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Spezialklasse

Prof. Dr. Hans Jäckel am Rednerpult im Pionierhaus bei der Eröffnung der Spezialklasse
Mit der Leitung der Erweiterten Oberschule (EOS) Friedrich-Engels liefen Verhandlungen über ihre Spezialisierung zu einer Spezialschule für Mathematik. Das Ergebnis waren zwei Klassen (1963 und 1964) für Abitur und zwei Berufsausbildungen als Technische Rechner. Diese Klassen erhielten einen verstärken Mathematikunterricht, so dass die Schüler bereits in der Klasse 11 das Mathhematikabitur ablegen konnten. In Klasse 12 wurden dann noch einige Probleme der Analysis des ersten Studienjahres behandelt. Dazu kam wöchentlich ein Tag an der Hochschule, an dem der Umgang mit Tischrechnermaschinen und Analogrechnern (Dipl.-Math. H.-J. Ueberfuhr), Nomographie (Dipl.-Math. K.-D. Blume) und Programmierung am Rechner ZRA 1 gelehrt wurden. Aus der ersten Klasse nahmen 16 Schüler und Schülerinen ein Mathematikstudium auf. Dazu trugen wesentlich die persönlichen Gespräche bei, die Prof. Hans Jäckel mit den Schülern und deren Eltern führte. Aus dieser Klasse gingen die späteren Mitarbeiter Dr. M. und Dr. C. Meyer und Dr. C.-M. Schreyer hervor. 1964 wurden Schüler für die erste Spezialklasse aufgenommen. Aus dieser Klasse gingen die späteren Mitarbeiter Prof. Dr. G. Heinig, Dr. J. Nagel und Dr. J. Mette hervor.

Die Spezialklassen waren als Bestandteil des einheitlichen Bildungssystems allgemeinbildende Einrichtungen zur Förderung mathematisch, naturwissenschaftlich und technisch begabter Schüler mit vorbildlicher Verhaltensweise und gesellschaftlicher Aktivität. Bei der Auswahl dieser Schüler wurden die Leistungen bei Mathematik- und Physikolympiaden, bei den Messen der Meister von morgen und bei anderen wissenschaftlich-technischen Leistungsvergleichen berücksichtig.

Die zweijährige Ausbildung an den Spezialklassen schließt sich den die Abschlußprüfungen an den Polytechnischen und Erweiterten Oberschulen an. Während dieser Zeit wurde das Ziel verfolgt, die Absolventen durch Anwendung hochschulgemäßer Methoden des Lehrens und Lernens zu befähigen, während des Studiums zu den besten Studenten zu gehören, um sich zu wissenschaftlichen Spitzenkräften für das Hochschulwesen oder für die Volkswirtschaft zu entwickeln.

Das Ausbildungs- und Erziehungsziel in den Spezialklassen hat in allen Fächern mit dem der Erweiterten Oberschulen übereingestimmt. Der Schwerpunkt der Ausbildung lag auf den Fächern Mathematik und Physik. Die gegenüber den Erweiterten Oberschulen in diesen beiden Fächern erhöhte Stundenzahl ermöglicht es den Absoolventen, sich auf mathematisch-naturwissenschaftlichen Gebiet erweiterte und vertiefte Kenntnisse anzueignen. Dem gleichen Ziel dienen naturwissenschaftliche Praktika. Ansonsten verlief der Unterricht nach der verbindlichen EOS-Rahmenstundentafel.

Die allseitige Ausbildung befähigt die Absolventen dazu, die von ihnen gewünschte Studienrichtung zu wählen. Es wird angestrebt, dass sie ein Diplomstudium in den Fachrichtungen Mathematik, Physik oder Technik aufnehmen. Eine optimale Förderung auch während des Hochschulstudiums ist dann möglich, wenn die Absolventen ihr Studium an der gleichen Hochschule aufnehmen, zu der auch ihre Spezialklasse gehört.

Für die Aufnahme an die Spezialklassen, die in der Regel über die Direktoren der jeweiligen Schulen, Kreisschulräte und Bezirksschulräte erfolgt (in Ausnahmefällen auch direkt über die Leitung der Spezialklassen), werden Eignungsprüfungen durchgeführt. Sie bestehen aus einer schriftlichen Prüfung in Mathematik und Physik und aus einem Aufnahmegespräch zu Mathematik, Fremdsprachen und aktuellen Problemen.

Die aufgenommenen Schüler werden mietfrei in Studentenwohnheimen untergebracht und von Heimbeauftragten betreut. Zu den Ferien und über das Wochenende können die Schüler zu ihren Eltern nach Hause fahren. Die Feriengestaltung, die FDJ-Arbeit, die Teilnahme an Arbeits- und Sportgemeinschaften und an kulturellen Veranstaltungen unterscheidet sich prinzipiell nicht von der Handhabung an den erweiterten Oberschulen. Die Spezialklassen garantieren somit die Erziehung allseitig entwickelter Persönlichkeiten.

