Geschichte(n) vom Förderverein Esche-Museum e.V.
VEB Wirkmaschinenbau Limbach-Oberfrohna
1948Anfang des Jahres gibt die sowjetische Besatzungsmacht das beschlagnahmte leere Betriebsgebäude der ehemaligen Wirkmaschinenfabrik Ernst Saupe an die noch vorhandene Belegschaft von 26 Mitarbeitern zurück, die das Gebäude relativ schnell wieder zur Fertigung und Montage von Kettenwirkmaschinen einrichtet.
Bild 1: Bauzustand der Wirkmaschinenfabrik Ernst Saupe ab 1928
Bild 2: Maschinenhalle 1949
Bild 3: SK51 in der Standardbreite von 90 Zoll sächsisch (2124mm)
Bild 4: KOKETT Modell 5215:
Bild 5: Rinnennadel mit Schließdraht
Bild 6: 100-jähriges Jubiläum des Betriebes 1963
Bild 7: Kokett 2 Modell 5219 Arbeitsbreite 84-93 Zoll englisch
Bild 8: Kokett 4 Modell 5224 Arbeitsbreite 84-93 Zoll englisch
Bild 9: Kokett U9/3 Modell 5234
Bild 10: 2 Varianten der U9/3
Bild 11: Wirksaal in einem slowakischen Textilbetrieb in Vrbove, etwa 1978
Bild 12: Kändler Kettenwirkmaschine Kokett U3 Arbeitsbreite 177Zoll (4496mm)
Bild 13: Industriepark WIMA, Sachsen- Ecke Querstrasse, 2005
 Schon im April wird die erste neu produzierte Maschine Modell SK38 fertiggestellt. Bis Jahresende sind es noch 14 weitere SK38, die alle als Reparationsleistung an die Sowjetunion geliefert werden.
 Am 01.09. wird der VEB Wirkmaschinenbau Limbach als örtliches Saupe-Nach­folge-Unternehmen zur Herstellung von Kettenwirkmaschinen neu gegründet. Die ehemaligen Saupe-Mitarbeiter sind das wertvollste Startkapital.
 Vorbild für die ersten selbst konstruierten Kettenwirkmaschinen ist das Er­folgs­mo­dell SK38 der Firma Saupe, die unter den Bezeichnungen SK48 bzw. SK48M mit 2 oder 3 Legeschienen und als Option mit Musterpresse (M) ausgeliefert werden.
1950entsteht durch Eingemeindungen die Stadt Limbach-Oberfrohna, somit erhält auch die Firma den Namen VEB Wirkmaschinenbau Limbach-Oberfrohna. Der Betrieb hat nun 125 Mitarbeiter und produziert in diesem Jahr 84 Maschinen, darunter sind die verbesserten Modelle SK50 und D50 (Doppelkettenstuhl).
Ab 1951wird das Nachfolgemodell SK51 gebaut, das mit 2 Legeschienen etwa 620 Reihen pro Minute als Maximalgeschwindigkeit erreicht.
 Das Modell SK51 hat in der Standardbreite von 2124mm (90 Zoll sächs.) und Fein­hei­ten von 20S bis 32S. Eine Maschine mit der Breite von 4248mm (180 Zoll sächsisch) wird in die USA exportiert.
 Das verbesserte Hochleistungs-Modell SK51V ist mit einem speziellen Mu­ster­ge­trie­be für zweireihige Rapporte und für Kettbäume von 355mm Schei­ben­durch­mes­ser ausgelegt, maximale Leistung bereits 700 Reihen/Minute.
1953wird der VEB Wirkmaschinenbau Apolda (ehemals Wirkmaschinenfabrik Wilhelm Bar­fuss), Hersteller von Raschelmaschinen, als Werk 2 dem VEB Wirk­ma­schi­nen­bau Limbach-Oberfrohna angegliedert. 1958 erfolgt wieder die Trennung der bei­den Betriebe.
1953–54ist der VEB Wirkmaschinenbau am Funktionsmuster-Bau von „Faserpelz-Ket­ten­stich­ma­schi­nen“ (die ersten MALIMO-Nähwirkmaschinen) maßgeblich beteiligt.
