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Forschung

Aktuelle Forschungsprojekte

 

Zielsetzung des Projekts: Migrations- und Integrationsforschung in Deutschland war bislang überwiegend auf Großstädte ausgerichtet. Durch die Entwicklung der Flüchtlingszahlen seit 2014 sehen sich jedoch auch Kleinstädte und Dörfer in ländlichen Räumen verstärkt mit Flüchtlingshilfe- und Integrationsaufgaben konfrontiert. Dabei variieren die Reaktionen von kurzfristig orientierter Nothilfe bis hin zu langfristig angelegter Integrationspolitik. Von einigen Kommunen und Landkreisen in ländlichen Regionen wird die flüchtlingsbedingte Zuwanderung nicht ausschließlich als humanitäre Aufgabe, sondern auch als Entwicklungschance im Kontext von Abwanderung, Alterung und Fachkräftemangel gesehen. Empirisch fundierte Antworten auf die Frage, unter welchen Voraussetzungen und wie humanitäres Engagement und ländliche Entwicklung erfolgreich verbunden werden können und wie dies von Politik und Zivilgesellschaft positiv beeinflusst werden kann, fehlen jedoch bislang. Das Verbundprojekt „Zukunft für Geflüchtete in ländlichen Regionen Deutschlands“ wird diese Forschungsfrage intensiv und vergleichend in ländlichen Landkreisen in vier Bundesländern untersuchen. Es verfolgt die Zielsetzung, Voraussetzungen erfolgreicher Integration zu identifizieren, Erfolgsfaktoren zu benennen, politischen Handlungsbedarf in Bezug auf das Thema Integration von Geflüchteten in ländlichen Räumen offenzulegen und Handlungsempfehlungen zu formulieren.

Laufzeit: Januar 2018 – Dezember 2020

Finanzierung:Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)im Rahmen des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung (BULE)

Projektleitung: Prof. Dr. Birgit Glorius

Projektbearbeitung:  Miriam Bürer, M.A.; Hanne Schneider, M.A.

Der “lange Sommer der Migration” im Jahr 2015 und die damit verbundene “Krise der Europäischen Asylpolitik” sind bestimmende Themen des öffentlichen Diskurses, mit weitreichenden Folgen für politische Meinungsbildungsprozesse auf nationaler Ebene und für den Europäischen Integrationsprozess. Während die humanitäre Verpflichtung zur Aufnahme von Flüchtlingen nicht verhandelbar ist, bestehen offene Fragen hinsichtlich einer fairen und humanen Weiterverteilung der Asylsuchenden auf die Mitgliedsstaaten, der Harmonisierung von Asylverfahren und konkreten Praktiken im Umgang mit Asylsuchenden vor, während und nach dem Asylverfahren. Das durch die Europäische Kommission im Rahmen des Horzont 2020 Programms geförderte Forschungsprojekt CEASEVAL verfolgt mehrere Ziele: Zum einen wird ein neuer theoretischer Rahmen für den Prozess der „multilevel governance” des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems entwickelt und empirisch getestet; zweitens wird eine kritische Evaluierung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems vorgenommen und dabei Diskrepanzen zwischen EU Standards der Flüchtlingsaufnahme und nationalen Gesetzgebungen und ihrer Implementierung identifiziert und analysiert. Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung von Handlungsalternativen hinsichtlich konkreter Probleme des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems, so dass abschließend eine valide Einschätzung vorgenommen werden kann, welcher Grad von Harmonisierung (hinsichtlich Gesetzgebung und Implementierung) und Solidarität möglich und notwendig ist.

