Geschichte(n) vom Förderverein Esche-Museum e.V.
Der Kaufmännische Verein Limbach (Sachsen) e.V.
Seit der Stadtwerdung Limbachs im Jahre 1883 hatte die Industrie einen enormen Aufschwung erlebt. So lag es nahe, dass man sich mit der Gründung eines Kaufmännischen Vereins befasste. Erste Anregungen hierzu kamen von den Herren Gustav Mierisch und William Rittberger.
1884Am 15. März gründen 13 junge Kaufleute aus Limbach den Kaufmännischen Verein. Zum Ersten Vorsitzenden wird am 26. April in der ersten ordentlichen Generalversammlung Paul Feine gewählt. Zweiter Vorsitzender ist William Rittberger. Der Verein ist der älteste bürgerliche Verein in Limbach. In einem Zirkular, mit dem neue Mitglieder angeworben werden sollen, werden als Vereinszweck genannt:
  • Fortbildung im allgemeinen und kaufmännischen Wissen,
  • Förderung und Vertretung allgemeiner Handelsinteressen,
  • Mehrung des kollegialen Sinnes unter den Mitgliedern durch geselligen Verkehr.
Am Ende des ersten Geschäftsjahres hat der Verein bereits 114 Mitglieder. Sie stammen aus den bedeutendsten Un­ter­neh­mer­fa­mi­lien der Stadt. Der Verein ist bald ein unentbehrliches Glied des Limbacher Gemeinwesens.
 Die Vereinsmitglieder treffen sich einmal im Monat im Gasthof „Hirsch“, wobei im Mittelpunkt meistens ein Vortrag steht. Hierzu werden die besten Redner aus allen Wissensgebieten sowie Vertreter aus allen Gebieten der Kunst eingeladen. Eine kleine Auswahl zeigt die Vielfalt der Themen:
1895Dr. Pohlmeyer, BerlinDie sozialen Pflichten der Gesellschaftsklassen gegeneinander
1896Vereinsvorsitzender
William Rittberger
Bericht über die Ablehnung eines Gesuches zur Errichtung eines Konsulates der USA in Limbach durch das Sächsische Innenministerium
1903Prof. Hahn, LeipzigDie amerikanische Gefahr
1906Ottilie Stein, KarlsruheDas Wesen der Frau – ihre Tugenden und ihre Fehler
1908Hauptmann Härtel, LeipzigEroberung des Luftmeeres und modernes Reisen im Luftschiff
1912Prof. Dr. W. Ohr, MünchenKampf um Schutzzoll und Freihandel in England
1913Prof. Dr. Brandenburg, LeipzigDie Völkerschlacht bei Leipzig und ihre welthistorische Bedeutung
1915Dr. Stresemann,
Syndikus des Verbandes Sächsischer Industrieller, Dresden
Der Krieg und die gegenwärtige und zukünftige Weltwirtschaftslage
1917Schuldirektor Dr. FickertDie diplomatische Vorgeschichte zum gegenwärtigen Weltkriege
1924Arthur BrausewetterDanzig, die Stadt der Glocken und Türme
1925Dr. Albert Pohlmeyer, BerlinGeorge Washington und der nordamerikanische Freiheitskampf gegen England
1927Prof. Wilhelm Pauck,
Humboldt-Universität Berlin
Bildfunk und elektrisches Fernsehen
1929Dr. Paul Berkenderrete, RostockMussolini
1930Prof. Dr. Ernst Hornessen, GießenPrivatwirtschaft oder Sozialismus
1936Prof. Dr. lic. Feigel, DuisburgWeltbild und Weltanschauung
Eine ausführliche Auflistung des Programms des Kaufmännischen Vereins siehe [3]
 Eine weitere Bereicherung erfährt das Vereinslebens des Kaufmännischen Vereins durch die Veranstaltung zahlreicher Kon­zert- und Herrenabende. Außerdem gibt es alle zwei Jahre größere gesellschaftliche Veranstaltungen, zum Beispiel Kar­ne­vals­bälle.
1902–1903Jetzt werden auch Nichtkaufleute als außerordentliche Mitglieder zugelassen, wie das bereits in anderen sächsischen kauf­män­ni­schen Vereinen üblich ist. Sie haben allerdings kein Stimmrecht. Es melden sich sofort 36 Herren als außer­or­dent­liche Mitglieder an. Bis zum Jahre 1909 steigt ihre Zahl auf 85.
1919Nach dem Krieg werden verschiedene reine Interessenverbände gegründet, wie z.B. der Verband der Stoff­hand­schuh­fa­bri­kan­ten in Limbach. Die Behandlung von Berufsfragen geht damit vom Kaufmännischen Verein an die betreffenden Fach­ver­bände über.
1924Die Mitgliederzahl erreicht ihren Höchststand, nachdem sie auf Grund der Wirtschaftslage durch den Ersten Weltkrieg stark geschrumpft war.
1940Die letzte schriftliche Nachricht über eine Veranstaltung des Kaufmännischen Vereins datiert vom Oktober 1940. Bis 1944 soll es jedoch noch Kulturveranstaltungen gegeben haben.
Erste Vorsitzende seit Bestehen des Vereins