1954beginnt die Blockbauweise der Kettenstühle als Modell SK54, das kurz darauf als Modell 5214 bezeichnet wird. Mit weiteren technischen Verbesserungen erreicht diese Maschine mit 2 Legeschienen 800 Reihen pro Minute. Es folgt das Modell 5216 mit 4 Legeschienen.
 Die Jahresproduktion wird 1954 in Limbach-Oberfrohna auf 234 Maschinen ge­stei­gert, so dass von 1948 beginnend insgesamt etwa 850 Kettenwirkmaschinen aus­ge­lie­fert werden.
 Angeregt durch Entwicklungen der englischen Firma FNF (Einsatz von Röh­ren­na­deln, Gelenkgetriebe anstelle von Kurvengetrieben zum Antrieb der Wirk­werk­zeu­ge), der Firma Wirth in Hartmannsdorf (Modell „Favorit“ noch mit Spitzennadeln, aber schon mit Gelenkgetrieben) sowie durch die Null-Serienmaschinen der MALIMO-Nähwirktechnik (Rinnennadeln mit Spitze, Schubkurbelgetriebe) beginnt die Firma
1957mit der Entwicklung einer neuen Generation von Kettenwirkmaschinen mit Rin­nen­na­deln. Leitender Konstrukteur ist – bis 1994 – Ing. Günther Förster.
1958verläuft die Industrieerprobung der ersten Kettenwirkmaschine mit Rinnennadeln im VEB Sternwäsche Limbach (ehemals Wirkwaren-Fabriken Paul Stelzmann) er­folg­reich.
1959werden weltweit erstmalig Rinnennadel-Kettenwirkmaschinen - mit der Be­zeich­nung KOKETT Modell 5215 - in Serie gefertigt.
 Die wichtigsten Parameter der KOKETT Modell 5215 sind:

  • Arbeitsbreiten 90 oder 120 Zoll sächsisch
  • Feinheiten von 20S bis 28S
  • Blockbauweise
  • maximale Leistung 1200 Reihen/Minute
 Das neuartige Rinnennadel-System ist so genial, so robust und so extrem lei­stungs­fä­hig, das es sich nach anfänglicher Skepsis durchsetzt und zum Vorbild für alle bedeutenden Hersteller von Kettenwirkmaschinen wird.
1963wird im November in Limbach und in der regionalen Presse das 100-jährige Jubiläum des Betriebes unter dem Motto „100 Jahre Kettenwirkmaschinenbau in Limbach“ gefeiert. Am 23.11. veranstaltet der VEB Wirkmaschinenbau dazu einen „Tag der offenen Tür“.
1965wird mit der KOKETT 2 Modell 5219 die Stahlleichtbauweise eingeführt. Mit die­sem Modell wird in Limbach erstmalig das englische Zoll (25,4mm) als Bezugsmaß für die Maschinenfeinheiten - von 22E bis 30E – und die Arbeitsbreiten anstelle des sächsischen Zolls (23,6mm) verwendet.
 Die Arbeitsbreiten sind jetzt 84 und 93 Zoll englisch (2134 und 2362mm), der maximale Scheibendurchmesser der Kettbäume 21 Zoll englisch (535mm).
 Auf der Basis des Modells 5219 entstehen bis 1966 die KOKETT 3 Modell 5223 mit 3 Legeschienen und die KOKETT 4 Modell 5224 mit 4 Legeschienen
1968wird vom VEB Schär- und Spulmaschinenbau Burgstädt das Gebäude des Zweig­wer­kes in Kändler übernommen und zu einer modernen Fertigungsstätte aus­ge­baut. Der Gesamtbetrieb hat nun etwa 450 Beschäftigte und eine Jah­res­pro­duk­tion von etwa 300 Kokett-Maschinen.
1970kann Die Leistung der KOKETT 2 auf 1600 Reihen/Minute gesteigert werden.
Nach 1970erfolgt die Weiterentwicklung der KOKETT-Baureihe in zwei neuen Ma­schi­nen­grup­pen:

  • Hochleistungs-Maschinen ab 1970 KOKETT E2 mit 2 Legeschienen und eingeschränkten Mustermöglichkeiten, Modelle 5225, 5226 und 5236. Das Modell 5236 mit verbesserter Fadenzuführung und Feinheiten bis 32E erreicht 1980, maximal 2000 Reihen/Minute.