Since 2015, migration towards and within Europe has created a ‘stress’ in the EU asylum and migration systems,
challenging the adequacy of the legal design of the Common European Asylum System (CEAS). This impacted the implementation of both the CEAS and national asylum systems in practice and called its further harmonisation into question.
The notion of harmonisation is not a fixed term, but rather incorporates varied meanings and practices. While in legal terms,
harmonisation has been explained as an approximation process towards minimum standards, harmonisation in political
terms rather focuses on policy convergence, of which the harmonisation of legal regimes is only one among many mechanisms of convergence. Taking these varied meanings into account, CEASEVAL will carry out a comprehensive evaluation of the CEAS in terms of its framework and practice. It will make an analysis of harmonisation which goes beyond the formal institutional setting and takes into account the complex relations among the actors engaged from the local and the national levels, to the European level, in order to explain the success and the failure of coordinated action between these varied actors. CEASEVAL will innovatively 1) combine multiple disciplines in order to explore different perspectives of the CEAS, 2) develop a new theoretical framework of multilevel governance of the CEAS, which will be empirically tested across several EU Member States and third countries, 3) provide a critical evaluation of the CEAS by identifying and analysing discrepancies in the transposition and incorporation of European standards in the area of asylum in domestic legislation, as well as differences in their implementation, and 4) elaborate new policies by constructing different alternatives of implementing a common European asylum system. On this basis, CEASEVAL will determine which kind of harmonisation (legislative, implementation, etc.) and solidarity is possible and necessary.

Laufzeit: November 2017 – Oktober 2019

Finanzierung: Europäische Kommission

Projektleitung: Prof. Dr. Birgit Glorius

Projektbearbeitung:  Prof. Dr. Birgit Glorius, Jana Beinhorn, Katja Manz

Die im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus durchgeführte Studie greift die Heterogenisierung der Bevölkerung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der anhaltend hohen Fluchtzuwanderung auf und untersucht die gegenwärtige Praxis der Integration von Migrant/innen ins berufsbildende Schulsystem. Dabei steht der Erwerb bildungssprachlicher Kompetenzen als Basis für ein erfolgreiches Absolvieren der Bildungslaufbahn im Mittelpunkt, wie es im Lehrplan Deutsch als Zweitsprache des sächsischen Staatsministeriums für Kultus verankert ist. Die Studie wird am Beispiel des Erzgebirgskreises exemplarisch die bisherige Integrationspraxis im berufsschulischen Bereich untersuchen und ihre Funktionalität und Wirksamkeit evaluieren. Darauf aufbauend werden neue Ansätze zur Förderung insbesondere der bildungssprachlichen Kompetenzen entwickelt und erprobt und daraus regionalspezifische aber auch verallgemeinerbare Ableitungen hinsichtlich einer optimierten Förderung der berufsschulischen Integration von Schüler/innen mit Migrationshintergrund getroffen.

Laufzeit: Dezember 2015 – Dezember 2016

Finanzierung: SMK

Projektleitung: Jun. Prof. Dr. Birgit Glorius, Jun. Prof. Dr. Anne Christin Schondelmayer

Projektbearbeitung: Katrin Viezens

Weitere Informationen finden Sie auf der Projektseite: SIMBBE

Seit dem Jahr 2011 sind Fluchtmigrationen in und nach Europa stark angestiegen und setzen die Europäische Migrationspolitik zunehmend unter Druck. Insbesondere die Ankunft von Bootsflüchtlingen auf der Mittelmeerinsel Lampedusa sowie die Entwicklungen auf der sog. Balkanroute haben beträchtliche mediale Aufmerksamkeit ausgelöst, gefolgt von öffentlichen Diskursen und politischem Druck auf EU-Ebene sowie in jenen Ländern, die mit weiterreisenden Flüchtlingen konfrontiert sind.

Unsere Forschungsinitiative „Flüchtlinge in Sachsen“ hat sich zum Ziel gesetzt, Anforderungen, Praktiken und Konsequenzen hinsichtlich der Aufnahme von Geflüchteten in Sachsen aus verschiedenen Sichtweisen zu untersuchen. Hierfür werden die Erfahrungen und Perspektiven sowohl von Geflüchteten als auch von den aufnehmenden Kommunen erforscht.

Weitere Informationen finden Sie auf der Projektseite: FIS – Flüchtlinge in Sachsen

