Geschichte(n) vom Förderverein Esche-Museum e.V.
Die Oberfrohnaer Strumpfwirkerinnung
In Oberfrohna bestand von 1852 bis 1863 eine eigenständige Strumpfwirkerinnung. Über ihre relativ kurze Geschichte gibt es nicht allzu viele Zeugnisse. Wichtige Namen und interessante Details teilt uns Adolf Eduard Päßler 1899 in seiner Chronik von Oberfrohna mit, in der ausführlich aus dem 1899 noch vorhandenen Innungsbuch zitiert wird. Die Chronik wird im Stadtarchiv Limbach-Oberfrohna auf­be­wahrt. 2005 wurde diese Chronik von Dr. Hermann Schnurrbusch überarbeitet und in Auszügen neu he­raus­ge­ge­ben [1, 2]. Wichtige Hinweise zu Persönlichkeiten der Oberfrohnaer Innung sind Herrn Dietrich Esche zu danken.
Bild 1: Titelseite des Meister­verzeich­nisses der Limbacher Strumpfwirkerinnung [3]
Bild 2: Auszug aus dem Meisterverzeichnis der Limbacher Strumpfwirkerinnung, "Teil 2) in Oberfrohna" mit der Namensliste der beteiligten Gründungsmeister [3]
Bild 3: Seite aus dem Entwurf einer Notariatsadresse (Widerspruch der Limbacher Innung) [4]
Bild 4: Lade der Oberfrohnaer Strumpf­wirkerinnung aus dem Jahre 1852 (heute im Besitz des Esche-Museums in Limbach-Oberfrohna)
Die Entwicklung der Strumpfwirkerei in Oberfrohna verläuft gemeinsam mit der in Limbach und Känd­ler. Unter dem Schutzschirm des Limbacher Rittergutes kann sich die Wirkerei zunächst ohne eine Innungszugehörigkeit entwickeln.
1710ist der 18 Jahre alte David Aurich der erste Strumpfwirker in Oberfrohna.
1719kommt der junge Johann Haupt als Strumpfwirker hinzu. Er interessiert sich aber auch für Medizin, der er sich nach 1720 widmet. Er verstirbt 1736 als Dorfarzt.
1746/1747Der o. g. David Aurich wird Strumpfwirkermeister. Er besitzt zwei Wirkstühle und be­schäf­tigt den Oberfrohnaer Strumpfwirker Johann Gottlieb Semmler. Strumpfwirkermeister An­dre­as Clauß ist nach Oberfrohna zugezogen; er hat 1 Stuhl.
1763arbeiten in Oberfrohna 10 Wirker, davon sind 7 Strumpfwirkermeister.
1785sind von diesen noch 5 alte Meister tätig, 7 weitere Meister sind in den 22 Jahren seit 1763 hinzugekommen. Bei Gründung der Limbacher Innung traten die Oberfrohnaer Strumpfwirkemei­ster bei. Ein Vor- bzw. Beisitzmeister vertrat in der Limbacher Innung die Oberfrohnaer Meister. Das "Meister-Protocoll", das bei der Gründung der Limbacher Strumpfwirkerinnung an­ge­legt worden ist, weist aus, dass sich auch die Strumpf­wir­ker­mei­ster aus Mittelfrohna und Köthensdorf der Limbacher Innung angeschlossen haben.
 12 Oberfrohnaer Strumpfwirkermeister sind beteiligte Gründungsmeister der Limbacher Strumpfwirkerinnung, die vom sächsischen Kurfürsten bestätigt wird. Die Namen dieser 12 Gründungsmeister wurden bei der Gründungsversammlung der Strumpfwirkerinnung Limbach am 18. Mai 1785 in das Meisterbuch eingetragen.
 Meister Ernst Gottlob Schultze (Nr. 1 in der Eintragung) hat die Vor- bzw. Beisitzerfunk­tion mit Innungsaufgaben für Oberfrohna und gemäß Statuten auch für die 10 Meister aus Mit­tel­frohna sowie die 13 Köthensdorfer Meister.
