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Interface Design

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Einleitung
Die Nutzer von Web-Dokumenten schauen nicht einfach nur Informationen an, sie interagieren mit Web-Sites auf eine Art, die man im traditionellen Druck-Design nicht kennt [D.h.: Die Seitengestaltung eines Buches bestimmt nur in geringem Maße, wie der Leser ein Druckmedium benutzen kann. So kann z.B. ein Inhaltsverzeichnis zwar die Reihenfolge des Lesens lenken, aber nicht erzwingen. Jede Buchseite kann sofort erreicht werden. Anders ist es bei einem Hypertext: der Nutzer muß vorgegebenen Verweisen folgen, um untergeordnete Seiten zu erreichen. Beim Web-Design ist die grafische Gestaltung direkt mit der Benutzerführung verbunden; Anm. d. Übers.] Die grafische Benutzerschnittstelle (Graphic User Interface - GUI) eines Computersystems umfaßt Metaphern, Bilder und Begriffe. Sie vermitteln die verschiedenen Funktionen und Bedeutungen der Benutzerschnittstelle und prägen insgesamt das Erscheinungsbild, das sogenannte "look and feel" aller Web-Sites und der Links zwischen ihnen. Ein charakteristisches Grafik-Design und Erscheinungsbild dient jedoch nicht nur dazu, Web-Sites "aufzupeppen"; Grafiken, Bilder, Symbole und Links sind vielmehr integrale Elemente, die dem Anwender die Navigation und Nutzung Ihrer Web-Site erleichtern.


Picture of Chicago Manual of Style. Unterschiede zwischen Web-Design und konventionellem Dokument-Design
Die meisten unserer gegenwärtigen Vorstellungen über die Art, wie Informationen strukturiert und abgelegt werden sollen, sind von Druckmedien und der Art ihrer Erfassung in Bibliotheken und Katalogen, geprägt. Die Vereinbarungen über die Standards für die "Benutzerschnittstelle" in Büchern ist im englischsprachigen Raum relativ gut geregelt. Detaillierte Anweisungen findet man in Handbüchern wie dem Chicago Manual of Style [in Deutschland z.B. durch den Duden repräsentiert; Anm. d. Übers.]. Jedes Merkmal eines Buches, vom Inhaltsverzeichnis bis hin zum Index und den Fußnoten, stellt das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung dar. Die Leser (und Macher) der frühen Bücher wurden mit ähnlichen organisatorischen Problemen konfrontiert wie die Benutzer von Web-Sites heute. Zwar wird Gutenbergs Bibel aus dem Jahr 1456 häufig als das erste moderne Buch genannt, jedoch brauchte es über 100 Jahre, bis Seitennumerierung, Sachregister (Index), Inhaltsverzeichnis und gar Titelblatt selbstverständliche Organisationsmerkmale eines Buches wurden. Zur Zeit erleben wir, daß Web-Dokumente einen ähnlichen evolutionären Prozeß der Standardisierung durchlaufen.
Picture of Xerox Publishing Standards book. Vorbilder aus Druckmedien
Obwohl vernetzte interaktive Hypermedia-Dokumente besondere Anforderungen für Informations-Designer darstellen, können viele Erkenntnisse aus dem Design für Druckmedien fruchtbar angewandt werden. Es ist durchaus möglich, die meisten Web-Dokumente so zu bearbeiten, daß sie den Ansprüchen des Chicago Manual of Style [oder des Duden; Anm. d. Übers.] in bezug auf Stil, Struktur und Schreibweisen gerecht werden. Vieles, was man über die Erstellung von klaren, umfassenden und einheitlichen Dokumenten wissen sollte, findet man schon in Standardwerken wie "Xerox Publishing Standards: A Manual of Style and Design". Es gilt zunächst, diese stilistischen und organisatorischen Leitlinien zu verstehen und auf Dokumente im Web anzuwenden.

Besonderheiten von Web-Dokumenten
Web-Dokumente unterscheiden sich an einem Punkt grundlegend von Druckerzeugnissen: Durch Hyperlinks kann jede Seite im Web einzelnen angesteuert werden. Der Zusammenhang, in dem das Dokument steht, ist jedoch nicht auf Anhieb ersichtlich. Daher müssen Web-Sites so aufgebaut werden, daß zur Not jede Seite "für sich" stehen kann. Praktisch bedeutet dies, daß die Kopf- und Fußzeilen von Web-Dokumenten ausführlicher sind als bei Printmedien. Es wäre absurd, in einem Buch den Namen des Autors, Copyright-Angaben und Datum auf jeder Seite zu plazieren. Im WWW kann es dagegen durchaus sinnvoll sein, daß diese und andere Informationen sich auf jeder Seite wiederholen. Übrigens gehen Magazine und Zeitungen ähnlich vor, da die Zeitungsmacher wissen, daß eine Seite mit einem interessanten Artikel oftmals herausgerissen wird. Daher befinden sich bei Zeitungen und Zeitschriften Datum, Bandzahl bzw. Ausgabennummer oben oder unten auf jeder Seite.
Abgesehen von dieser Besonderheit gelten grundsätzlich die Leitlinien der konventionellen Informationsvermittlung: wer, was, wann und wo.

