Geschichte(n) vom Förderverein Esche-Museum e.V.
Spezial-Nähmaschinen-Fabrik Julius Köhler Limbach
1874Am 10.02. wird die Firma von Julius Köhler und seinem Compagnon Groschupp in Falken bei Limbach in kleinen Räumen gegründet.
Bild 1: Julius Köhler
Bild 2: Überwendlich-Nähmaschine (l.), Überwendlich-Rundkettelmaschine (r.), 1882
Bild 3: Firmengebäude im Jahre 1882
Bild 4: Firmengelände 1887, 1903, 1907 und 1911 (v.o.n.u.)
Bild 5: Max Köhler, Sohn des Firmengründers
Bild 6: Firmengelände 1924
Bild 7: Firmenlogo 1924
Bild 8: Betriebsabteilungen um 1924
Automatendreherei, Fräserei, Montagesaal, Mustermaschinensaal (v.l.o.n.r.u.)
Bild 9: Doppelkettenstich-Handschuhnähmaschinen
 Julius Köhler baut eine Regulärnähmaschine mit Zylindertransport, mit der die auf Wirkstühlen hergestellten Strümpfe zusammengenäht werden können. Um für den Bau dieser Überwendlich-Nähmaschinen bessere Bedingungen zu schaffen, geht er.
1876nach Limbach, wo er in der Helenstraße eine größere Werk­statt einrichtet.
1882erhält er das erste Patent für eine zweifädige Überwendlich-Nähmaschine.
 Außerdem wird eine zweifädige Überwendlich-Rundkettelmaschine, mit der die Spitzen und Fersen der Strümpfe geschlossen werden können, in die Fabrikation aufgenommen.
 Der Bedarf an seinen Maschinen ist groß und es wurd bald zu eng in der Werk­statt. Deshalb kauft er das Grundstück an der Schützenstraße - heute Pesta­lozzi­straße.
1882baut er dort eine kleine Fabrik.
 Die Näh- und Kettelmaschinen braucht die heimische Industrie, aber bald werden sie im Ausland bekannt und in viele Länder exportiert. Julius Köhler entwickelt seinen Betrieb ständig weiter.
1884wird die erste Dampfmaschine in Betrieb genommen.
1909Am 18.12. stirbt der Senior der Firma. Die Führung des Betriebes übernimmt der einzige Sohn Max Köhler. Im Geiste seines Vaters übernimmt er die Hinter­las­sen­schaft und setzt den Kampf mit der anwachsenden Konkurrenz im In- und Aus­land erfolgreich fort.
1911kann durch den Erweiterungsbau die Zahl der Beschäftigten schon auf 300 er­höht werden. Dabei ist die Nachfrage immer noch höher als die nun erreichte Pro­duk­tions­ka­pa­zi­tät.
1913Am 07.12. meldet Max Köhler sein erstes Patent an: „Kettelmaschine für be­son­ders ela­sti­sche Kettel“.
 Das Unternehmen hat die Wirtschaftskrisen 1898 bis 1903, den 1. Weltkrieg und die Inflation 1923/1924 gut überstanden. Während der Inflation baut Max Köhler sein großes Produktions- und Verwaltungsgebäude, welches noch heute an der Pestalozzistraße steht.
1924Zum 50-jährigen Jubiläum kann die Firma mit 400 Beschäftigten auf eine sehr er­folg­rei­che Entwicklung seiner Spezial-Näh- und Kettelmaschinen für die Strumpf-, Handschuh- und Trikotagenindustrie zurückblicken.
 Die Überwendlich-Nähmaschinen und die Rundkettelmaschinen wurden weltweit in der Konfektion regulärer Strumpfteile eingesetzt. Für die Handschuh- und Trikotagenindustrie baute Julius Köhler beste Kettenstich-Nähmaschinen mit 1, 2 oder 3 Nadeln für 1-Faden- oder 2-Faden-Kettenstich.
 Die 1-Nadel-Kettenstich-Maschinen sind in der Stoffhandschuhindustrie – auch hier in der Region – stark verbreitet, die 2-Nadel-Maschinen dominieren beim Säumen der Tri­ko­ta­gen.
1929Im April präsentiert die Firma ihre Maschinen auf der Messe in Philadelphia, USA. Die Aussichten für den nordamerikanischen Markt sind hervorragend, so­wohl für Über­wend­lich-Nähmaschinen als auch für die neu konstruierten Tri­ko­ta­gen-Nähmaschinen, da­run­ter eine Dreifaden-Nähmaschine mit Schneidapparat und einer Leistung von 4500 Sti­chen pro Minute sowie eine Maschine, die eine Naht herstellt, den Stoff beschneidet und im gleichen Arbeitsgang die Naht über­deckt und zwar so, dass auf der rechten Seite die Naht unsichtbar wird.
