TU ChemnitzForschungProjekteKompetenzinitiative Usability

Kompetenzinitiative Usability

Kompetenzinitiative Usability

Finanzierung

BMI (03WWBE054 B)

Projektpartner

Professur Allgemeine und Arbeitspsychologie, TU ChemnitzZentrum Mensch-Maschine-Systeme, TU Berlin

Projektlaufzeit

Oktober, 2008 bis Juli, 2011

Motivation und Zielstellung


Die Nutzerfreundlichkeit (engl. Usability) technischer Produkte stellt in vielen Branchen zunehmend einen zentralen Wettbewerbsfaktor dar. Hierbei stehen längst nicht mehr nur der Software- und der Consumer-Products-Bereich im Mittelpunkt. Auch industrielle Arbeitsmittel, Medizintechnik und selbst Verpackungen können von einer nutzerzentrierten Entwicklung (Usability-Engineering) profitieren und werden zunehmend anhand dieser Aspekte entwickelt. Im Gegensatz zu Großunternehmen, die hierzu eigene Abteilungen aufbauen oder externe Dienstleistungen zukaufen, wird bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) der Faktor Usability bisher kaum beachtet. Oft ist das wirtschaftliche Potenzial dieses Faktors nicht bekannt, oder es wird aufgrund fehlenden Know-hows oder mangelnden personellen und technischen Ressourcen nicht konsequent erschlossen.

Um diesen Missstand zu beheben, unterstützte das Bundesministerium für Verkehr und Stadtentwicklung im Rahmen des Innovationswettbewerbs „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ das dreijährige Wissenstransferprojekt „Kompetenzinitiative Usability“ (KiU). Ziel war es, geeignete Sensibilisierungs- und Transferangebote zur nutzerzentrierten Produktentwicklung für KMU zu entwickeln und breitenwirksam zu erproben. Hierbei wurden verschiedene Fragestellungen betrachtet:

  • Bei welchen KMU existiert ein Bedarf für eine nutzerzentrierte Produktentwicklung und wie sieht dieser aus?
  • Wie kann dieser Bedarf gedeckt  werden und welche Methoden sind hierbei sinnvoll?
  • Welche Barrieren bzw. Hemmnisse bestehen, die einer nutzerzentrierten Produktentwicklung in KMU entgegenstehen?

Der Wirkbereich der Initiative beschränkte sich auf die neuen Bundesländer und war branchenoffen. Zielgruppe der Maßnahmen waren KMU, die bisher noch über keinerlei Erfahrung mit dem Thema der nutzerzentrierten Entwicklung verfügten, für deren Produkte diese Vorgehensweise aber bedeutsam wäre.
 

Vorgehensweise


Das Sensibilisierungs- und Transfermodell bestand aus drei Säulen, die zu Projektbeginn entwickelt und in ersten Pilotprojekten erprobt wurden.

  1. Die erste Säule betraf die Öffentlichkeitsarbeit und diente zur breitenwirksamen Bekanntmachung des Faktors Usability und der Initiative unter der Zielgruppe. Hierbei wurden direkte sowie indirekte Wege gewählt. Zu den direkten Wegen zählten Messebesuche und Informationsveranstaltungen. Auf indirekte Weise wurden Unternehmen beispielsweise durch Pressearbeit und Informationsaustausch mit Verbänden angesprochen.
  2. Die zweite Säule des Modells bestand aus Maßnahmen zur Wissensvermittlung, um KMU dazu zu befähigen, eigenständig einen nutzerzentrierten Entwicklungsprozess zu etablieren und Methoden der nutzerzentrierten Entwicklung durchzuführen. Hierbei wurden webbasierte E-Learning-Schulungen sowie Präsenzschulungen entwickelt und durchgeführt.
  3. Die dritte Säule bildeten kleine Beratungsprojekte in Form von unternehmensspezifischen Usability-Dienstleistungen. Je nach Bedarf des Unternehmens sollten so Methoden der nutzerzentrierten Entwicklung, wie beispielsweise Expertenreviews, Usability-Tests, Produktbenchmarks oder Nutzungskontextanalysen, während des Entwicklungsprozesses oder an bereits marktreifen Produkten für die Unternehmen durchgeführt werden. Ziel dieser Vorgehensweise war es, den Nutzen von Usability anhand eines konkreten Beispiels erfahrbar zu machen. Die daraus gewonnen Erkenntnisse und Erfahrungen sollten die Unternehmen dazu animieren, eigenständige Maßnahmen in ihren Entwicklungsprozess nachhaltig zu implementieren.