Grundlage für die Gründung von Spezialklassen war die "Anweisung Nr. 9/1964 des Staatssekretariats für das Hoch- und Fachschulwesen zur Einrichtung von Spezialklassen an Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten und Hochschulen" vom 20. August 1964. Dort heißt es auf Seite 8: "Zur Förderung mathematisch-naturwissenschaftlich besonders begabter Jugendlicher werden an Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten und Hochschulen Spezialklassen eingerichtet." In etwa zur gleichen Zeit wie in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) wurden an den Universitдten in Berlin und Rostock sowie an den Technischen Hochschulen in Magdeburg und Halle Spezialklassen fьr Mathematik und Physik eingerichtet. Als Vorbild dienten offensichtlich ähnliche Einrichtungen in der Sowjetunion. Der Zeitpunkt der Gründung hing auch mit dem sogenannten "Mathematik-Beschluss" des Politbüros der SED aus dem Jahr 1963 zusammen, mit dem die Mathematik als "Produktivkraft" in Erscheinung treten sollte.

Im Jahr 1964 weilte eine Partei- und Regierungsdelegation zu einem Erfahrungsaustausch in der Sowjetunion. Dabei informierte sich diese über die Methoden der sowjetischen Bildungseinrichtungen zur Förderung besonders talentierter mathematisch-naturwissenschaftlich interessierter Schüler. Besondere Aufmerksamkeit erregen dabei die sowjetischen Spezialklassen, z. B. in Akademgorodok bei Nowosibirsk. Aufgrund der dort gesammelten Eindrücke faßte das Sekretariat für Hoch- und Fachhochschulwesen den Beschluß, in der DDR ebenfalls die Ausbildung in Spezialklassen einzuführen.

So wurde 1964 auf Grundlage der Weisung die Spezialklasse in Berlin (Humboldt-Universität), Magdeburg (TH), Halle (Martin-Luther-Universität), Merseburg (TH) und auch in Karl-Marx-Stadt (Institut) gegründet. Die Aufstellung der Spezialklasse in der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften erfolgte dabei auf Initiative des damaligen Rektors, Prof. Dr. H. Jäckel.

Für den ersten Jahrgang der Spezialklasse in Karl-Marx-Stadt haben sich 40 Schüler beworben, davon 32 aus dem Bezirk Karl-Marx-Stadt und 8 aus dem Bezirk Dresden. Aufgenommen wurden 19 Schüler, die den in der Einleitung erwähnten Kriterien gerecht wurden. Unter diesen befanden sich 3 Mädchen. Die Studienzeit währte vom September 1964 bis zum Abitur im Juli 1966. Der Unterricht wurde im Hochschulteil Erfenschlager Straße durchgeführt, wo auch die Spezialklassenschüler, die nicht in Karl-Marx-Stadt wohnten, im Internat untergebracht waren.

Der erste Leiter der Spezialklasse war Herr Dr. W. Lohse, von 1965 bis 1970 wurde die Leitung von Herrn R. Müller übernommen. Schüler der ersten Spezialklasse: I. Böhl, A. Böttcher, H. Einenkel, K. Haller, G. Heinig, S. Hyene, W. Jansen, M. Klaus, L. Kühnert, D. Leipert, J. Mette, J. Nagel, U. Neumann, K. Popp, F. Richter, M. Rosenbaum, H.-P. Schützler, H. Uhlig, R. Wolf.

Im September 1965 wurde eine zweite Spezialklasse gebildet, so dass von nun an gleichzeitig eine elfte und eine zwölfte Klasse zu unterrichtet waren. Aus der damaligen Bewerbersituation wurde der Schluß gezogen, dass die Bewerberzahl auf jeden Fall erhöht werden muß und dass Schritte unternommen werden müssen, um die Schulfunktionäre und auch die betreffenden Eltern über die Ausbildung an den Spezialklassen umfangreicher zu unterrichten, da nicht in allen Fällen eine klare Vorstellung von den Verhältnissen bei der Spazialklasse bei den Bewerbern vorhanden war.

Folgende 17 Schüler der Spezialklasse (SK) 65 wurden zum Abitur geführt, unter ihnen kein Mädchen: K.-H. Bäther, W. Böhm, W. Fleischanderl, M. Füger, S. Gemeinhardt, W. Kämmerzähl, P. Keil, M. Lorenz, E. Pippig, W. Preip, W. Richter, J. Soukup, H. Steinborn, J. Steinmüller, W. Uhlmann, J. Weber, P. Blaudeck.

SK 66: Von 36 Bewerbern (35 Jungen, 1 Mädchen; 22 aus Karl-Marx-Stadt, 10 aus Dresden, 2 aus Gera, 2 aus Suhl) wurden 20 in die SK 66 eingegliedert, die 1968 ihre Hochschulreife erhielten. Namentlich waren dies folgende Schüler, unter ihnen 1 Mädchen: R. Arnold, R. Bläser, J. Elschner, G. Grabitz, N. Graupner, U. Köhler, U. Groh, W. Lehmann, R. Meinig, L. Müller, D. Reichelt, R. Richter, V. Richter, G. Rosenbaum, K.-H. Sommer, M. Stöckel, A. Uhlig, W. Vogel; H. Wetzel, W. Zornick.