 Die Weltwirtschaftskrise verringert auch den Absatz der Firma Köhler sehr stark, es werden 80% der Beschäftigten entlassen. Trotz des Weltrufes seiner Er­zeug­nis­se erholt sich der Betrieb nur schleppend aus der Krise.
1932sinkt die Zahl der Beschäftigten auf 120.
1935richtet Max Köhler ein Schreiben an die Reichsregierung und bietet seine Fabrik für die Rüstungsproduktion an. Er bekommt die Genehmigung und beginnt mit der Herstellung von Flugzeugteilen für die Junkerswerke in Dessau. Diese Pro­duk­tion leitet Sohn Werner als verantwortlicher Ingenieur, sie bringt einen großen Aufschwung und enorme Gewinne.
1939–1940wird eine Produktionshalle für die mechanische Fertigung gebaut und an­schließend das Fundament für eine zweite Halle, deren Bau jedoch nicht mehr aus­ge­führt wird.
 Trotz der Umstellung auf Rüstungsproduktion werden in dieser Zeit neue mo­der­ne Näh- und Kettelmaschinen entwickelt und gebaut. Köhler-Maschinen sind immer noch in der ganzen Welt gefragt.
1940Am 01.01. stellt Max Köhler sein bisher allein geführtes Unternehmen in eine Familien-Kommanditgesellschaft um. Die Gesellschafter sind nun neben Max Köhler seine Frau Alma, sein erster Sohn Ingenieur Werner Köhler und sein zweiter Sohn, der Kaufmann Heinz Köhler.
 Der Anteil der Rüstungsproduktion am Umsatz beträgt 1938 etwa 20%, 1941 schon über 80% und 1943 dann 85%. Die Zahl der Beschäftigten steigt in den Jahren 1937 bis 1945 von 400 auf 950. In den Kriegsjahren werden stetig zunehmend auch „Fremdarbeiter“ eingesetzt. 1943 sind es 302 Männer und Frauen aus vielen Ländern Europas, die bei einer wöchentliche Arbeitszeit von 60 Stunden Zwangsarbeit leisten müssen.
1945Im April besetzt die US-Armee Limbach, die Fabrik wird sofort stillgelegt. Die Dienst­ver­pflich­te­ten und Zwangsarbeiter können in ihre Heimat zurück, alle Anderen sind ohne Arbeit.
1945Am 08.05 ist die Kapitulation Deutschlands, Limbach wird von der Sowjet-Armee be­setzt. Ab Oktober wird auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutsch­land (SMAD) der Rüstungsbetrieb Julius Köhler demontiert. Die De­mon­ta­ge ist im April 1946 ab­ge­schlos­sen.
1946Am 30.08. stellt Max Köhler einen Antrag zur Wiederaufnahme der Produktion, zunächst für Ersatzteile und Reparaturen an Näh- und Kettelmaschinen, den die Landesverwaltung Sachsen genehmigt.
 In den Ländern Hessen und Sachsen werden Volksentscheide zur Enteignung von Nazi- und Kriegsverbrechern durchgeführt. Die Wähler entscheiden sich mit über­großer Mehr­heit für die Enteignung. In Sachsen werden insgesamt 1861 Betriebe entschädigungslos enteignet, darunter auch die Spezial-Näh­ma­schi­nen­fabrik Julius Köhler.
1947wird die Firma Julius Köhler in Volkseigentum überführt, daraus entsteht die Ma­schi­nen­fa­brik Limbach Werk 2. Dazu gehört noch Werk 1 auf der Helenenstraße - die ehemalige Lim­ba­cher Maschinenfabrik Bach & Winter.
1949werden beide Betriebe zum VEB Spezialnähmaschinenwerk Limbach zu­sam­men­ge­schlos­sen. Der Betrieb hat seinen Sitz in Limbach, Pestalozzistraße 5.
Bild 10: Neue Maschinenhalle 1940 von außen (l.) und innen (r.)
Bild 11: Kettelmaschine „Uno Conti“ um 1940
Bild 12: Regulärnähmaschine „Record A.I.35“ um 1940
VerfasserJürgen Lohr
Quellen
  • [1] Denkschrift zum 50jährigen Jubiläum der Spezial-Nähmaschinenfabrik Julius Köhler, Limbach i. Sa., 1924
  • [2] Betriebschronik VEB Spezialnähmaschinenwerk Limbach 1988, Teil 1 Die Spezial-Nähmaschinenfabrik Julius Köhler Limbach 1874-1947
  • [3] Festschrift zum Gründungsjubiläum 130 Jahre Wirkschule Limbach, Limbacher Druck GmbH, Limbach-Oberfrohna, 1999, S. 78-82
  • [4] Frischmann, W. und J.: Vortrag am 17.06.2011 im Esche-Museum Limbach-Oberfrohna
  • [5] Textilindustrie des Freistaates Sachsen, Verlag Deutsches Werbe-Haus, Chemnitz, 1924
BilderSammlungsbestand Esche-Museum Limbach-Oberfrohna

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