Migration von Studierenden und ihre weiterführenden Entscheidungen hinsichtlich Migration oder Verbleib wurden wissenschaftlich bislang überwiegend im Kontext der Begrifflichkeiten „Brain Drain“ / „Brain Gain“ / „Brain Circulation“ betrachtet. Forschungen zur Rückwanderung von Hochqualifizierten fokussieren vor allem auf die Mechanismen des Wissenstransfers von rückwandernden Bildungsmigranten und die regionalökonomischen Effekte durch die Rückwandernden. Das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft seit 2015 geförderte Projekt „Rückwanderung und Lebenslauf“ konzentriert sich darauf, die Entscheidungsmuster der Graduierten hinsichtlich Rückkehr oder Verbleib zu untersuchen. Im Mittelpunkt steht dabei die Einbettung der Wanderungs- oder Bleibeentscheidung in die individuelle Biographie und die Verknüpfung mit Übergängen im Lebenszyklus. Dabei wird das übergeordnete Ziel verfolgt, Rückwanderungsentscheidungen von Graduierten theoretisch umfassend zu modellieren, wobei Theorien zur Migration und Integration verknüpft werden sollen mit Theorien des sozialen Wandels sowie handlungstheoretischen und sozialpsychologischen Ansätzen. Die empirische Umsetzung dieses Projekts erfolgt durch ein qualitatives Studiendesign, Fallstudienregion ist der bulgarisch-deutsche Migrationskontext. Vorgesehen ist eine Serie von biographischen Interviews mit bulgarischen Graduierten, die nach dem Auslandsstudium in Deutschland nach Bulgarien zurückgekehrt sind, sowie als Vergleichsgruppe Graduierte, die sich nach dem Studienabschluss in Deutschland zum Bleiben entschlossen haben. Dabei planen wir, unterschiedliche Kohorten von Migranten zu erfassen, um den Einfluss kontextueller Faktoren in Herkunfts- und Zielland auf Rückkehrentscheidungen nachzuvollziehen. Flankiert wird die Untersuchung durch Interviews mit Experten aus dem Bereich Studium, Migration und Arbeitsmarkt in Deutschland und Bulgarien, durch die wir weitere Aufschlüsse über die Kontextbedingungen von Rückwanderungs- und Bleibeentscheidungen sowie über institutionelle Unterstützungsmechanismen erhalten wollen.

Laufzeit: 2015-2017

Finanzierung: DFG Projektnr. GL683/3-1

Projektleitung: Jun. Prof. Dr. Birgit Glorius

Projektbearbeitung: Yuliana Lazova

Weiter Lesen: RetBul

Die Industrialisierung Europas hat die Entwicklung von Städten wie Chemnitz nachhaltig geprägt. Durch den wirtschaftlichen Strukturwandel nach 1990 haben viele historische Produktionsorte ihre Bedeutung verloren, doch ihre baulichen Strukturen dominieren weiterhin das Stadtbild und sind in der raumbezogenen Erinnerung der älteren Einwohner(innen) verankert. Im Rahmen unseres Projekts wollen wir Schüler(innen) darin anleiten, sich aktiv mit den industriellen Etappen der Chemnitzer Stadtentwicklung auseinanderzusetzen, die Bedeutung der Industriearbeit für das Image der Stadt und die raumbezogene Wahrnehmung ihrer Bewohner(innen) kennenzulernen und sich mit den Folgen der Deindustrialisierung für die Stadtentwicklung zu befassen. Durch die mediale Aufbereitung des Materials in Form von interaktiven Stadtrundgängen soll die Bedeutung der industriellen Epoche nachhaltig dokumentiert und somit auch für andere Interessierte erlebbar gemacht werden.

Ziel des Projektes ist die gemeinsame Erarbeitung von medienunterstützten Stadtrundgängen, auf denen die Industriegeschichte der Stadt und die Bedeutung, die diese Epoche in der Erinnerung der Bewohner(innen) einnimmt, individuell nachvollzogen werden kann. Die Schüler(innen) setzen sich dabei aktiv mit der Stadtgeschichte auseinander und beschäftigen sich mit der Bedeutung von räumlicher Wahrnehmung für die Herausbildung raumbezogener Identitäten. Sie erhalten Einblick in die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit zeithistorischen Phänomenen, stärken ihre analytischen und kommunikativen Fähigkeiten und kommen aktiv in Berührung mit universitären Institutionen und akademischen Berufen.

Das Projekt wird im Rahmen der Programmlinie „Denkwerk“ der Robert-Bosch-Stiftung gefördert. Hochschulexterne Projektpartner sind das Chemnitzer Schulmodell, die Waldorfschule Chemnitz sowie das Industriemuseum.