Die während der Projektlaufzeit entwickelten und erprobten Sensibilisierungs- und Transfermaßnahmen sollten nach dem Projektende in ein wirtschaftlich tragbares Dienstleistungskonzept überführt und anschließend eigenständig weitergeführt werden. Während der Projektlaufzeit wurden die Transfermaßnahmen den Unternehmen kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Usability-Untersuchung am Zeiterfassungssystem der Firma INCA GmbH
Usability-Untersuchung am Zeiterfassungssystem der Firma INCA GmbH

Ergebnisse


Es wurden innerhalb der Projektlaufzeit Dienstleistungsprojekte mit insgesamt 60 KMU durchgeführt. Davon waren 19 Unternehmen mit unter 10 Mitarbeitern dem Größenbereich der Kleinstunternehmen zuzurechnen. 29 Unternehmen und damit fast die Hälfte der beratenen Unternehmen waren Kleinunternehmen mit zehn bis 49 Mitarbeitern. Zudem waren 12 Mittelständler mit 50 bis 250 Mitarbeitern im Projekt vertreten. Der überwiegende Teil der Unternehmen bestand aus Herstellern oder Betreibern von Internetangeboten, wie beispielsweise Onlineshops, Suchmaschinen und soziale Netzwerke. Diesem Bereich waren 41 Unternehmen zuzuordnen. Mit 11 Unternehmen ebenfalls stark vertreten war der Bereich der Software-Hersteller. 8 weitere Unternehmen zählten zu Hardware-Herstellern aus den Bereichen Medizintechnik, Maschinen- und Anlagenbau, Zeiterfassungsgeräte und Verpackungen. Die in den Dienstleistungsprojekten in Anspruch genommenen Verfahren der nutzerzentrierten Produktentwicklung bezogen sich überwiegend auf den Verfahrensbereich der Expertenevaluationen. In 39 Projekten wurde auf Methoden aus diesem Bereich zurückgegriffen. Evaluationen, bei denen Nutzer einbezogen wurden, beispielsweise bei klassischen Usability-Tests oder auch Onlinebefragungen, wurden in 13 Projekten durchgeführt. In 7 Projekten wurden Methoden zur Interfacegestaltung angewandt. Zudem war Inhalt eines  Dienstleistungsprojektes die Beratung zur Einführung eines nutzerzentrierten Entwicklungsprozesses.

Pilotpartner der Kompetenzinitiative
Pilotpartner der Kompetenzinitiative

Ansprechpartner


Konferenzbeiträge


Dittrich, F. Spanner-Ulmer, B. (2012). Nutzerzentrierte Produktentwicklung für mittelständische Unternehmen - Ergebnisse eines dreijährigen Transferprojektes . Gestaltung nachhaltiger Arbeitssysteme – Wege zur gesunden, effizienten und sicheren Arbeit, Tagungsband Tagungsband GfA‐Frühjahrskonferenz 2012.
22.02.2012 bis 24.02.2012
, Kassel (S. 491-494).

Endmann, A. Dittrich, F. Spanner-Ulmer, B. (2012). Methodenvergleich bei Webseitenevaluationen – Was bringt was?. Gestaltung nachhaltiger Arbeitssysteme – Wege zur gesunden, effizienten und sicheren Arbeit, Tagungsband GfA‐Frühjahrskonferenz 2012.
22.02.2012 bis 24.02.2012
, Kassel (S. 189-192).