Viele Verbesserungen in Limbach sind den Bemühungen des Kaufmännischen Vereins zu verdanken, wenn auch manche Vorstöße nicht von Erfolg gekrönt waren:
  • Durch Verhandlungen mit der Reichspost werden eine schnellere Postzustellung, bessere Fernsprechverbindungen und günstiger ge­le­ge­ne Schalterstunden erreicht.
  • Der Güterbahnhof wird erweitert, womit eine schnellere Zustellung eingehender Sendungen möglich wird.
  • Anstatt in Chemnitz kann die zollamtliche Abfertigung von Auslandssendungen vor Ort erledigt werden.
  • Die Reichsbank eröffnet im Jahre 1903 in Limbach eine Nebenstelle.
  • Der Verein nimmt auch Einfluss auf schulische Fragen. So setzt er sich für den Ausbau des fremdsprachlichen Unterrichts ein und be­müht sich (leider erfolglos) darum, die Gründung einer höheren Schule oder wenigstens einer Handelsschule zu erreichen.
  • Den Kampf um die Erhaltung der Wirkschule in Limbach, die durch die Inflation ihre materielle Grundlage in Form von Stiftungen ver­lo­ren hat, verliert der Verein. Die Wirkschule wird der Chemnitzer Wirkschule unterstellt und verliert damit ihre überragende Bedeutung.
  • Ebenso scheitern die Bemühungen des Vereins für eine Verlegung des Finanzamts von Burgstädt in das zentraler gelegene Limbach.
  • Der Kaufmännische Verein verfolgt 1896 zusammen mit dem Stadtrat das Ziel der Einrichtung einer elektrifizierten Eisenbahnlinie Lim­bach-Waldenburg-Altenburg, die aber letztlich nicht realisiert wird.
VerfasserUrsula Ziemert
Quellen
  • [1] Festschrift zur Feier des 50jährigen Bestehens des Kaufmännischen Vereins Limbach (Sachsen) e.V., 1934
  • [2] Heimat-Festschrift des Limbacher Tageblatts zum 50jährigen Stadtjubiläum, Im Juni 1933
  • [3] Andreas Eichler: Bürgertum und Industrie im Limbacher Land

Die Informationen zu den Heimat- und Maschengeschichte(n) aus der Region Limbach sind von Mitgliedern des Fördervereins Esche-Museum gesammelt und für die Besucher des Esche-Museums aufbereitet worden. Sie können das gesamte Menü einsehen, es steht aber nur eine Auswahl von Dateien hier zur Verfügung. Dies soll eine Anregung sein, das Esche-Museum zu besuchen und dort weitere Informationen zu beziehen.

Hinweise und geeignete Dokumente zur Heimat- und Industriegeschichte der Region Limbach nehmen wir gern entgegen.