Laufzeit: 2014-2016

Finanzierung: Robert-Bosch-Stiftung

Projektleitung: Jun.-Prof. Dr. Birgit Glorius

Kooperationspartner: Chemnitzer Schulmodell, Waldorfschule Chemnitz, Industriemuseum Chemnitz

Externe Homepage: industriegeschichte-erleben.de

Since 2011, the refugee flows to Europe have greatly increased, putting European migration politics under pressure. There are steady and even growing refugee movements from Africa across the Mediterranean Sea and there is considerable displacement of people fleeing civil war and internal conflicts in the near East, especially from Syria. In particular, the arrival of refugees by sea on the Italian island of Lampedusa generated considerable media attention, dismay and, accordingly, political pressure on the European Commission and on individual member states like Italy but also those confronted with refugees who travelled onward. Meanwhile, the consequences of this development can also be felt at the local level. Municipal authorities in the different EU member states receive growing contingents of refugees which they have to accommodate. This is the case when these people are granted refugee status or some other leave to remain but also when this is not the case and they nevertheless remain, albeit in an irregular situation. This creates pressure on local administrations, particularly as the parallel process of decentralization of refugee housing and improvements of their reception situation is called into question. On the other hand, there are growing concerns in parts of the local population caused by the visible presence of refugees in their local environment. Objections are frequently used by right-wing political actors trying to stir xenophobic reactions of the public. Not least, these developments are a result of a common discursive strategy to divide migrants into desirable and deserving versus undesirable and undeserving refugees.

While especially the Mediterranean countries receive media and scientific attention, little is known about the strategies how to cope with the increased influx of refugees in the new EU member states, which are still undergoing economic and social transformations. So far there is no systematic observation and analysis of the recording contexts, policies and the public's perception of these processes throughout Europe. An analysis of the local reception situation, integrating personal experiences of refugees, the locals and local discourses, could reveal valuable insight into the situation of refugee reception on a local level. This is especially true in member states hitherto relatively untouched by immigration in general and refugee movements in particular, which are however forced to build up knowledge and management capacities in order to fulfill their duty to host refugees as part of the European migratory space. Member states which have longstanding experiences with refugees are faced with growing numbers of rejected applicants who refuse to leave and can, for that or other complications, not be expelled. In a number of cases – during the autumn of 2013 cities like Hamburg, Berlin and Amsterdam come to mind – this results in humanitarian issues for which local solutions need to be found because national legal regimes cannot offer pragmatic responses. Until now these dilemmas, their political and social implications and outcomes have received little academic interest.

Our research initiative aims on carrying out a comparative research on refugee reception and management and public perceptions and discourses in municipalities of various European countries. We are aiming to provide a systematic and comparative research on the process of arrival on the local level, including management strategies of the local administration, the development of public discourse in the locality, and on reflections of the reception situation from the migrants’ perspective. A series of comparatively undertaken locality and country studies will provide for profound insight in the differences of reception processes throughout countries and regions of the European Union.

Laufzeit: since 2014

Finanzierung: initial funding rewarded by IMISCOE reasearch network (http://www.imiscoe.org/)

Projektleitung: Jun.-Prof. Dr. Birgit Glorius

Kooperationspartner: Dr Jeroen Doomernik, assistant professor at the University of Amsterdam, Dept. of Political Science and researcher at the Institute for Migration and Ethnic Studies (IMES) Amsterdam, Netherlands

Migration flows between Germany and the Mediterranean countries already have a long history with a number of different stages. Before the 1973 oil crisis, Germany was an important country of destination for labor migrants from Mediterranean Europe in the context of the guest-worker programs. Those migrants were mostly young people from rural areas, without training and with only elementary education. While many of them returned as a consequence of the oil crack during the 1970s, a significant proportion chose to stay for good in their destination countries. After the integration of the Mediterranean countries in the European Union, an important number of Germans migrated southwards, either as workers of certain economic sectors, or as retirees who came in search of "a place in the sun". These north-south migrations speeded up the internationalization process of Mediterranean countries and increased the density of transnational social networks. While those migration flows still exist, a new emigration wave has raised public attention and concern since 2007: the migration in the context of financial and economic crisis. Increasing numbers of mostly young and well educated migrants are leaving their home countries, nurturing the fear of brain drain back home. The reason for their decision is seen in the high unemployment rate - especially among young people - and in the lack of career opportunities and transparency on the home labor market. Furthermore, processes of demographic and social transformation as well as the increasing internationalization of society may serve as important frame elements which are fuelling migration decisions. So far it is unknown if the migratory movements in the context of the economic crisis will be of temporary nature or if they will lead to long-term absence or permanent settlement in the host countries.

