Geschichte(n) vom Förderverein Esche-Museum e.V.
Wirkschule Limbach
Industrieller Aufschwung um die Mitte des 19. Jahrhunderts und Strukturwandel von der handwerklichen zur fabrikmäßigen, ar­beits­tei­li­gen Produktion bedingen einen großen Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Deshalb ergibt sich die Nachfrage nach einer Einrichtung, wel­che die notwendige Ausbildung über das handwerkliche Maß hinaus vermitteln kann.
1857Der Limbacher Gewerbeverein beginnt, freiwillige Beiträge für Schulzwecke zu sammeln. Es gibt private Versuche, Wir­ke­rei­un­ter­richt zu erteilen, die keinen dauerhaften Erfolg hatten.
1867Anlässlich des Besuches des Königs Johann von Sachsen zeichnen 113 Einwohner Limbachs die Summe von 7000 Talern als Geschenk zur Errichtung einer Strumpfwirkerschule. Diese Schenkgeber bilden einen Fachschulverein. Das gewählte Komitee, Vorsitzender ist Ernst Esche, betreibt die Gründung der Schule und fungiert zukünftig als Schulvorstand. Ein ge­eig­ne­tes Gebäude wird nicht gefunden, deshalb ist ein Neubau erforderlich.
1868Errichtung des Schulgebäudes in der Turnstraße 4 auf einem „von einem der Branche nicht angehörigen Gönner“ geschenktem Grundstück.
Bild 1: Gebäude der Wirkschule zur Zeit ihrer Gründung
 Für die neue Schule gibt es keine Vorbilder, nur eine industrielle Schule in Tournai (Belgien), an der neben anderen handwerklichen Fächern auch in Wirkerei unterrichtet wird.
 Im Oktober wird des 28-jährigen Gustav Willkomm als Direktor berufen, um die Einrichtung und Leitung der Schule zu übernehmen.
1869Am 06.04. wird die „Strumpfwirkerschule in Limbach bei Chemnitz“ eröffnet. Beginn des Unterrichts mit 23 Schülern und 4 Lehrkräften. Der Lehrplan umfasst die Fächer:
 
