Versicherungsschutz bei Wegeunfall

Unter einem Wegeunfall versteht man nach § 8 Abs. 2 Nr. 1 Sozialgesetzbuch VII (SGB VII) einen Unfall, der auf dem unmittelbaren Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte eingetreten ist. Normalerweise tritt die gesetzliche Unfallversicherung bei Wegeunfällen ein.

Die möglichen Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung bei Wegeunfällen sind:

1. Heilbehandlung und Maßnahmen der Rehabilitation

2. Berufshilfe, insbesondere Eingliederungshilfe oder Umschulung

3. Verletztengeld

4. Übergangsgeld

5. Verletztenrente

6. Renten an Hinterbliebene, Sterbegeld und Beihilfen

7. Haushaltshilfe

Doch der Schutz ist vor allem an die Bedingung geknüpft, dass der Unfall auf dem direkten Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte passiert ist.

Kein Versicherungsschutz besteht bei einer Unterbrechung des direkten Wegs zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Der Versicherungsschutz wird dann unterbrochen, wenn man Besorgungen vornimmt, die eigenen wirtschaftlichen oder persönlichen Zwecken dienen wie z. B. private Einkäufe. Dagegen liegt keine Unterbrechung vor, wenn Dinge, die zur Ausübung der Tätigkeit benötigt werden, vergessen wurden und man zurückgeht bzw. zurückfährt, um diese zu holen. In jedem Fall endet die Unterbrechung, wenn man wieder den Verkehrsraum benutzt, der üblicherweise für den Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte benutzt wird.

Ab der Haustür greift der Schutz!

Der Versicherungsschutz beginnt bei Verlassen der Wohnung ab der Haustür. Dabei muss es sich nicht notwendigerweise um die eigene Wohnung handeln. Versicherungsschutz besteht nach § 8 Abs. 2 Nr. 4 SGB VII auch auf Wegen von und zur Wohnung des Lebensgefährten oder wenn der Versicherte neben der eigentlichen Familienwohnung wegen zu großer Entfernung noch eine weitere Wohnung am Arbeitsort unterhält.

Vermeiden Sie Umwege!

Eine Unterbrechung des Versicherungsschutzes tritt auch dann ein, wenn der Versicherte einen Umweg fährt. Ein Umweg liegt dann vor, wenn das Ziel des Arbeitswegs zwar beibehalten wird, aber von der kürzesten Wegstrecke nicht unbedeutend abgewichen wird. Doch keine Panik! Kleinere Umwege spielen dabei keine Rolle. Ob ein Umweg vorliegt, beurteilt sich nicht nur nach der Länge der Wegstrecke, sondern auch nach der Verkehrsanschauung.

Und wie sieht das z. B. bei Fahrgemeinschaften aus?

Der Versicherungsschutz besteht gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 2 SGB VII aber dann, wenn der Versicherte einen abweichenden Weg fahren muss, um beispielsweise seine Kinder, die im gemeinsamen Haushalt leben, in fremde Obhut zu geben (z. B. in einen Kindergarten) oder um andere Berufstätige mitzunehmen (z. B. bei einer Fahrgemeinschaft). Schließlich ist gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 5 SGB VII auch das mit einer versicherten Tätigkeit zusammenhängende Verwahren, Befördern, Instandhalten und Erneuern eines Arbeitsgeräts oder einer Schutzausrüstung sowie deren Erstbeschaffung versichert, wenn es auf ausdrückliche Veranlassung des Unternehmers erfolgt.

aus: Infoletter des Instituts für Betriebliche Mitbestimmung und Personalvertretung vom 26.01.2009