  • Universal-Maschinen ab 1976 KOKETT U mit 2 (Modell 5227), 3 (5228), 4 (5229), 5/3 (5230), 6/2 (5231), 9/3 (5234) oder 10/2 (5235) Legeschienen mit universellen Mustermöglichkeiten. Mit der für Kettenwirkautomaten ungewöhnlich hohen Anzahl von Legeschienen von 5 bis 10 (erste Zahl), aufgeteilt in Grund- (zweite Zahl) und Muster-Legeschienen (Differenz erste und zweite Zahl), ergeben sich neue Einsatzgebiete wie Spitze und Gardine. Alle U5/3, U6/2, U9/3 und U10/2 haben austauschbare Anordnungen von Grund- und Muster-Legeschienen.
 Die Maschinen der KOKETT-Baureihe sind in den Wirkereien der Region Limbach, in fast allen osteuropäischen, aber auch in westeuropäischen, asiatischen und amerikanischen Kettenwirkereien im Einsatz.
1984fusionieren in Limbach-Oberfrohna der VEB Wirkmaschinenbau und der VEB Spezialnähmaschinenbau zum VEB Textilmaschinenbau Limbach-Oberfrohna, der mit mehr als 1000 Beschäftigten Kettenwirk-, Spezialnäh- und Sondermaschinen sowie Rationalisierungsmittel produziert. Die technisch nochmals verbesserte KOKETT E2 Modell 5236/1 erreicht 1984 maximal 2200 Reihen pro Minute.
1985ab 02.01. Angliederung des VEB Nadel- und Stanzwerk Limbach-Oberfrohna (ehe­mals Firma Müller & Franke) mit 173 Beschäftigten.
1986im April Produktionsaufnahme im „Nadelzentrum 2“ im ab 1983 bedeutend erweiterten Zweigwerk Kändler, das über 200 neue Arbeitsplätze hat und damit die Gesamtbelegschaft auf über 1300 erhöht.
1989ist das letzte umsatzstarke Jahr. Von 1955 bis 1989 sind insgesamt etwa 13.500 Kettenwirkmaschinen in Limbach gefertigt worden, das sind durchschnittlich etwa 400 Kettenwirkmaschinen pro Jahr.
1990wird die Firma umfirmiert zum Wirk- und Spezialnähmaschinenbau GmbH Limbach-Oberfrohna („WSL“). Durch den sehr starken Rückgang des Exportes vor allem nach Osteuropa sinken Umsatz und Produktion drastisch, es folgt ein erheblicher Personalabbau. Die Entwicklung der KOKETT-Baureihe wird fortgesetzt, aber bis 1993 werden nur noch 250 Maschinen verkauft.
1991steigt die maximale Leistung der sogenannten Kurzhub-Maschinen (spezielle Rinnennadeln erlauben verkürzten Nadelhub) KOKETT E2K Modell 5243 auf 3000 Reihen/Minute, die Kettbaumdurchmesser können nun maximal 813 mm (32 Zoll englisch) und die Wickellänge des Gewirkes bis zu 1000 lfd. m betragen.
1992wird in den KOKETT U-Maschinen die elektronische Versatzsteuerung „ELS“ für die Muster-Legeschienen eingeführt – KOKETT U 9/3 ELS Modell 5234/1 sowie KOKETT U 10/2 ELS Modell 5235/1.
1993im August wird das Spezialnähmaschinenwerk ausgegliedert. Mit den Ent­schei­dun­gen der Treuhand wird 1993 aus wesentlichen Teilen der Wirk- und Spezial­näh­ma­schi­nen­bau GmbH sowie weiteren ehemaligen TEXTIMA-Betrieben die Känd­ler Maschinenbau GmbH gebildet, deren Firmensitz ist das ehemalige Zweig­werk Kändler. Die neue Firma hat etwa 200 Mitarbeiter, davon etwa 50 von der ehe­ma­ligen Wirk- und Spezialnähmaschinenbau GmbH.