Also the German economy and politics underwent significant transformations during the last years, which are mainly due to the effects of demographic change. Facing shortages of qualified manpower on the labor market, more and more companies have started recruitment campaigns abroad, which are supported by state programs and labor market institutions. Furthermore, German migration politics have adapted to the increasing competition for qualified labor force on a global labor market.

So far, there are only few results of comparative studies that would allow us to analyze those recent European mobility processes concerning their durability, contextuality and their consequences for European economy, politics and society. In the context of this project, an international conference was organized at the TU Chemnitz on the 19th and 20th May 2015, where migration scholars presented recent empirical results concerning migration processes and practices, the management of migratory moves by institutional frameworks and on public discourse about the recent migration in the context of economic crisis. The results will be published in a book volume in the course of 2016.

Laufzeit: 2015

Finanzierung: DAAD

Projektleitung: Jun.-Prof. Dr. Birgit Glorius

Kooperationspartner: Prof. Dr. Josefina Dominguez-Mujíca, University of Las Palmas de Gran Canaria

Aktuelles: In February 2017, we published "European Mobility in Times of Crisis - The New Context of European South-North Migration".

Seit einigen Jahren ist ein wachsender Zustrom spanischer MigrantInnen nach Deutschland zu verzeichnen, was in der medialen und politischen Logik meist mit der Wirtschaftskrise und der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien einerseits und dem latenten Fachkräftemangel in Deutschland andererseits erklärt wird. Ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Arbeitsmigration sind Sprachkenntnisse, und so mag die zunehmende Beteiligung an Deutschkursen in Spanien diese utilitaristische Argumentation unterstützen. Allerdings war bereits vor der europäischen Finanzkrise die Jungendarbeitslosigkeit in Spanien hoch, ohne dass dies Auswirkungen auf die Wanderungsbeteiligung der Betroffenen gehabt hätte. Wie erklärt sich also die scheinbar gestiegene Mobilitätsbereitschaft der jungen SpanierInnen? Sind es tatsächlich nur klassische Push-Pull-Faktoren, oder haben gesellschaftliche Entwicklungen wie der soziale Wandel zu der neuen Mobilität beigetragen? Wie wichtig sind transnationale Beziehungen der jungen SpanierInnen sowie in der Familie oder im Freundeskreis durchlebte Auslandserfahrungen für die Migration nach Deutschland? Welche Lebens(abschnitts)ziele verbinden die Migrationswilligen mit einem Auslandsaufenthalt, und wie bereiten sie sich darauf vor?

Der aufgeworfenen Fragestellung wurde anhand einer Befragung von SprachkursteilnehmerInnen in Spanien nachgegangen. Mit Hilfe einer Onlinebefragung wurden Deutschlerndende in verschiedenen Sprachinstituten (Goethe-Institut, universitäre Sprachenzentren, Volkshochschule etc.) zu ihren Motiven des Spracherwerbs und etwaigen Migrationswünschen oder -plänen befragt werden. Dabei wurde von der These ausgegangen, dass das Interesse am Deutsch-Lernen keinen rein utilitaristischen Charakter hat, sondern ebenso häufig Ausdruck der zunehmenden Internationalisierung der europäischen Arbeitsmärkte sowie des gewachsenen Interesses an europäischen Sprachen und Kulturen ist. Die Ergebnisse dieser Befragung sind in der Publikation "Chemnitzer Beiträge zur Humangeogrphie online, 1/2015"nachzulesen.