Dittrich, F. (2012). Die Mensch-Maschine-Schnittstelle im demographischen Wandel. Ergonomische Gestaltungsanforderungen auf Grundlage altersbedingt gewandelter Fähigkeiten älterer Mitarbeiter in der industriellen Produktion. Komplexität beherrschen – Zukunft sichern, Tagungsband AUTOMATION 2012.
13.06.2012 bis 14.06.2012
, Baden-Baden in Press (S. ).

Dittrich, F. Hentschel, C. Spanner-Ulmer, B. (2011). Erstellung eines Richtlinien- und Prüfkataloges zur Entwicklung nutzerfreundlicher Verpackungen. Mensch, Technik, Organisation - Vernetzung im Produktentstehungs- und herstellungsprozess, Postersession GfA-Frühjahrskonferenz 2011.
23.03.2011 bis 25.03.2011
, Chemnitz (S. 367-370). Link zur Onlineveröffentlichung

Dittrich, F. Spanner-Ulmer, B. (2011). "Kompetenzinitiative Usability" (KiU). Zwischenergebnisse eines interdisziplinären Transferprojektes. Mensch, Technik, Organisation- Vernetzung im Produktentstehungs- und herstellungsprozess, Postersession GfA-Frühjahrskonferenz 2011.
23.03.2011 bis 25.03.2011
, Chemnitz (S. 371-374).

Kessner, D. Dittrich, F. Bär, N. (2011). Von der Wissenschaft in die Wirtschaft - Wissenstransfer in Sachen Usability. Erfahrungen aus einem dreijährigen BMI-geförderten Usability-Projekt. Hören. Sehen. Interagieren., Tagungsband Tagungsband Usability Professionals 2011.
12.09.2011 bis 14.09.2011
, Chemnitz (S. 234-239).

Dittrich, F. Spanner-Ulmer, B. (2010). "Usability" von Verkaufsverpackungen unter dem Aspekt des demographischen Wandels. Neue Arbeits- und Lebenswelten gestalten, Postersession Tagungsband GfA-Frühjahrskonferenz 2010.
24.03.2010 bis 26.03.2010
, Darmstadt (S. 927-930).

Dittrich, F. Spanner-Ulmer, B. (2010). Industrial-Usability im Kontext aktueller Trends der industriellen Produktion. Ganzheitliche Forschung zur Gebrauchstauglichkeit durch den MTO-Ansatz. Grundlagen - Methoden - Technologien, Postersession 5. VDI Fachtagung USEWARE 2010.
13.10.2010 bis 14.10.2010
, Baden-Baden (S. 303-314).

Zeitschriftenbeiträge


Dittrich, F. (2012). Mensch-Maschine-Schnittstelle im demographischen Wandel. Ergonomische Gestaltungsanforderungen. atp edition - Automatisierungstechnische Praxis, (54) 7-8, S. 888-893. ISSN 0340-4730

Dittrich, F. Leiber, P. Bär, N. Spanner-Ulmer, B. Krems, J. (2012). Erfolsgsfaktoren für Usability-Beratungsprojekte in kleinen und mittelständischen Unternehmen der Web- und Software-Branche. ZfA - Zeitschrift für Arbeitswissenschaft, (66) 2012/2-3, S. 1-9. ISSN 0340-2444

Dittrich, F. Spanner-Ulmer, B. (2011). Instrumentarium zur kundenorientierten Produktentwicklung. Wie Unternehmen mit einem geeigneten Methodenmix den Innovationserfolg erhöhen können. Industrie Management Zeitschrift für industrielle Geschäftsprozesse, 5, S. 51-54. ISSN 1434-1980

Hentschel, C. Dittrich, F. Spanner-Ulmer, B. (2011). Fighting the jar of gherkins. The Ergonomist, No. 496 October 2011, S. 6-7. ISSN 0268-5639 Link zur Onlineveröffentlichung

Dittrich, F. Spanner-Ulmer, B. (2010). Aktuelle Studie:Usability von Verkaufsverpackungen. DLG Lebensmittel: Die Fachzeitschrift für Sensorik, Qualität und Produktion, 5, S. 34-36. ISSN 1864-0176