Geschichte(n) vom Förderverein Esche-Museum e.V.
Firma Herrmann Dittrich in Oberfrohna
1855Am 01.04., in der Zeit der schwierigsten Anfänge der Stoffhandschuhindustrie be­gann Herrmann Dittrich mit seiner Ehefrau Laura Dittrich, geb. Gränz, Hand­schuhe herzustellen. Den Grundstock des Betriebskapitals bildeten die 100 Hei­rats­taler der Frau. Das junge Unternehmen hatte sein Domizil in den Räumen des alten Gutes Gränz und begann die Produktion mit zwei Handstühlen. Der Grün­der fertigte die Stoffe, seine Ehefrau schnitt die Handschuhe zu und nähte sie.
Bild 1: Stulpenhandschuhe mit Kurbelstickerei
Bild 2: Fabrikgebäude in Oberfrohna
Bild 3: Hochzeitshandschuhe von HEDI
Bild 4: Titelbild der Festschrift von 1955
 Nach mehrfachem Wechsel der Räumlichkeiten wurde das erste Grundstück gekauft und als Wohnhaus und Fabrikgebäude aufgebaut. Mit Geduld und un­end­li­cher Kleinarbeit konnten auch die schlechten 1860er Jahre überstanden wer­den. Das Handschuhgeschäft lag in dieser Zeit wiederholt derart darnieder, dass z. B. für das Handschuhnähen mit der Hand pro Dutzend nur 20 Pfennig be­zahlt wurden.
1887Am 22.07. übergab der Herrmann Dittrich das Unternehmen seinen Söhnen Robert, Karl und Ernst. In guter Zusammenarbeit erweiterten sie das Gebäude und schafften
1891eine für damalige Zeiten sehr moderne Kesselanlage und Dampfmaschine an. Der Maschinenpark wurde erweitert um Kettenstühle, Rundstühle, Raschel- und Milanesemaschinen.
Auffällig sind in der Festschrift zum 100-jährigen Firmenjubiläum neben den vielen Porträts der männlichen Geschäftsführer zwei Frauenporträts. Und dazu gibt es folgenden Text: „Ein besonderes Verdienst der Ehefrau des Gründers und der Ehefrau des Herrn Robert Dittrich, der Frau Wilhelmine geb. En­gel­mann, war, dass diese es verstanden, durch regen Fleiß die gesamte Kon­fek­tion der Handschuhe, d.h. Näherei und Ornamentierung, auf einen sehr hohen Stand zu bringen. Die Erzeugnisse erlangten immer mehr Weltruf, wodurch eine Grundlage entstand, auf welcher sich die weitere Entwicklung aufbauen konn­te“.
1881, 1887wurden die großen Fabrikanlagen errichtet.
1901starb der eine der drei Brüder, Karl Dittrich. Seine Stelle im Unternehmen nahm Otto Dittrich, der Sohn von Robert Dittrich ein. Er hatte zuvor durch mehr­jäh­ri­gen Aufenthalt in Paris und London Erfahrungen im internationalen Geschäft ge­sam­melt und konnte diese für die Erweiterung der bestehenden und Er­schlie­ßung neuer Exportverbindungen erfolgreich einsetzen.
1909traten er und sein Bruder Max als Mitinhaber in die Firma ein. Otto leitete den Betrieb wegen der Erkrankung seines Vaters selbständig.
 Einen bedeutenden Aufschwung nahm die Stoffhandschuhindustrie durch die Er­fin­dung des Doppel-Kettenstuhls. Die neuen „Simplex“-Stoffe entwickelten sich bald zur Hauptqualität und erfreuten sich insbesondere im Export großer Nach­fra­ge.