 Unter der Nr. 13 finden wir in der Eintragung Johann Samuel Irmscher, der als erster Ober­frohnaer Wirker im Februar 1787 das Meisterrecht in dieser neuen Innung erwarb.
 Die Namensliste der Strumpfwirkermeister aus Oberfrohna, die der Limbacher Innung an­ge­hör­ten, wurde sorgfältig bis 1852 geführt (das Jahr, in dem die Oberfrohnaer eine ei­ge­ne Innung gründeten) und wird im Stadtarchiv Limbach-Oberfrohna aufbewahrt [3]. In der Meisterliste für Mittelfrohna-Fichtigsthal steht z. B. an erster Stelle Michael Esche mit dem spä­ter hinzugefügten Vermerk „ist gestorben“, leider ohne Angabe des Todestages. Der Erst­genannte in der Köthensdorfer Namensliste ist Johann Welcker.
 Laut Päßler [3] hatten die Oberfrohnaer Meister zunächst das Recht, die Gebühren, die von ihnen für Meisterwerden, Lossprechen und Aufdingen eingezahlt wurden, der Ober­froh­naer Armenkasse zufließen zu lassen. Ein Originalbeleg für dieses Vorrecht findet sich nicht.
1845hatte sich das Strumpfwirkergewerbe in Oberfrohna so gut entwickelt, dass es nunmehr 120 Meistern und ihren Familien und Mitarbeitern Lohn und Brot gab. Das heißt also auch, dass die in Oberfrohna gezahlten Gebühren nunmehr wohl eine beachtliche Sum­me ausmachten, und das Vorrecht der Oberfrohnaer, diese in die Armenkasse ihres Ortes zu zahlen, wurde jetzt (ebenfalls nach Päßler) erfolgreich angefochten.
 Kein Wunder, dass nun in der Oberfrohnaer Meisterschaft der Wunsch nach einer eige­nen Innung laut wurde.
 Als einen der Gründe für diesen Wunsch nannten die Oberfrohnaer Meister auch den Un­ter­schied der örtlichen Verhältnisse, denn "während in Limbach der große Fabrik­betrieb und das städtische Element sich mehr und mehr geltend mache, bleibe in Oberfrohna der bäuerliche Grundbesitz vorherrschend". [4]
1849veranstaltete der Beisitzmeister Johann Gotthelf Müller eine Zusammenkunft der Ober­froh­naer Meister, die zwei von ihnen, Karl August Schneider und Karl Wilhelm Fischer, und zehn Vertrauensmännern den Auftrag gab, alles Notwendige für die Gründung einer eigenen Innung vorzubereiten.
 Anläßlich der Quartalsversammlung der Limbacher Strumpf­wir­ker­innung im Februar 1850 trugen mehrere Oberfrohnaer Meister das Anliegen vor und baten um Unterstützung für die Gründung einer eigenen Innung [4].
 Da die Limbacher Innung die Oberfrohnaer Wirker nicht so ohne weiteres gehen lassen wollte, gab es viele Widerstände und ein Hin und Her von Schriftstücken [4]. Erhalten ist davon u. a. der Entwurf einer Erklärung, zu der die Strumpf­wir­ker­innung Limbach vom Gericht aufgefordert worden war, und in der die Bitte der Oberfrohnaer abgewiesen wurde. Darin wird eine Reihe von Abgaben aufgezählt, die durch die Limbacher Innung an das königliche Rentamt und an die Ge­richts­herrschaft zu Limbach zu zahlen sind, und die den neu gegründeten Innungen "nicht mehr auferlegt werden". Wohl zu Recht be­fürch­teten die Limbacher eine Abwanderung der Strumpfwirker von Limbach nach Ober­frohna und damit einen un­be­rechen­baren Verlust. Außerdem weisen sie u. a. darauf hin (siehe unten stehender Text), dass der für eine In­nungs­gründung zu erwartende große Auf­wand "leicht ein vergeblicher sein kann, da jedenfalls das Innungswesen einer bal­di­gen Um­ge­staltung entgegen geht und da insbesondere schon längst (wie sich das könig­liche Ministerium des Inneren in einer an hiesiges Gericht bereits vor mehreren Jahren ... er­lassenen Verordnung ausgesprochen hat) beabsichtigt worden ist, Be­zirks­innungen zu bil­den, in welchem Falle alle kleineren Innungen wieder aufgehoben werden würden".
