Baumlegenden

Galgenlinde in Bräunsdorf

Galgenlinde in Bräunsdorf - Foto: F. Maisch

Galgenlinde in Bräunsdorf - Foto: F. Maisch

Der Standort der Galgenlinde ist die frühere Richtstätte von Bräunsdorf und Kaufungen. Der Baum befindet sich einsam auf der Feldflur, die im Besitz der Bräunsdorfer Familie Schubert ist. Der Standort der alte Linde ist eine Anhöhe, auf freiem Feld, an der Flurgrenze zu Kaufungen und auf dem Flurstück des ehemaligen Berg­sa­mel­schen Guts. Ursprünglich stießen dort die Be­sit­zun­gen der Rittergüter Bräunsdorf und Kau­fun­gen an­ein­an­der. Der Umfang der Galgenlinde betrug im Jahre 2010 3,42 m. Das lässt auf einem höchstens 100 bis 140 Jahre alten Baum schließen.

Aus Urkunden wissen wir, dass der Galgen ge­mein­sam mit Kaufungen benutzt wurde. Die Scharf­richter kamen aus Penig und waren zugleich Abdecker und Seifensieder.

Im Kaufunger Lehnbuch von 1926 steht sinngemäß: Ein Dieb namens Michael Fiedler wurde 1624 am Galgen gehängt. Den Verurteilten ließ man zur Abschreckung längere Zeit baumeln, das war in alten und düsteren Zeiten so üblich. Die Raben bedienten sich am Leichnam. Nach zwei Jahren am 18. Oktober 1526 wurde das Skelett des armen Sünders von Unbekannten heruntergerissen. Beide Daumen und auch die zum Festmachen des Körpers benutzte eiserne Kette wurden gestohlen. Die Daumen eines Diebes wären nach alten Überlieferungen glücksbringend. Der herbeigerufene Peniger Scharfrichter verscharrte die Überreste des Delinquenten an Ort und Stelle.

In einem Kaufbuch aus Bräunsdorf von 1677 finden sich weitere Eintragungen zu Hinrichtungen. 1677 entwickelte sich ein Streit zwischen Bräunsdorf und Kaufungen wegen der Bezahlung der Gerichtskosten und des Scharfrichters. Das Urteil wurde vom jeweiligen Feudalherrn aus­ge­spro­chen, der zugleich auch Gerichtsherr war. Untere Feudalherren waren damals die Grafen von Ein­siedel auf Wolkenburg, Pächter des Rittergutes Limbach. Der obere Feudalherr war der Graf von Schönburg auf der Rochsburg.

Ein des Diebstahls von Silberlöffeln Beschuldigter, soll vor seiner Hinrichtung eine junge Linde ausgerissen und an der Richtstätte mit der Baumkrone verkehrt eingepflanzt haben. Der Legende zufolge soll der Sünder gesprochen haben: "So wahr das Bäumchen gedeihen wird, so wahr bin ich unschuldig". Es nützte nichts, er wurde trotzdem aufgeknüpft. Die Linde schlug aus und wurde zu einem starken Baum. So entstand die Sage von der Bräunsdorfer Galgenlinde.

Wann die letzte Hinrichtung am Richtplatz der Galgenlinde erfolgte, konnte vom Chronisten Stroh­bach in den Bergen alter Akten nicht gefunden werden.

Im Grundbuch des Amtsgerichtes Limbach für das Flurstück 342 wurde 1909 dem Landwirt Schubert auferlegt, die Galgenlinde zu erhalten und ggf. eine neue Linde zu pflanzen. Das wird die heutige Linde sein, gepflanzt irgendwann in der Kaiserzeit. Veranlasst hatte dies ein Heimat- und Naturfreund aus Chemnitz, wahrscheinlich ein gebürtiger Bräunsdorfer. Er hatte ein großes Interesse am Fortbestand des legendären Baumes und zahlte deshalb an die Eigentümer 50 Reichs­mark für Nachpflanzungen. Das war damals eine große Summe, so viel wie ein Monats­ver­dienst. Es bestand dazu wohl ein Anlass, wahrscheinlich war die ursprüngliche Linde umgestürzt.