 Ein ernster Rückschlag trat als Folge des ersten Weltkrieges ein und führte zunächst zu einem völligen Erliegen des Betriebes. Weitere Verluste brachten die Jahre der Weltwirtschaftskrise. Der Vorkriegsstand konnte nicht wieder er­reicht werden. In verschiedenen Ländern hatten sich inzwischen eigene Stoff­hand­schuh­in­du­strien entwickelt, bedeutende Absatzmärkte waren verloren ge­gan­gen. Die Herstellung kunstseidener Unterwäsche erwies sich daher als Ret­tung, und die Wäschefabrikation entwickelte sich bald zur größten Abteilung des Betriebes.
1923–1924gliederten die Unternehmer auf anliegendem Gelände ein anderes Un­ter­neh­men der Firma an. Sie erweiterten ihre Erzeugnispalette und nahmen unter dem Markennamen HEDI die Produktion von Baumwoll-Wäschestoffen auf. Mit der selbst produzierten kunstseidenen Wirkware erfolgte außerdem die Fabrikation von z. T. spitzenverzierter Unterwäsche, von Blusen und Stoffen für Ober­be­klei­dung.
1939Der zweite Weltkrieg führte wiederum zu einer außerordentlichen Be­schrän­kung der Fabrikationsmöglichkeiten. Die Stoffhandschuhproduktion kam fast völ­lig zum Erliegen, während die Herstellung von Wäsche und Blusen in klei­ne­rem Umfang fortgesetzt werden konnte.
1944starb Otto Dittrich. Die Leitung des Betriebes übernahm zunächst Dr. Frick. Hans Hermann Dittrich, der Sohn von Max, war an der Front und danach in sow­je­ti­scher Gefangenschaft.
1945konnte der Betrieb nach völligem Stillstand wieder in Gang gebracht werden.
1950übernahm Gerhard Kuhn die Leitung des Betriebes. Gleichzeitig erhielt Hans Hermann Dittrich Prokura für die Firma.
 HEDI beteiligte sich sofort wieder rege an Ausstellungen und Messen und gehörte zu den wenigen Firmen, die in der DDR Stoffhandschuhe herstellten. Nacht­wäsche, Damenunterwäsche und Blusen blieben ebenfalls im Programm. Die Frau von Hans Hermann Dittrich – Hanna Dittrich - war schon als junges Mäd­chen im Betrieb beschäftigt und nach Kriegs­ende verantwortlich für Kal­ku­la­tion und Buchführung.
1955beging die Firma Herrmann Dittrich ihr 100-jähriges Betriebsjubiläum
19721972 brachte für das Ehepaar Dittrich bei aller Einfügung in das DDR-System eine schmerzliche Erfahrung, als anläßlich der Verstaatlichung der am Tor angebrachte Schriftzug HEDI abgeschlagen und auf die Straße geworfen wurde. Den­noch blieb Hans Hermann Dittrich dem Vermächtnis seiner Vorfahren auch unter DDR-Bedingungen treu und fungierte als Betriebsleiter bis zum Rentenalter.
1990Privatisierung der Firma
VerfasserIrmgard Eberth
Quellen
  • [1] 75 Jahre Herrmann Dittrich, Oberfrohna in Sachsen in: Der Handschuh, Jubiläums- und Propagandaschrift der sächsischen Textilhandschuhindustrie, 1929
  • [2] 100 Jahre Herrmann Dittrich, Festschrift
  • [3] Zeitzeugenbericht von Frau Hanna Dittrich, Witwe von Hans Hermann Dittrich
BilderFirmenunterlagen

Die Informationen zu den Heimat- und Maschengeschichte(n) aus der Region Limbach sind von Mitgliedern des Fördervereins Esche-Museum gesammelt und für die Besucher des Esche-Museums aufbereitet worden. Sie können das gesamte Menü einsehen, es steht aber nur eine Auswahl von Dateien hier zur Verfügung. Dies soll eine Anregung sein, das Esche-Museum zu besuchen und dort weitere Informationen zu beziehen.

Hinweise und geeignete Dokumente zur Heimat- und Industriegeschichte der Region Limbach nehmen wir gern entgegen.