  • Arithmetik,
  • Geometrie,
  • geometrisches und Maschinenzeichnen,
  • Freihandzeichnen,
  • Physik und Mechanik,
  • Technik der Spinnerei,
  • Technik der Wirkerei,
  • gewerbliche Buchführung und
  • praktische Arbeiten.
 Für die Ausbildung stehen 30 Maschinen zur Verfügung – davon 7 Näh- und Kettelmaschinen. Der Anfangsbestand der Bibliothek umfasst 12 Bücher. Der Unterricht ist bestimmt für „Wirker, Stricker, Trikotagen- und Handschufabrikanten, Wirk- und Strickmaschinenbauer“. Die Finanzierung der Schule erfolgt über eine Gebühr von 60 Talern pro Schüler und Kursus. Bei­träge des Sächsischen Ministeriums des Inneren, Spenden von Fabrikanten und der Stadt Limbach ermöglichen Frei­stellen, die 20 – 25% der Schüler jedes Jahrganges zugute kommen. Ein Ausbildungskursus dauert am Anfang ein Jahr.
1871Einführung von Abendkursen, die bis 1880 durchgeführt werden
1874Umbenennung in „Fachschule für Wirkerei in Lim­bach bei Chemnitz“.
1880Die Sächsische Landesregierung wandelt die Schule in eine Stiftung um, gibt ihr ein Statut und benennt sie in „Wirkschule Lim­bach bei Chemnitz“ um. Der Vorstand der Schule besteht jetzt aus: einem Vertreter des Ministeriums des Inneren, zwei ge­wähl­ten Vertretern des Gemeinderates und dem Direktor.
1882Gründung einer Wirkschule in Chemnitz, die zunächst nur Abendkurse anbietet. Dies und die Schaffung weiterer Wirkschulen in Deutschland führte zu einem Rückgang der Schülerzahlen und zum Absinken der Zuwendungen in Limbach.
1885Umbenennung in „Wirkschule Limbach in Sachsen“
1910Am 27.03. stirbt Prof. G. Willkomm. am 01.04. des gleichen Jahres übernimmt sein Sohn Dr.-Ing. Otto Willkomm die Leitung der Schule.
1911Umbenennung in „Höhere Wirkschule in Limbach in Sachsen“
1914–1918Am Anfang des Kriegs gerät Direktor Dr.-Ing. Otto Willkomm in Kriegsgefangenschaft. Der Unterricht kann nur mit Mühe aufrecht erhalten werden. Die Chemnitzer Schule kann während des Krieges ungehindert weiterarbeiten. Weder die örtliche Wirtschaft noch die Landesregierung können Mittel für zwei Schulen aufbringen.
1923Vereinigung beider Schulen zur „Höheren Fachschule für Wirkerei- und Strickereiindustrie Chemnitz und Limbach, Sitz Chemnitz“. Direktor der vereinigten Schule wird Josef Worms. Dr. O. Willkomm wird als Lehrer übernommen. Die Limbacher Einrichtung wird als Abendschule weitergeführt.
1926Lehrbeginn im Gebäude Elsasser Straße in Chemnitz.
1938Umbenennung in „Höhere Textilschulen Chemnitz und Limbach“
1945Am 05.03. werden die Schulgebäude in Chemnitz, Elsasser Straße, durch Bombeneinschläge stark beschädigt.
1946Wiederaufnahme des Unterrichts in Limbach unter der Bezeichnung „Technikerschule für Wirkerei und Strickerei Limbach/Sa“ am 24.04. Die Lim­bacher Schule ist von Kriegseinwirkungen verschont geblieben. Es herrscht großer Andrang an Studienwilligen. Die Räume genügen den neuen Anforderungen nicht mehr. Deshalb erfolgt ein Umzug in die Be­rufs­schu­le an der Hohensteiner Straße. Es entstehen zwei Laboratorien, zwei Lehrwerkstätten eine Näherei und vier Unterrichtsräume. Ein Chemielabor entsteht auf der Feldstraße 13 (heute Albert-Einstein-Straße). Angeboten werden Zweijahres-Lehrgänge für Kaufleute, Direktricen und Techniker.
Bild 2: Ehemalige Verbandsberufsschule, gegründet 1936, 1946 Technikerschule für Wirkerei und Strickerei, heutiges Berufliches Schulzentrum, 2010
Bild 3: 1868 erbaute, ehemalige Wirkschule, 2002
1948In das leer stehende Schulgebäude zieht das Heimatmuseum Limbach ein. Nach dessen Liquidation wird das Gebäude als Schulhort für die be­nach­bar­te Goethe-Schule umgebaut.
1949Beide Schulen in Chemnitz und Limbach werden umbenannt in „Vereinigte Textillehranstalten Chemnitz – Limbach“, mit einer Abteilung Wirkerei und Strickerei Limbach (Sachs.).
1951Nach Beendigung des zweiten Lehrganges wird die Abteilung Wirkerei und Strickerei Limbach nach Chemnitz verlegt und damit die Schule in Limbach aufgelöst. Teile des Maschinenparks werden in die technische Abteilung des Heimatmuseums übernommen und stehen bis zur Liquidation dieser Ein­richtung in der Hohensteiner Straße zur Besichtigung.
1971Einrichtung einer Außenstelle der Ingenieurschule für Textiltechnik Rei­chen­bach/V. in Limbach wiederum in den Räumen der Berufsschule an der Ho­hen­steiner Straße. In der Zeit bis 1974 erfolgt die Ausbildung als ne­ben­be­ruf­liches Studium.
1974–1990Ausbildung von Textilingenieuren für Wirkerei/Strickerei an dieser Außen­stel­le im Direktstudium.
1990Schließung der Außenstelle Limbach der Ingenieurschule für Textiltechnik Reichenbach/V. Damit endet die Geschichte der Wirk­schule Limbach.
VerfasserFrank Winter
Quellen
  • [1] Kratzel, E.: Historisches zur Wirkschule, „Festschrift zum Gründungsjubiläum – 130 Jahre Wirkschule Limbach“
Bilder
  • 1 [1]
  • 2 und 3 Frank Winter

Die Informationen zu den Heimat- und Maschengeschichte(n) aus der Region Limbach sind von Mitgliedern des Fördervereins Esche-Museum gesammelt und für die Besucher des Esche-Museums aufbereitet worden. Sie können das gesamte Menü einsehen, es steht aber nur eine Auswahl von Dateien hier zur Verfügung. Dies soll eine Anregung sein, das Esche-Museum zu besuchen und dort weitere Informationen zu beziehen.

Hinweise und geeignete Dokumente zur Heimat- und Industriegeschichte der Region Limbach nehmen wir gern entgegen.