Aus der hohen Bewerberzahl von 72 (50 Karl-Marx-Stadt, 21 Dresden, 1 Gera, davon 12 Mädchen) wurden 20 Absolventen ausgewählt, die von September 1967 bis Juli 1969 zur SK 67 gehörten: Dietzsch, Geidel, Fährmann, Hyene, Höppner, Käschel, Pfüller, Phillip, Reinhardt, Sasse, Schenk, Schulz, Schwaar, Schwind, Seifert, Steinmüller, Winkler, Petters, Wolf, Ziener.
SK 70.
Klassenleiter der einer Klasse war Helmut Rohr und in zweiten Dr. Hans-Peter Linke, der dann lange Jahre an der Sektion/Fakultät arbeitete und heute wohl in Leipzig ist.

Hier einige Vertreter: heutige Mitarbeiter der Fakultät für Mathematik: Prof. Dr. B. Hofmann, Dr. M. Pester, Dr. R. Haftmann, Dr. U. Streit.

Erfolge:
IX. Olympiade Junger Mathematiker der DDR, Dresden, 1970 (1. Preis B. Hofmann); X. Olympiade Junger Mathematiker der DDR, Berlin, 1971 (3. Preis B. Hofmann); XI. Olympiade Junger Mathematiker der DDR, Berlin, 1972 (3. Preis B. Hofmann) (Urkunden);
XI.Olympiade Junger Mathematiker der DDR, Berlin, 1972 (2. Preis R. Haftmann)

SK71. (Ausflug nach Weimar mit dem Klassenleiter Herrn G. Eichler).

Einige Vertreter: A. Böttcher (heute Professor für Harmonische Analysis und Operatortheorie an der TU Chemnitz), E. Wegert (heute Professor für Nichtlineare Analysis an der TU Bergakademie Freiberg).
Beide Schüler wurden 1973 mit dem 2. Preis an der XII. OJM (Olympiade Jünger Mathematiker) DDR in Berlin ausgezeichnet und haben 1973 an der XV. IMO (Internationale Mathematikolympiade der Schüler) in Moskau teilgenommen und 2. Preis gewonnen. (Fotos)
Eine der Sammlungen der Spezialklasse
Besuch von Herrn P. Weigand im Wohnheim
Kartoffelnernte (1. v. l. Peter Weigand)
Dr. Gronitz gratuliert Michael Jung (SK)
Zeugnissausgabe
 

SK 78

SK78.
1979 DDR-Mathematikolympiade I. Preis Lutz Dietrich, II. Preis Thomas Apel
1979 IMO London II. Preis Lutz Dietrich
1980 Bezirkolympiade Platz 1-5 für SK78
SK 79 (Webauftritt)
1. Reihe von links nach rechts:
E. Schönheinz (verh. Selle), A. Giesecke, B. Domaschke (verh. Fritzsch), S. Voigt (verh. Lütz), K. Friedrich (verh. Krüger).

2. Reihe (nach vorn gebeugt) von links nach rechts:
H. Unglaube, A. Leubner, S. Lösch.

3. Reihe von links nach rechts:
D. Horbach, A. Schlosser, V. Lauterberg (mit Sonnenhut), S. Pankow, G. Krauß (mit weißer Bummelmütze), F. Lohmeyer.

4. Reihe von links nach rechts:
H. Goldberg (mit Zylinder), P.-A. Pöhler (mit dunkler Brille), R. Pelke (zur Hälfte verdeckt durch F. Lohmeyer)

letzte Reihe von links nach rechts: N. Koksch, U. Linder, U. Beierlein, D. Berensmann, R. Wunderlich, M. Theurich.

Es fehlen U. Zahn (verh. Lösch), S. Weinhold (verh. Goldberg).

Bei der Mathe-Olympiade war Detlef Horbach sehr erfolgreich, z.B. war er auf nationaler Ebene mehrfach Preisträger (auch 1. Preis). N. Koksch, A. Schlosser und ich waren mehrfach Teilnehmer auf nationaler Ebene (N. Koksch evtl. auch einmal 3. Preis).

D. Berensmann ist Vorstandsvorsitzender der Postbank Systems AG und war in dieser Eigenschaft auch als Redner zu den Jubiläumsfeierlichkeiten in Chemnitz (s. Festkolloquium 2004).

Promoviert haben B. Domaschke, K. Friedrich, A. Leubner, V. Lauterberg, S. Pankow, N. Koksch , R. Wunderlich.

Habilitiert haben N. Koksch , R. Wunderlich.

Bemerkung:
Die oben stehenden informationen über die SK 79 wurden freundicherweise von Herrn Prof. Dr. R. Wunderlich (Westsächsische Hochschule Zwickau) bereitgestellt.

Einige Spezialklassen an der TU Karl-Marx-Stadt. (Webauftritt)

Ein Beispiel von Aufnahmeprüfung in die SK86.

Forum für ehemalige Absolventen der Spezialklassen.


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