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Das Kloster Altzella war einer der frühesten Zeugen von Backsteinarchitektur in Mitteldeutschland. Dem Rot der Ziegel, das teilweise mit Werksteinen durchsetzt war, wohnte auch Symbolkraft inne, da es an Purpur erinnerte, das für göttliche Macht steht. Es hob sich auch stark von der damals üblichen Holz-Lehm-Bauweise ab. Obwohl nur Teile der Westfront der Kirche sowie das Konversenhaus von der einstigen Schauseite des Klosters überdauert haben, vermitteln diese den Betrachtenden doch eine Vorstellung von der früheren Architektur des Klosters. Da die Klostergebäude nach der Säkularisierung bald als Steinbruch genutzt wurden, haben sich von den weiteren Klostergebäuden lediglich Ruinen erhalten. Diese wurden in den, zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch den Kunstgärtner Johann Gottfried Hübler gestalteten, englischen Park um das im 17. Jahrhundert für die Grablege der Wettiner erbaute Mausoleum einbezogen.
Die Pforten des ehemaligen Altzellaer Mönchsrefektoriums und des Kapitelsaales bilden seit dem 16. Jahrhundert das Süd- und das Westportal der Nossener Stadtkirche. Das Lapidarium im ehemaligen Konversenrefektorium enthält Werksteine, Fußbodenteile u.ä., die bei Ausgrabungen auf Klostergebiet gefunden wurden.
Das seit 1990 restaurierte Konversenrefektorium hatte ursprünglich nur nach Westen eine Fensterfront, da nach Osten der Kreuzgang angrenzte und es aufgrund der räumlichen Trennung zwischen Mönchen und Konversen dorthin keine direkte Verbindung gab. Diese westliche Fensterfront zeigt, daß das Obergeschoß zu Beginn des 16. Jahrhunderts zum Bibliothekssaal umgebaut wurde, da die obere Fensterreihe gotisch ist, während die unteren Fenster ihre romanische Form behielten. Das Obergeschoß erhielt im Zuge des Umbaus auch Fenster nach Osten. Bei diesem Umbau wurde das Obergeschoß erhöht und mit einem neuen Dachstuhl versehen. Bis heute blieb auch der Ern, der Vorraum des Konversenhauses, erhalten.
Die Klausur, also der den Mönchen vorbehaltene Teil des Klosters, lag auf der Nordseite der Kirche, Reste des Kreuzganges sind noch an der Ostwand des Konversenhauses zu finden. Der Kirchengrundriß ist heute mit Schieferplatten markiert. Im Bereich des Ostchores der Klosterkirche befindet sich heute das Mausoleum der Wettiner, ein klassizistisches Gebäude, das noch barocke Züge aufweist. Die mittelalterlichen Grabmäler der Wettiner, die nach der Säkularisierung des Klosters in Vergessenheit gerieten und später im Bereich der Kirche wiedergefunden werden konnten, wurden in das Mausoleum verbracht.
Die Klosterkirche betrat man von Westen her durch ein Paradies, eine Vorhalle, deren genaue Form nicht ermittelt ist. Die Kirche selbst hatte einen kreuzförmigen Grundriss und einen Staffelchor als Ostabschluß. Sie hat eine Länge von 67 m und eine Höhe von ca. 18 m im Mittelschiff, welches mit einem Kreuzgewölbe versehen war. Die erhaltenen Westeingänge beweisen oberitalienische Einflüsse.
Die Reste der um 1450 erstellten Andreaskapelle, die als neue Wettinergrablege diente, sind südlich der Westfront der Kirche zu finden. Kreuzgang und Konventsgebäude befanden sich in Altzella ausnahmsweise an der Nordseite der Kirche. Der Kreuzgang war, wie die Kirche, kreuzrippengewölbt, einige Schlußsteine kann man im Lapidarium sehen. Vom ehemaligen Konventsbau mit dem Kapitelsaal sind nur noch nur noch Reste der Umfassungsmauern einer gotischen Kapelle vorhanden. Nördlich davon hat sich ein kreuzgratgewölbter Kellerraum erhalten. Vom Refektorium aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stehen noch Teile der Westwand, die von dem ursprünglich 45 m langen, 14 m breiten Speisesaal stammen. Dieser Bau muß von ausgesuchter architektonischer Schönheit gewesen sein, die sich selbst an den Ruinen noch ahnen läßt. Östlich dieses, im rechten Winkel an den Kreuzgang stoßenden, Gebäudes befand sich der Brüdersaal, in dessen Kellergeschoß die Heizungsanlagen erhalten geblieben sind. Im Kloster gab es diese Heizungsanlagen an zwei Stellen: in der Abtei und dem Nordflügel. Das Prinzip der hypokaustischen Anlage geht auf antike Vorbilder zurück: Unter dem Wärmeraum befand sich ein Heizraum. Von dem dort unterhaltenen Feuer stieg der Rauch aufwärts und erhitzte einen mit groben Flußkieseln gefüllten Zwischenraum, welche die Wärme speicherten. Die Hitze konnte dann durch, mit kleinen runden Steinen abgedeckte, Öffnungen nach oben steigen und den Aufenthaltsraum erwärmen.
Die Gästehäuser lagen im Westen der Klosteranlage .
Östlich des Klausurbereichs liegen Ruinen des Siechenhauses, das neben einem Krankensaal auch eine gotische Kapelle (1325) hatte. Nördlich schließen Ruinen des spätgotischen Abtshauses an, von dem es wiederum Verbindungen zu den Wirtschaftsgebäuden am Wassergraben gab. Dort befanden sich Wasch- und Preßhaus, Schlacht- und Fleischhaus, Brauerei, Mühle, Bäckerei, Gerberei und Walkmühle sowie Weberei und Mälzhaus. Zwei im rechten Winkel zueinander stehende Umfassungsmauern alter Scheunengebäude vermitteln noch heute einen Eindruck von der Größe der Altzellaer Klosterwirtschaft.
Literatur:
Gurlitt, Cornelius: Das Zisterzienser-Kloster Altenzella in Sachsen. Eine baugeschichtliche Studie (Ergänzungsheft zur Beschreibenden Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler Sachsens), Dresden 1922.
Magirius, Heinrich: Die Baugeschichte des Klosters Altzella, Berlin 1962.
Magirius, Heinrich: Ehemaliges Zisterzienserkloster Altzella (Schnell, Kunstführer Nr. 2048), Regensburg 22000.
Westphalen, Thomas: Zur Funktion und Topographie des Klosters Altzella, Sächsische Heimatblätter Heft 3/1998, S. 153-157.
Meissen-Projekt Altzella
Altzella Tourismus
Altzella Tourismus 2
Sachsentip
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