Wer
Wer spricht? Diese Frage ist so grundlegend, daß viele Web-Autoren vergessen, daß für den Leser diese Information besonders wichtig ist, um Texte einzuordnen. Gibt der Text die Haltung einer Person oder einer Einrichtung wieder? In jedem Fall sagen Sie Ihrem Leser, wer diese Seiten geschrieben/erstellt hat. Es gibt eine Flut von Seiten im Web, die (z.T. absichtliche) Falschinformationen enthalten und die trotzdem die Diskussion beeinflussen. Wüßte man, wer für die Seite verantwortlich ist, könnte man den Informationswert besser einschätzen.

Was
Jedes Dokument braucht einen klaren Titel. Im Web ist das besonders wichtig. Der Titel des Dokuments ist häufig das erste und manchmal für einige Sekunden - je nach Größe der sich aufbauenden Grafiken - das einzige, was der Besucher an Information sieht, bis die Seite vollständig geladen ist. Darüber hinaus wird dieser Titel die Bezeichnung für die Dokumentseite in der Bookmark-Datei des Anwenders werden, sollte ihm diese interessant erscheinen. Ein irreführender oder mißverständlicher Titel kann dazu führen, daß der Leser die Seite nicht auf Anhieb in seiner URL-Liste wiederfindet.

Wann
Der Wert eines Dokuments hängt sehr von seinem informativen Gehalt ab. Bei vielen Themen spielt die Aktualität eine besondere Rolle. Im Printbereich trägt fast jedes Dokument - ob Buch, Zeitschrift, Zeitung oder Dokument aus dem Bürobereich - ein Datum. Fahren Sie mit dieser Tradition fort und datieren Sie Ihre Dokumente im Web. Ändern Sie das Datum bei wichtigen Änderungen. Gerade bei langen oder komplexen Dokumenten, in denen man Textänderungen nicht sofort sieht, ist es wichtig zu erfahren, welche Seiten aktualisiert wurden. Prinzipiell sollte bei Dokumentationen jeglicher Art das Datum leicht ersichtlich sein.

Wo
Das Web ist ein ungewöhnlicher "Ort" mit zwar riesigen Informationskammern, aber nur wenigen expliziten Hinweisen auf den geografischen Ursprungsort eines Dokuments. Wer auf einen Hyperlink klickt, könnte mit einem Web-Server in Australien, den USA, Deutschland oder an jedem anderen Ort der Welt verbunden werden. Oft ist es schwer zu sagen, woher eine Web-Site stammt. Aber so ist eben das World Wide Web. Die Frage, woher im Web ein Dokument stammt, kann allerdings manchmal beantwortet werden durch die Angabe, von wem es stammt. Daher sollten Sie Ihren Lesern immer den Autor und den Sitz seiner bzw. Ihrer Institution oder Firma nennen. Auf allen wichtigen Seiten sollte auch ein Link zu Ihrer Startseite (Homepage) vorhanden sein. Das ist ein ganz einfaches Mittel, den Ursprung eines Dokuments anzugeben. Hat ein Leser Ihre Seite gespeichert oder ausgedruckt, geht diese Information nämlich häufig verloren, da nicht alle Anwender die automatische Funktion der Browser-Software nutzen, diese Informationen direkt mitauszudrucken. Bei zu vielen von uns stapeln sich schon Berge ausgedruckter Seiten, von denen wir nicht mehr wissen, woher wir sie haben.
Nennen Sie daher ausdrücklich im Text jeder Seite den Titel, das Datum der letzten Bearbeitung und den Autor, geben Sie einen Hinweis, welcher Institution oder Firma er angehört, und bieten Sie einen Link zu Ihrer Startseite an. Wenn Sie all diese Elemente berücksichtigen, haben Sie schon 90% des Weges hin zu einer verständlichen und leicht bedienbaren Web-Benutzerschnittstelle bewältigt.

Quellen:

Lemay, L. 1996. Teach yourself Web publishing in a week, 2nd ed. Indianapolis: Sams Publishing.

December, J., and N. Randall. 1995. The World Wide Web unleashed. Indianapolis: Sams Publishing.

University of Chicago Press. 1982. Chicago manual of style. 13th Ed. Chicago: University of Chicago Press.

Xerox Corporation. 1988. Xerox publishing standards. New York: Watson-Guptill Publications.