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Site-Design

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einer Web-Site

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Einführung
Es ist einleuchtend, daß große "Informationsbrocken" aufgeteilt werden sollten, denn kleinere Informationseinheiten sind übersichtlicher und leichter verständlich. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Informationen auf Papier gedruckt sind oder auf dem Bildschirm erscheinen. Für alle Formen der Informationsvermittlung ist ein einziges Kriterium maßgeblich: die begrenzte Fähigkeit des menschlichen Gehirns, Informationen aufzunehmen und zu speichern. Die kognitive Psychologie weiß seit Jahrzehnten, daß die meisten Menschen in ihrem Kurzzeitgedächtnis nur vier bis sieben verschiedene Informationseinheiten speichern können. Die meisten Formen der Informationsaufbereitung zielen deswegen darauf ab, die Zahl der einzelnen Elemente, die der Leser in sein Kurzzeitgedächtnis aufnehmen muß, möglichst gering zu halten. Das versucht man zu erreichen, indem man einheitliche Grafikdesign- und Layout-Konventionen verwendet und die Informationen redaktionell in verschiedene Einheiten unterteilt. Wenn man beobachtet, wie die Benutzer Informationen heraussuchen und verwenden, zeigt sich eindeutig, daß kleinere, in sich geschlossene Informationseinheiten funktioneller und übersichtlicher sind als lange einförmige Einheiten.

Blackboard sketch of a Web-Site.

Die meisten Web-Sites enthalten Informationen, die von den Benutzern in kleinen Einheiten abgerufen werden können. Es kommt nur selten vor, daß ein Benutzer auf dem Bildschirm lange, zusammenhängende Textpassagen liest. Wer auf der Suche nach einer bestimmten Information ist, möchte schnell finden, was er sucht. Er empfindet es als störend, sich durch lange Texte durcharbeiten zu müssen. Kleine, in sich geschlossene "Informationshäppchen" lassen sich auch als modulare Informationsbausteine organisieren. Diesen liegt ein einheitliches Organisationsschema zugrunde, das als Basis für Hyperlinks innerhalb einer Web-Site dienen kann. Was "klein" ist, kann nur im Kontext der jeweiligen Präsentation und der an den Benutzer gerichteten Erwartungen bestimmt werden. Dieser Ratgeber geht davon aus, daß die meisten Benutzer sich diese Seiten ausdrucken und sie "offline" lesen werden. Deshalb haben wir versucht, den Ratgeber so in Seiten zu unterteilen, daß beim Ausdrucken logische Einheiten entstehen.

Hierarchical site diagram.

Wie Informationen strukturiert werden: Die Schritte
In unserem beruflichen und sozialen Alltagsleben wird nur selten von uns verlangt, unser Wissen in detaillierten Hierarchien zu präsentieren oder die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Einheiten darzustellen. Wenn Sie es jedoch versäumen, Ihrer Web-Site ein solides und logisches Rückgrat zu geben, wird sie auch dann unfunktionell sein, wenn ihr grundsätzlicher Inhalt klar und gut geschrieben ist. Bei der Organisation von Informationen gibt es vier grundlegende Schritte zu beachten: 1. Aufteilung in logische Einheiten, 2. Erstellung einer Hierarchie nach Wichtigkeit und Allgemeinheit, 3. Verwendung dieser Hierarchie für die Strukturierung von Beziehungen zwischen den einzelnen Informationseinheiten, und 4. Analyse des funktionalen und ästhetischen Erfolgs des Systems.

Die Gliederung von Informationen
Die meisten Informationen des World Wide Web bestehen aus kurzen Einheiten, die in keiner bestimmten Reihenfolge gelesen werden. Dies gilt vor allem für Web-Sites der Bereiche Bildung, Unternehmen, Regierung und Organisationen, die der Bereitstellung von Informationen dienen, die vor einigen Jahren wahrscheinlich noch auf Papier gedruckt worden wären. Die Verfasser von Fachtexten haben schon lange vor der Erfindung des Webs entdeckt, daß die Leser kurze "Informationshäppchen" schätzen, die sie rasch auffinden und durchsehen können. Solche kurzen, einheitlich gegliederten Informationsblöcke eignen sich aus folgenden Gründen besonders für die Präsentation im Web:

Nur wenige Web-Surfer lesen lange Textpassagen auf dem Bildschirm. Die meisten speichern lange Dokumente auf der Festplatte ab oder drucken sie aus, anstatt umfangreiche Texte online zu lesen.
In sich geschlossene Informationseinheiten bieten sich für eine Verknüpfung durch Web-Links an. Der Grund dafür ist, daß der Benutzer eines Links eine spezifische Einheit zusammenhängender Information erwartet. Er will kein ganzes Buch von Informationen, durch die er sich durcharbeiten muß. Aber Sie sollten darauf achten, daß Sie Ihre Informationen nicht zu stark unterteilen, denn das frustriert den Benutzer. Eine bis drei (gedruckte) Seiten Information scheinen die richtige Größe für eine abgeschlossene Informationseinheit im Web zu sein. Ein Link, der nur einen kurzen Absatz von Informationen hervorbringt, ist in den meisten Situationen fehl am Platz.
Ein einheitliches Format für die Strukturierung und Präsentation Ihrer Informationen gestattet es dem Benutzer, seine bisherigen Erfahrungen mit Ihrer Site für künftiges Suchen heranzuziehen. Außerdem kann er sich vorstellen, wie ein ihm noch unbekannter Teil Ihrer Web-Site organisiert ist.
Da längere Dokumente auf dem Monitor immer nur zum Teil sichtbar sind, eignen sich vor allem kurze und prägnante Informationseinheiten für die Bildschirmdarstellung. Sehr lange Seiten sind oft etwas unübersichtlich. Der Grund liegt darin, daß der Benutzer längere Textpassagen hinunterscrollen und die Anordnung der vom Bildschirm verschwundenen Passagen im Gedächtnis behalten muß.

Eine Informationseinheit im Web muß flexibel konzipiert sein und sich am gesunden Menschenverstand orientieren. Darüber hinaus muß sie logisch aufgebaut und für den Benutzer der Web-Site bequem zugänglich sein. Am besten ist es, den Inhalt die optimale Unterteilungs- und Organisationsmethode Ihrer Information bestimmen zu lassen. So kann es manchmal sinnvoll sein, lange Dokumente auf einzelnen Seiten als zusammenhängende Informationseinheit zu präsentieren. Obwohl wir bereits festgestellt haben, daß Informationseinheiten in Online-Dokumenten im allgemeinen kurz sein sollten, macht es wenig Sinn, ein langes Dokument willkürlich zu unterteilen. Dies gilt vor allem, wenn Sie den Benutzer in die Lage versetzen wollen, das Dokument in einem Schritt auszudrucken oder zu speichern.

Hierarchie
 Jede Form der Aufbereitung erfordert eine hierarchische Reihung nach Wichtigkeit. Das selbst dann, wenn der einzige Zweck darin besteht, die grundlegenden Navigationsstrukturen für den Benutzer festzulegen. Die meisten Informationseinheiten können und sollten nach ihrer Wichtigkeit gereiht und nach dem Grad der Verbindung zwischen ihren einzelnen Einheiten organisiert werden. Sobald eine logische Gruppe von Prioritäten feststeht, kann man darangehen, eine Hierarchie aufzubauen. Dabei beginnt man bei den wichtigsten oder allgemeinsten Konzepten und endet bei den optionalen oder spezifischsten Themen. Die hierarchische Organisation im Web ist eine Notwendigkeit. Der Grund dafür liegt darin, daß die meisten Web-Site- und Link-Konzepte sich auf Hierarchien stützen und dabei vom allgemeinsten Überblick über die Site zu immer spezifischer werdenden Sub-Menüs und Inhaltsseiten fortschreiten.

Diagram of a Web-Site in a hierarchical structure.