 Erfolg mit ihrem Anliegen hatten die Oberfrohnaer Strumpfwirker erst beim dritten Anlauf, und das wohl auch nur, weil die beiden beauftragten Meister ihr Ansuchen dem königlichen Minister des Innern persönlich vortragen konnten.
 Mit der letzten Eintragung im Jahr 1852 für Friedrich August Heinig haben seit 1785 ins­ge­samt 176 Oberfrohnaer Meister in der Limbacher Strumpfwirkerinnung mitgearbeitet.
1852Am 4. September wurde die Strumpfwirkerinnung in Oberfrohna „konfirmiert“ (d. i. be­stä­tigt); am 11. Oktober wurden die In­nungs­vor­steher gewählt. Und da begegnen uns in der Chro­nik fast durchweg bekannte Namen: Zum ersten Obermeister wurde Karl Gottlieb Nau­mann gewählt, als Vormeister Karl August Schneider. Den Innungsausschuss bil­de­ten die Meister Friedrich August Irmscher, Friedrich Ferdinand Pester, Johann Christian Sonntag, Gottlieb Frischmann, Friedrich August Roscher und Johann August Quellmalz. Zu Stellvertretern wurden die Meister Karl Wilhelm Fischer, Johann Gottlieb Bräutigam und Johann Gottfried Quellmalz gewählt. Rechnungsführer wurde Friedrich Gottlob Gräfe, Hand­werks­schreiber Karl Reinhold Claus. Zum Herbergsvater ernannte man am 17. Oktober 1852 Friedrich August Irmscher.
 Das Innungsinventar bestand (nach Päßler) aus 12 Gegenständen:
  • den General-Innungs-Artikeln,
  • den speciellen Innungs-Artikeln,
  • der Gesetzessammlung für das Königreich Sachsen,
  • dem Meister-, Lehr-, Rechnungs- und Hauptbuch,
  • dem Quartalgelder-Register,
  • den gesetzlichen Bestimmungen beim Meisterwerden sowie
  • einem großen und einem kleinen Innungssiegel.
1861Zu der im Widerspruch der Limbacher Strumpfwirkerinnung angekündigten Bildung von Be­zirks­innungen ist es zwar nicht ge­kom­men, jedoch wurde durch das Königlich sächsische Gewerbegesetz vom 15. Oktober die Gewerbefreiheit ein­ge­führt, und das In­nungs­wesen verlor tatsächlich an Einfluss. Folgerichtig war 1862 das letzte Geschäftsjahr der Ober­frohnaer Strumpfwirkerinnung.
1863Ende und Auflösung der Oberfrohnaer Strumpfwirkerinnung.
VerfasserIrmgard Eberth, Mitarbeit Dietrich Esche für den Zeitraum der Limbacher Innungsgründung
Quellen
  • [1] Päßler, Eduard: Chronik Oberfrohna, 1899
  • [2] Schnurrbusch, Hermann: Chronik Oberfrohna, Limbach-Oberfrohna 2005, nach Päßler, Eduard
  • [3] Meisterverzeichnis der Limbacher Strumpfwirkerinnung, Stadtarchiv Limbach-Oberfrohna, Dok.-Nr.: 2513
  • [4] Notariatsadresse, Widerspruch der Limbacher Innung, Stadtarchiv Limbach-Oberfrohna, Dok.-Nr.: 2325
BilderFundus Esche-Museum

Die Informationen zu den Heimat- und Maschengeschichte(n) aus der Region Limbach sind von Mitgliedern des Fördervereins Esche-Museum gesammelt und für die Besucher des Esche-Museums aufbereitet worden. Sie können das gesamte Menü einsehen, es steht aber nur eine Auswahl von Dateien hier zur Verfügung. Dies soll eine Anregung sein, das Esche-Museum zu besuchen und dort weitere Informationen zu beziehen.

Hinweise und geeignete Dokumente zur Heimat- und Industriegeschichte der Region Limbach nehmen wir gern entgegen.