen die Studierenden grundlegende Kenntnisse beispielsweise über die Besiedlung des späteren Kölner Gebiets in römischer Zeit, über die Strukturen der mittelalterlichen Stadt und über den Wandel des Kölner Stadtbild, welches anhand von Karten aus verschiedenen Epochen diskutiert wurde. Außerdem wurden einige einführende studentische Referate bereits in Rahmen dieser Seminare gehalten. So konnte die Exkursion dann im Januar 2019 gut vorbereitet beginnen.
Am Montagabend, nach Anreise und Ein-Checken im Hotel, eröffnete Jun.-Prof. Dr. Marian Nebelin die Exkursion mit einem auf Einladung von Prof. Dr. Karl-Joachim Hölkeskamp gehaltenen Gastvortrag im Rahmen des althistorischen Kolloquiums an der Universität zu Köln. Thema seines Vortrags war „Cicero und die concordia ordium“. Den Abend beschloss ein gemeinsames Essen in einem Kölner Brauhaus.

Der nächste Tag begann mit einer spannenden Stadtführung rund um wichtige Angelpunkte der Colonia Claudia Ara Agrippinensium einschließlich der Überreste der römischen Stadtmauer und der Ruinen des Nord-Tores in der Nähe des Kölner Doms. Auch die Überreste des Prätoriums wurden zunächst im Rahmen der Führung besichtigt. Anschließend wurde durch ein studentisches Referat die Funktion dieses Baus als antiker Herrschafts- und Verwaltungssitz näher vorgestellt.


Kölner Dom (Ansicht von rechter Rheinseite, Foto: Dorel Meister)


Vom Nord-Tor aus ging es weiter mit dem Wahrzeichen Kölns, dem Dom, einem trotz seiner Unfertigkeit imposanten Bauwerk, das Studierende wie Lehrende staunen ließ. Bevor später die Baugeschichte in zwei Vorträgen vorgestellt wurde, ermöglichte eine Führung, in welcher der Fokus auf die kunstgeschichtlichen Aspekt des Kölner Doms gerichtet wurde, einen Blick auf weniger offensichtliche Seiten des Baus. Dabei wurde erklärt, welche Überlegungen und Einflüsse die Ausgestaltung des Doms, wie wir ihn heute kennen, geprägt haben. Ein besonderes Highlight des Tages war die folgende Besichtigung des Domschatzes. Zu dessen prachtvollen Exponaten gehören viele Reliquien, deren Bedeutung für die katholische Kirche und die Gläubigen bei einigen von uns vielleicht etwas auf Unverständnis stieß. Am Ende ging man so mit neuen Erkenntnissen über den zuvor vermeintlich allseits bekannten Kölner Dom. Den Tag beschloss dann eine Stadtführung durch das mittelalterliche Köln.

Der Mittwoch startete mit einem Besuch im Stadtarchiv der Stadt Köln, wo den Teilnehmern ein Blick hinter die Kulissen der Restaurierung und Kategorisierung städtischer Quellen geboten wurde. Einen Höhepunkt bildete die überraschend möglich gewordene Ansicht eines Originals des Kölner Verbundbriefes, der lange Zeit die gültige ‚Verfassung‘ der Stadt Köln war.


Verbundbrief der Stadt Köln (Foto: Matthias Herrmann)


Als nächstes auf dem Programm stand ein Besuch des Rheinischen Landesmuseums in Bonn. Obwohl die Teilnehmer dort natürlich nur einen kleinen Bruchteil der Ausstellungen besuchen konnten, fand das Museum, insbesondere die Präsentation der Exponate und die kreative mediale Präsentation, großen Anklang. Die Mehrheit der Reisenden hat sich vorgenommen, das Landesmuseum zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu besuchen, um alles noch ausführlicher anschauen zu können.

Der letzte Programmpunkt des Tages war ein Gespräch mit Prof. Dr. Karl Ubl, dem Leiter der Forschungsstelle „Geschichte Kölns“ des Historischen Instituts an der Universität zu Köln. Professor Ubl beantwortete Fragen zur Kölner Stadtgeschichte und gab weiterführende Anregungen. Im Zentrum der Diskussion stand vor allem die Frage, wie man Stadtgeschichte schreibt. Eine Diskussion unter Fachkundigen!

Am letzten Tag der Exkursion stand als erster Punkt der Besuch im Schnütgenmuseum auf der Tagesordnung. Besonders gefiel den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dort, dass den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit geboten wird, wirklich nah an die Exponate heranzugehen und diese so nicht nur aus der Ferne durch eine Glasscheibe zu betrachten. 


Es folgte die Besichtigung der Kirche St. Severin inklusive einer Führung durch ehemaligen Grabanlagen, die heute unterhalb der Kirche liegen und anhand derer der Mythos um den heiligen St. Severin aufzuklären versucht wird. Dann ging es auch schon weiter zum Ubiermonument. Studierende und Dozenten setzten sich dort mit der Frage über den tatsächlichen Ursprung Kölns auseinander. Aktuellste Forschungsergebnisse zu diesem Themenkomplex wurden vollkommen richtig als „historisches Dynamit“ bezeichnet, stellen sie doch die bisher dominierende These, dass es ursprünglich eine alleine oder zuvorderst von Ubiern bewohnte und errichtete Siedlung auf dem Kölner Territorium gegeben habe, grundlegend in Frage. Stattdessen ist schon von eine frühzeitigen aktiven und sich auch baulich ausdrückenden römischen Beteiligung auszugehen.


Ubiermonument (Foto: Matthias Herrmann)


Von den (vermeintlich) ubischen Wurzeln führte die Exkursion anschließend zur St. Maria im Kapitol, wo eine Einführung in die vielfältigen Formen des Götterkultes und der Götterverehrung in der Colonia Claudia Ara Agrippinensium gegeben wurde. St. Maria als romanische Kirche wurde dann in einem studentischen Referat näher vorgestellt, wobei in dessen Rahmen auch die Krypta von St. Maria besucht werden konnte.

Ein gemeinsames Abendessen am Donnerstagabend, bei dem die Teilnehmer noch einmal ihre Erlebnisse und Erlerntes reflektieren konnten, rundete die Exkursion in Köln ab, bevor wir am Freitag wieder zurück nach Chemnitz fuhren.

Dorel Meister

Die Professur für Geschichte Europas im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit wünscht allen Studierenden viel Erfolg in der Prüfungsphase und schöne Semesterferien!

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