Laufzeit: Herbst 2013 bis Ende 2014

Finanzierung: DAAD und Eigenmittel

Projektleitung: Jun.-Prof. Dr. Birgit Glorius

Kooperationspartner: Goethe Institut Madrid, Manfred Ewel (Leiter Spracharbeit, stellvertretender Institutsleiter)

Mit einer bilateralen Konferenz ist am 22.01.2015 ein gemeinsames Projektseminar der Universitäten in Chemnitz und Usti nad Labem im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Ziel3-Projekts "InWest 2.0 – Grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Technologietransfer" zum Abschluss gekommen. Studierende beider Universitäten präsentierten vor VertreterInnen beider Hochschulen, der medizinischen Fachschulen in Usti sowie einem Vertreter der Sächsischen Landesärztekammer ihre Forschungsergebnisse zu Funktionsweise und Problemen der Arbeitsmobilität von medizinischem Fachpersonal. Die Untersuchungen umfassten die Analyse von Arbeitsmarktdaten und demographischen Daten, Befragungen von PatientInnen und Studierenden im Gesundheitswesen, Leitfadeninterviews mit tschechischen Arbeitsmigranten nach Sachsen sowie Presse- und Webanalysen. In ihren einführenden Vorträgen erläuterten Juniorprofessorin Dr. Birgit Glorius von der TU Chemnitz und Dr. Vladan Hrsuka von der Universität Usti nad Labem die demographische und Arbeitsmarktentwicklung im sächsisch-tschechischen Grenzraum seit den 1990er Jahren. Es wurde deutlich, dass sich in beiden Regionen durch die Transformation der politischen und ökonomischen Strukturen gravierende Veränderungen der Bevölkerungszusammensetzung ergeben haben. Beide Regionen haben Bedarf an medizinischem Fachpersonal, jedoch verläuft die Arbeitsmobilität fast ausschließlich in Richtung Deutschland. Warum dies so ist, fanden die Studierenden in Interviews mit tschechischen ÄrztInnen heraus, die nach Sachsen abgewandert waren. Neben dem höheren Lohnniveau wurden vor allem die guten Weiterbildungsmöglichkeiten für FachärztInnen und die verlässlichen Arbeitsbedingungen als Migrationsmotiv genannt. Viele Befragte bevorzugten Arbeitsorte in Sachsen gegenüber weiter entfernten Zielen in Deutschland, damit sich Besuche bei Freunden und Familienangehörigen daheim leichter realisieren lassen.

Vorherige Auslandserfahrungen waren häufig der Schlüssel zur späteren Migrationsentscheidung, weil dadurch erste Erfahrungen im deutschen Klinikalltag gemacht werden konnten. Dies bestätigte Dr. Sobkova von der Fachschule für Gesundheitswesen in Usti nad Labem, die seit langem Austauschbeziehungen mit Fachschulen und Pflegeeinrichtungen in Sachsen unterhält. Etliche ihrer SchülerInnen seien durch die Praktika in Sachsen darin bestärkt worden, dort ihre berufliche Zukunft zu suchen.

Eine Untersuchung zur Akzeptanz ausländischen Gesundheitspersonals unter sächsischen PatientInnen brachte positive Ergebnisse. Wenn auch Sprachprobleme teilweise relevant waren, schmälerte dies nicht die grundsätzlich positive Bewertung der ausländischen MedizinerInnen. Viele PatientInnen waren sich auch bewusst, dass die Zugewanderten eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung der medizinischen Versorgung in Sachsen spielen.

In der abschließenden Diskussion unterstrich Dr. Rainer Kobes von der Sächsischen Landesärztekammer nochmals die Notwendigkeit einer nachhaltigen Personalentwicklung. Angesichts einer insgesamt zehnjährigen Aus- und Weiterbildungszeit für einen Facharzt müsse die Integration der zugewanderten Fachkräfte von Seiten der Arbeitgeber und Berufsverbände unterstützt werden, um eine langfristige Niederlassung zu erreichen. Gerade in den als weniger attraktiv empfundenen ländlich-peripheren Regionen könne eine gute Arbeitsorganisation und Arbeitsatmosphäre sowie Weiterbildungsangebote den Bleibewillen von zugezogenen in- und ausländischen Fachkräften bestärken. Nur so könne die Herausforderung des demographischen Wandels im Rahmen der medizinischen Versorgung in Sachsen erfolgreich gemeistert werden.

Die Ergebnisse der bilateralen Projektarbeit sind online veröffentlicht in den Chemnitzer Beiträgen zur Humangeographie online, Heft 2/2016 (tschechisch) und 3/2017 (deutsch).

Presseartikel

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