 
Beziehungen
Wenn ein Benutzer ein neues, komplexes Informationssystem vor sich hat, beginnt er, sich ein geistiges Modell aufzubauen. In einem nächsten Schritt verschafft er sich anhand dieses geistigen Modells eine Vorstellung von den Beziehungen zwischen den einzelnen Themen. Außerdem stellt er Annahmen darüber auf, wo er Dinge finden könnte, die er noch nicht entdeckt hat. Der Erfolg Ihrer Web-Site wird zu einem großen Teil dadurch bestimmt, wie gut Ihr tatsächliches Organisationsmodell mit den Erwartungen des Benutzers übereinstimmt. Wenn die Site logisch aufgebaut ist, kann der Benutzer erfolgreiche Prognosen darüber treffen, wo er die gesuchten Dinge auffinden kann. Einheitliche Methoden des Gruppierens, Ordnens, Benennens und grafischen Anordnens von Informationen versetzen ihn in die Lage, sein Wissen aus bereits besuchten Seiten auf eine bisher noch unbekannte Seite zu übertragen. Wenn Sie den Benutzer durch eine Struktur irreführen, die nicht logisch ist (oder die überhaupt keinen verständlichen Zusammenhang erkennen läßt), wird er ständig frustriert, weil er Schwierigkeiten hat, sich zurechtzufinden. Das geistige Modell, das sich der Benutzer von Ihrer Site macht, sollte auf keinen Fall aussehen wie das untenstehende:

Diagram of a confusing Web-Site organization.

 
Funktion
Nachdem Sie Ihre Site erstellt haben, sollten Sie überprüfen, ob sie ein ansprechendes Erscheinungsbild hat und ob der Aufbau praktisch und effizient ist. Ob eine Web-Site richtig strukturiert ist, hängt im wesentlichen von folgenden Faktoren ab: von der Ausgewogenheit der Struktur sowie der Beziehungen zwischen Homepage, Menüseiten und einzelnen Inhaltsseiten oder verbundenen Grafiken und Dokumenten. Dabei spielt es keine Rolle, welche Organisationsstruktur für die Web-Site gewählt wird. Das Ziel besteht darin, eine Hierarchie der Menüs und der Seiten zu schaffen, die dem Benutzer natürlich erscheint und ihn bei seiner Arbeit mit der Site nicht stört oder in die Irre führt.
Web-Sites wachsen auf eine fast unheimliche Weise, und oft weitet sich ein ursprünglich vernünftiger Menüaufbau mit der Zeit ins Uferlose aus. Sites mit einer zu flachen Link-Hierarchie brauchen riesige Menüseiten, die mit der Zeit zu verwirrenden "Einkaufszetteln" zusammenhangloser Informationen verkommen, die ohne erkennbares System aufgelistet sind.

Diagram of a shallow site hierarchy.

Menüsysteme können aber auch zu tief sein, indem sie die Informationen unter zu vielen Menüschichten vergraben:

Diagram of a site hierarchy that is too deep.

 
Gopher-Sites sind das klassische Beispiel für die Nachteile verschachtelter Menüs. Dabei muß man manchmal viele Ordner öffnen, bevor man endlich auf das gewünschte Dokument stößt. Ein Menü verliert seinen Wert, wenn es nicht mindestens vier oder fünf Links enthält; Menüs auf Text- oder Listenbasis können leicht ein Dutzend Links enthalten, ohne den Benutzer zu überfordern. Es ist ärgerlich und unnötig, sich durch viele Schichten verschachtelter Menüs durchnavigieren zu müssen, bevor man endlich auf die gesuchte Information stößt.
Wenn Ihre Web-Site aktiv wächst, wird das Streben nach der richtigen Ausgewogenheit zwischen Menüs und Seiten zu einem beweglichen Ziel. Holen Sie Feedback von den Benutzern ein und analysieren Sie zudem, wie Sie selbst Ihre Site verwenden. Das kann Ihnen helfen festzustellen, ob Ihr Menüschema evtl. nicht mehr ausreichend nützlich ist oder ob es schlecht strukturierte Bereiche enthält. Es stimmt natürlich, daß komplexe Dokumentstrukturen tiefe Menühierarchien erfordern. Trotzdem sollte der Benutzer niemals dazu gezwungen werden, in eine Menüseite nach der anderen hineinzugehen, wenn auch ein direkter Zugang möglich wäre. Man sollte versuchen, einen gut ausgewogenen Hierarchiebaum zu schaffen. Dieser sollte einen raschen Zugang zu den Informationen ermöglichen und dem Benutzer das hinter ihrer Anordnung stehende System verständlich machen.

Diagram of a well-balanced site hierarchy.


Quellen:

December, J., and N. Randall. 1995. The World Wide Web unleashed. Indianapolis: Sams Publishing.

Horton, W. K. 1994. Designing and writing online documentation, 2nd edition. New York: Wiley.