Geschichte(n) vom Förderverein Esche-Museum e.V.
Johannes Pache (1857 – 1897)
1857Am 09.12. wird Johannes Fürchtegott Jonathan Pache als 3. Sohn des Ober­leh­rers Emil Pache in Bischofswerda, Pfarrgasse 8, geboren. Er und seine beiden Brüder sollen nach dem Willen des Vaters Geistliche werden. Die beiden Älteren werden es auch.
Bild 1: Portrait Paches
Bild 2: Pache-Denkmal im Limbacher Stadtpark
Bild 3: Relief des Denkmals
Das Relief zum Denkmal wurde von dem Arzt Dr. Georg Neideck entworfen und vom Bildhauer Leisring aus Hannover modelliert.
1870Johannes besucht das Gymnasium in Zittau. Hier zeigt sich sein musikalisches Talent. Was er hört, singt bzw. spielt er auf dem Klavier nach. Wegen seiner schönen Stimme wird er in den Schulchor aufgenommen, einen Chor, dem früher schon der Opernkomponist Heinrich Marschner angehört hatte. Der Leiter dieses Chores, Kantor Fischer, ist Paches erster gründlicher Musik-Lehrmeister. Der Junge wird Solosopranist und darf in Kirchenmusiken oft schwierige Sopransoli singen. Er übt eifrig Klavier und komponiert Lieder und Klavierstücke, ver­nach­läs­sigt dabei den Schulunterrichtsstoff, so dass er in der Quarta und später in der Un­ter­tertia sitzen bleibt.
 Johannes wird von seinem Vater vom Gymnasium genommen und im Leh­rer­se­mi­nar Dresden-Friedrichstadt angemeldet, weil man hier zur Ausbildung kein Abitur braucht. Der Junge zeigt aber zum Lehrer-Beruf wenig Lust. So kommt er auf das Gymnasium Bautzen. Auch hier zeigt er zu klassischen Sprachen und Ma­the­matik weniger Zuneigung als zur Musik. Er bildet sich in Klavier und Kom­po­si­tion weiter und versucht sich als Klavierlehrer. Freunde finden sich in seinem Dach­zim­mer zusammen, um seinen Kla­vier­kom­po­si­tionen zuzuhören und mit ihm seine Lieder, Duette und Quartette zu probieren. Verschiedene dieser Kom­po­si­tio­nen werden später unverändert in Druck gegeben.
 Mit der Erlangung des Einjährigen-Zeugnisses glaubt Johannes, dem Willen sei­nes Vaters Genüge getan zu haben. Er fährt ohne dessen Wissen nach Dresden und lässt sich beim Organisten der evangelischen Hofkirche, Theodor Berthold, prüfen. Auf Grund des guten Prüfungsergebnisses erklärt sich Berthold bereit, ihn weiter auszubilden. Vater Pache gibt jetzt seine Einwilligung zur Musikausbildung.
1877zu Ostern siedelt Pache nach Dresden über. Hier unterrichtet ihn Hoforganist Berthold im Orgelspiel und Hofpianist Scholz im Klavierspiel.
1879nach vollendeter Ausbildung findet er in Herisau bei St. Gallen in der Schweiz eine Anstellung als Organist und Musikdirektor. Obwohl ihm seine musikalische Tätigkeit zusagt und er sich hier wohlfühlt, verlässt Pache die Schweiz wegen einer unglücklichen Liebe.
1881kehrt er nach Dresden zurück. Hier nimmt er verschiedene schlecht bezahlte Tä­tig­kei­ten als Lehrer an privaten Musikschulen, als Leiter und Liedermeister von bis zu sechs Gesangsvereinen an. Bei aller materiellen Not dieser Zeit lernt er mit seiner Chorarbeit die „mund- und kehlgerechte“ Schreibweise, die seine Chor­wer­ke auszeichnet. Die Bekanntschaft mit Edmund Kretschmer, einem geschickten Män­ner­chor­kom­po­nisten, unterstützt ihn dabei ebenfalls.
1884Übersiedlung Paches nach Leipzig. Hier wirkt er in Konzerten als Organist, Pianist und Begleiter. Auch seine Kompositionen finden Beachtung. Erste Werke werden gedruckt. Ihre positive Aufnahme durch Zuhörer und Presse ermutigen ihn zu neuem Schaffen.
1885übernimmt er die Stelle des Kapellmeisters am „Saisontheater“ in Naumburg und gründet in dieser Stadt einen Männergesangsverein.
1886kehrt Pache nach Leipzig zurück. Hier findet er eine lohnende Tätigkeit als Be­ra­ter verschiedener Musikverlage, gleichzeitig bleibt ihm noch genug Zeit zum Kom­po­nie­ren.