Die heutige ca. 100 Jahre alte Galgenlinde mit einem Stammumfang von 3,47 m steht unter Natur­schutz und wurde in der DDR-Zeit mit einem Eulenschild versehen. Die Linde weist in der Krone einen größeren abgestorben Ast auf. Neben dem Baum steht eine Ruhebank für müde Wanderer.

Vorausschauend auf etwaige künftige Sturmschäden pflanzten engagierte Bräunsdorfer 2007 in unmittelbarer Nähe wieder eine junge Galgenlinde.

In Limbach erfolgte die letzte mittelalterliche und blutige Hinrichtung im Jahre 1805. Eine Gift­mörderin wurde inmitten einer großen Zahl von sensationsgierigen Gaffern mit dem Schwert ent­haup­tet. Der Scharfrichter kam wie üblich aus Penig. Der Körper wurde auf ein Wagenrad ge­floch­ten und bis zur Verwesung längere Zeit am Galgen zur Schau gestellt. Das sollte der Abschreckung dienen. Die Richtstätte bzw. der Galgen befand sich an der Kreuzung der heutigen Straße des Friedens und der Körnerstraße, an der Flurgrenze zwischen Limbach und Oberfrohna.

Quellen: Unterlagen im Esche Museum, Chronisten Seydel, Fritsching, Strohbach,

Edelkastanie in Rußdorf

Edelkastanie in Rußdorf - Foto: F. Maisch, 2009

Edelkastanie in Rußdorf - Foto: F. Maisch, 2009

Früchte der Edelkastanie - Foto: F. Maisch, 2009

Früchte der Edelkastanie - Foto: F. Maisch, 2009

Wie der Besitzer des Vierseitenhofes (Wal­den­bur­ger Straße 157) Gotthardt Fichtner berichtet, wurde die Marone vor vielen Jahren von Bauern dort gepflanzt. Sie war in alten Zeiten als Setzling aus Altenburg nach Rußdorf gelangt. Rußdorf war ja seit 1525 herzoglich thüringische Enklave mitten im Königreich Sachsen.

Gotthardt Fichtner wurde 1944 als blutjunger Mann als Soldat eingezogen und war durch die Kriegs­wirren in amerikanische Kriegs­ge­fan­gen­schaft gelangt. Der ursprünglich ca. 200 Jahre Baum ist nach dem Brand des Vierseitenhofes am 14.04.1945 eingegangen. Ursache des Bran­des war die fanatische und unsinnige Gegen­wehr der Wehrmacht beim Vorrücken der ameri­ka­ni­schen Truppen. Von Falken aus nahmen die Ame­ri­ka­ner daraufhin Rußdorf unter Artil­le­rie­feuer. 11 Häuser bzw. Gehöfte in Rußdorf wurden am 14.04.1945 in Brand geschossen, so auch der Fichtnersche Vierseitenhof an der Wal­den­bur­ger Straße. Bei den Kämpfen starben 16 Sol­daten und Zivilisten. Gotthardt Fichtner erlebte bei der Heimkehr aus der Gefangenschaft die ehemals prächtige Edelkastanie als kümmerliche verkohlte Baumleiche. Aber, oh Wunder, die Wur­zel der Edelkastanie trieb bald wieder aus. Heute ist das ein vielstämmiger Baum. Jedes Jahr im Juni treibt der hier seltene Baum üppige Blüten in Form weißer Rispen, die auf Bienen und andere Insekten eine große Anziehung ausüben. Die Blüten der Edelkastanie liefern reichlich Nektar. Die Blütenrispen sind noch bis Anfang Juli zu be­wun­dern. So gesehen ist diese Edelkastanie ein Überbleibsel aus alter Zeit.