 Die Kändler Maschinenbau GmbH verbessert und produziert die gesamte Bau­reihe KOKETT mit den Typen E2, M2, E2K, U3, U4, U4P (mit Poleinrichtung), U9/3, U9/3 ELS, U10/2 und U10/2 ELS in Arbeitsbreiten von 2134 mm (84 Zoll englisch) bis 4496 mm (177 Zoll englisch).
1994Am Jahresende werden nach der Übernahme der Firma Kändler Maschinenbau GmbH durch die Firma Karl Mayer Textilmaschinenfabrik GmbH Obertshausen die Ent­wicklung und Fertigung der KOKETT- Kettenwirkautomaten völlig eingestellt.
 Noch 1994 werden die Firmen Kändler Maschinenbau sowie Wirk- und Spe­zi­al­näh­maschinenbau Limbach-Oberfrohna liquidiert.
 Im Tochter-Unternehmen Karl Mayer Malimo Maschinenbau GmbH Chemnitz - 1992 aus dem ehemaligen VEB Nähwirkmaschinenbau Chemnitz gebildet - wer­den Teile des Personals und des Maschinenprogramms der Kändler Ma­schi­nen­bau GmbH übernommen.
Heute werden in dem 1996/97 neu errichteten Gebäude von „Karl Mayer Malimo“ in Chemnitz, Mauersberger Str 2 Kettenwirkmaschinen mit Rinnennadeln für Technische Textilien entwickelt und gebaut. Damit setzt diese Firma die Tradition des sächsischen Ket­ten­wirk­ma­schi­nen­baus fort.
Der von der Firma Saupe errichtete und vom VEB Wirkmaschinenbau von 1948 bis 1994 genutzte Industriebau an der Sachsenstrasse steht heute unter Denkmalschutz. Von einem privaten Investor wurde 1999 mit Unterstützung der Europäischen Union dieser Fir­men­kom­plex zum „Industriepark WIMA“ und damit zu einem modernen Produktionsstandort umgebaut.
VerfasserClaus Eger, Jürgen Lohr
Quellen
  • [1] Fritzsching, K.: Die Entwicklung der Textilindustrie in Limbach-Oberfrohna. Limbach-Oberfrohna, ca. 1950/51
  • [2] Firmengeschichte Liba/Saupe, Wirkerei/Strickerei/Technik, Coburg/Ofr. 12/1960
  • [3] Strohbach, H.: Entwicklung der Textilindustrie in den vereinigten Ortschaften Limbach, Oberfrohna, Rußdorf, Limbach-Oberfrohna, um 1960 ff
  • [4] Förster, G., Gottsmann, H., Köchly, H.: Betriebschronik VEB Wirkmaschinenbau Limbach-Oberfrohna Teil 2: 1945-1979, Teil 3: 1980-1983
  • [5] Betriebschronik VEB Textilmaschinenbau Limbach-Oberfrohna 1984-1994
  • [6] Betriebschronik VEB Textilmaschinenbau Limbach-Oberfrohna 1983-1988, Aufbau und Inbetriebnahme Nadelzentrum 2
  • [7] Ebersbach, Fritzsche: 125 Jahre Textilmaschinen aus Limbach-Oberfrohna, 1988
  • [8] Otto, D.: Textilmaschinenbau in Limbach-Oberfrohna 1945-1990, Betriebschronik
  • [9] Eichler, A.: Bürgertum und Industrie im Limbacher Land, Miriquidi-Verlag, 1999
  • [10] Festschrift zum Gründungsjubiläum 130 Jahre Wirkschule Limbach, Limbach-Oberfrohna, 1999
  • [11] Firmenprospekte des VEB Wirkmaschinenbau Limbach-Oberfrohna und der Kändler Maschinenbau GmbH
  • [12] Förster, G.: Firmendokumente VEB Wirkmaschinenbau bzw. VEB Textilmaschinenbau Limbach-Oberfrohna, Kändler Maschinenbau GmbH
  • [13] Sammlungsbestand Esche-Museum Limbach-Oberfrohna
  • [14] www.limbach-oberfrohna.de
  • [15] www.karlmayer.com
BilderSammlungsbestand Esche-Museum Limbach-Oberfrohna

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