1889schreibt die Stadt Limbach die Kantor- und Organistenstelle, die bisher von einem Leh­rer im Nebenamt besetzt war, als Vollstelle aus. Johannes Pache bewirbt sich und wird eingestellt. Paches Wirken bereichert die Limbacher kir­chen­mu­si­ka­li­sche Arbeit umfassend. Er reorganisiert den Kirchenchor, der zunächst aus 8 Männern besteht, später zum gemischten Chor erweitert wird. Die Gottesdienste werden musikalisch reicher ausgestaltet als früher.
 Pache veranstaltet große Kirchenkonzerte, zum Beispiel am 28. 09.1890 die Auf­füh­rung des Ora­to­riums „Die Schöpfung“ von Haydn in der Limbacher Kirche oder anlässlich seines 35. Geburtstages am 09.12.1892 des von ihm komponierten Oratoriums „Kapernaum“ (Text: Bernhard Dinter).
 Neben seiner kirchenmusikalischen Tätigkeit widmet er sich dem weltlichen, öf­fent­li­chen Musikleben. Unter seiner Leitung wird am 20. und am 22. April 1892 im Hotel „Hirsch“ in Limbach die Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria v. Weber aufgeführt.
 Pache komponiert auch in Limbach fleißig weiter. Viele seiner Werke werden gedruckt und machen ihn in Deutschland und im Ausland bekannt. Für ihre Kon­zer­te greifen Gesangsvereine gern auf Pachesche Werke zurück.
1897am 24. Dezember stirbt Johannes Pache an den Folgen eines Lungenleidens. Johannes Pache war zweimal verheiratet. Seine erste Frau, Martha Heinrich, starb 1893. Aus der Ehe mit ihr stammt Sohn Wolfgang, der ab 1915 als Lehrer in Limbach gearbeitet hat. Die zweite Frau, Martha geb. Knackfuß pflegt ihn aufopferungsvoll bis zu seinem Tod.
1902am 10. Juli wird im Limbacher Stadtpark das Pache-Denkmal enthüllt. Ein vom Erzgebirgischen Sängerbund eingesetztes Komitee veranlaßte die Errichtung. Spenden zur Fianzierung kamen nicht nur aus Limbach und Umgebung, sondern u. a. aus dem Sudetenland, aus Österreich und den USA.
Paches WerkeJohannes Pache veröffentlichte etwa 200 Werke. Nicht alles davon wird als künstlerisch wertvoll betrachtet und diente lediglich dem Gelderwerb.
 Über den musikalisch bedeutenden Teil Paches Schaffens schreibt sein Biograph Dr. Hans Volkmann: „Pache ist in erster Linie Gesangskomponist, und zwar Chorkomponist. In seinen Chorwerken wendet er zumeist die Form des Liedes an; auch seine größeren, zyklischen Werke bestehen im Wesentlichen aus Liedern von einfachem oder erweitertem Bau. Paches Lied ist ein durchaus volkstümliches, es kommt aus dem Gefühls- und Kunstbereich von Julius Otto und Franz Abt herüber. Kämpfe der Leidenschaften werden bei ihm nicht ausgefochten. Friedliche Naturbilder, Liebeslust und –leid, Geselligkeit, Scherz und Neckerei, Tanz- und Wanderlust sind die poetischen Stoffe seiner Tonwerke. Seine Melodik ist flüssig und eingänglich. Gewisse Wendungen des Liedertafelstils, die allen Chorwerken seiner Zeit eigen sind, fehlen auch bei ihm nicht. Aber sie werden nirgends unangenehm fühlbar, ein guter Kunstgeschmack dämmt sie zurück. Paches Harmonik ist zumeist einfach, zur Freude der Sängerschaft. Gewagte Tonschritte kommen nur selten bei ihm vor. Die Stimmen können sich gut entfalten, sie werden oft zu großen Wirkungen ausgenutzt, Soli bringen Gegensätze. Den meisten seiner größeren Chorwerke hat Pache Klavierbegleitung beigegeben, die bisweilen pianistisch sehr fein gearbeitet ist. Bei manchen Chören hat er die Klavierpartie auch für kleines Orchester bearbeitet“ [1].
 Heute unter anderen noch bekannte und aufgeführte Werke Paches:
 
  • „Herr, auf dich traue ich“ (71. Psalm) Kantate für Sopran, Chor und Orgel
  • Weihnachtskantate für Chor und Orgel, op. 105
VerfasserFrank Winter
Quellen
  • [1] Volkmann, Hans: Johannes Pache, Ein Meister des deutschen Chorliedes, Druck und Verlag von Friedrich May, Bischofs­werda, 1938
  • [2] Schnurrbusch, Hermann: Personen und Persönlichkeiten, Schriftenreihe: Aus unserer Heimatgeschichte, Heft 27, 2006
  • [3] Archiv des Bach-Chores Limbach
Bilder
  • 1: [1]
  • 2, 3: Frank Winter

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