Hanneloreneiche

Hanneloreneiche am Friesenweg mit einem Umfang von 5,55 m - Foto: F. Maisch, 2009

Hanneloreneiche am Friesenweg mit einem Umfang von 5,55 m - Foto: F. Maisch, 2009

im Fundus des Esche Museums konnte ein Dia­po­si­tiv, wahrscheinlich aus der Mitte der 20er Jah­re mit der Darstellung dieses Bil­der­buch­bau­mes am Friesenweg (ehemaliges Oesterholz) auf­ge­fun­den werden. Vom Baumbestand des Oester­holzes war schon lange keine Spur mehr zu sehen. Man erkennt im Hintergrund auf dem Dia die beginnende Bebauung der Burgstädter Straße. Es ist eine über die Generationen über­lie­fer­te Mär, dass dort in alten Zeiten unter der Baumkrone nach germanischer Sitte "Rat und Gericht" gehalten wurde und dass deshalb die Eiche von Rodungen verschont blieb. Das ist aber ein Irrtum. In alten Zeiten war das Gebiet von wendischen Stämmen besiedelt. Erst vor ca. 1000 Jahren drängten fränkische und rhein­län­dische Siedler in das heutige Limbacher Land. Das zum Rittergut gehörende Oesterholz wurde in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg von der ehe­mals kriegs­be­gei­ster­ten, jetzt aber frierenden Limbacher Bevölkerung vollständig abgeholzt, nachdem schon vorher der Wald an der Eiche zu­rück­gewichen war. Das harte Eichenholz konn­te Säge und Axt offenbar widerstehen, oder man scheute sich diesen symbolhaften Baumriesen zu fällen. Auch eine starke mit Bänken umstandene un­weit befindliche legendäre Buche, der "Bör­sen­stammtisch", ein beliebter sommerlicher Treff­punkt von Handwerksmeistern im Oesterholz wurde schon in der frühen Kaiserzeit abgeholzt. Das Gelände des ehemaligen Oesterholzes wurde dann ab den 20er Jahren z.T. als Schutt­ab­la­de­platz benutzt. Im östlichen Teil entstand der Sport­platz und die Eigenheimsiedlung der 30er Jahre. Früher gehörte die Flur des Oesterholzes dem Rittergut und heute der Stadt.

Die Hanneloreneiche war schon in den 30er Jahren die schönste und mächtigste Eiche weit und breit. Das Alter des Baumriesen wird heute von Sachverständigen auf ca. 400 Jahre geschätzt. Weiterhin wird vermutet, dass die Hanneloreneiche nach der von 1732 bis 1742 im Limbacher Rittergut lebenden schönen Edelfrau Johanna Elenora von Einsiedel benannt wurde. Mitte der 20er Jahre betrug der Umfang des Bilderbuchbaumes bereits 4,50 Meter und im Jahre 2010 konnte der Umfang des Stammes mit respektablen 5,52 Meter vermessen werden. Heute gehört die Hanneloreneiche zu den schönsten und mächtigsten Eichen im weiten Umkreis. Sie wurde bereits in den 30er Jahren unter Naturschutz gestellt. Das erste Eulenschild wurde in der DDR-Zeit angebracht. In der Krone ist ein großer Ast abgestorben, das gibt dem Landratsamt Anlass zur Sorge. Sonst ist die Eiche noch kerngesund. Am Baum wurde in den 90er Jahren eine Tafel zur Geschichte des Baumes aufgestellt. Die nächsten und ähnlich mächtigen Eichen stehen am Stadtrand von Frankenberg und in Nöbdenitz bei Schmölln. Die stärkste Eiche Sachsens, die Storcheneiche, findet man in Ebersbach bei Zittau mit einem Stammumfang von 9,50 m und einem geschätzten Alter von 800 Jahren.