Adventskalender 2019 der TU Chemnitz

Schwibbogenausstellung Stollberg

Ausstellung 2017: Schwibbogen mit bekannten erzgebirgischen Örtlichkeiten

Einheimische und Erzgebirgskenner wissen es, unsere Adventskalenderleser konnten es schon auf vielen Fotos sehen: in der Adventszeit wird das öffentliche Bild des „Weihnachtslandes“ von Schwibbögen dominiert. Aus unzähligen Fenster leuchten sie, schmücken Plätze oder Häuserwände und sind in erstaunlicher Vielfalt in einschlägigen Geschäften zu bewundern.

Aber nicht nur in den Werkstätten der Hersteller erzgebirgischer Volkskunst entsteht dieser leuchtende Weihnachtsschmuck, sondern auch die Hobbybastler (nicht nur) im Erzgebirge schaffen sich mit viel Geschick und Fantasie ihre eigenen Schwibbögen. Zu DDR-Zeiten war sowieso oft Eigeninitiative nötig, wenn man so ein begehrtes Stück in der Adventszeit ins Fenster stellen wollte, denn der größte Teil der Erzeugnisse der Hersteller wurde als Devisenbringer ins Ausland verkauft.


In der Jakobikirche
Aber dass auch heute noch gern selbst gestaltet und gebastelt wird, wusste der Inhaber der Bastlerwelt in Stollberg, und so entstand im Gespräch mit Gewerbetreibenden und Verantwortlichen der Stadt die Idee, den Stollberger Weihnachtsmarkt mit einer Ausstellung von Schwibbögen, die von Hobbybastlern angefertigt wurden, interessanter zu gestalten und mehr Leute in die Stadt zu locken.

Nachdem als geeigneter Ausstellungsort die Jakobi-Kirche am Stollberger Markt gefunden war, war die erste Ausstellung 2002 ein großer Erfolg: 111 Schwibbögen konnten von Tausenden Besuchern bewundert werden.


Ausstellung 2014: sehr aufschlussreich die Darstellung der bergbautechnischen Abläufe um 1550
Ausstellung 2014: Ein Theater im Schwibbogen, mit indirekter Beleuchtung
Ausstellung 2018: originell - eine Backstube im Schwibbogen

Die Vielfalt der ausgestellten Schwibbögen ist erstaunlich. Es dominieren natürlich die erzgebirgischen, bergmännischen und weihnachtlichen Motive. Aber ein Opernhaus und der Dresdner Fürstenzug waren ebenfalls schon zu bewundern. Auch die verwendeten Materialien sind sehr unterschiedlich. Neben den traditionellen Holzbögen, gab es schon geklöppelte, gestickte, welche aus Stein, aus Metall, aus Glas oder aus Papier. Und die Hobbybastler kommen nicht nur aus dem Erzgebirge, es waren z. B. schon selbst gebaute Schwibbögen aus Berlin, Hamburg, dem Raum Stuttgart und anderen Orten bundesweit ausgestellt.

Ausstellung 2014: Schwibbogen in Scherenschnittoptik
Ausstellung 2017: Glasschwibbogen mit modifiziertem klassischen Motiv
Ausstellung 2018: Schwibbogen mit geklöppelten Bergbaumotiv

Ausstellung 2017: eine 2. Klasse hat einen Schwibbogen gebastelt
Die Besucher der Ausstellung können ihren Favoriten mittels Stimmzettel auswählen, 2019 noch bis zum 13.12., geöffnet 14:00 bis 19:00 Uhr. Aus den abgegebenen Stimmen werden der Schwibbogenkönig und der Schwibbogenprinz (Teilnehmer bis 14 Jahre) gekürt. Das ist zwar ein zusätzlicher kleiner Anreiz für die Bastler, aber eigentlich ist gemäß dem olympischen Gedanken die Teilnahme wichtig. Da in den letzten Jahren die Anzahl der ausgestellten Schwibbögen etwas kleiner geworden ist, würden sich die Organisatoren über eine rege Beteiligung bei den nächsten Ausstellungen, insbesondere anlässlich der 20. im Jahr 2021, sehr freuen.


Ausstellung 2015: Schwibbogen mit der Darstellung von Bergmannsuniformen
Wir haben in unserem Adventskalender schon einmal über die Tradition der erzgebirgischen Schwibbögen berichtet. Jetzt wurde im Dresdner Museum für Sächsische Volkskunst, in Vorbereitung der Ausstellungen und Feierlichkeiten anlässlich des 300-jährigen Jubiläums 2019 der Jahrhunderthochzeit des Sohnes vom sächsischen Kurfürsten August des Starken mit der Kaisertochter Maria Josepha, eine ergänzende neue Theorie aufgestellt, die die Idee für die Gestaltung von Schwibbögen und Pyramiden mit der Ausgestaltung des Saturnfestes, dem wichtigsten der Planetenfeste anlässlich der Feierlichkeiten 1719, in Verbindung bringt. Zu diesem Fest gab es in Dresden die erste große Bergparade mit 1400 echten Bergleuten, für die August der Starke extra Festkleidung entwerfen ließ. Schließlich verdankte er seinen unermesslichen Reichtum den Erzvorkommen im Erzgebirge. Bei diesem abendlichen Spektakel war der Eingang eines Saturntempels halbkreisförmig erleuchtet. (Quelle: „Die Kunst zum Leben“, Magazin für Erzgebirgisches Kunsthandwerk 2019/2020)


       
Ausstellung 2017: eine sehr schöne Krippe als moderner Schwibbogen interpretiert