Adventskalender 2018 der TU Chemnitz

Mit Dampf bis Kipsdorf: Die Weißeritztalbahn

An 2. Januar 2002 fuhren keine Busse - aber die Kleinbahn bewältigte die Schneemassen.

„Die Kleinbahn? Die gibt’s schon lange nicht mehr.” Dieser Satz während eines Telefonates klingt mir noch heute im Ohr und das Wort „lange” meinte damals nicht Jahre, sondern nur Stunden. Am Abend des 13. August 2002 kämpften die Menschen im Tal der Weißeritz um weit mehr als „nur” ihre Kleinbahn, und mit diesen wenigen Worten wurde der Ernst der Hochwasserkatastrophe für mich, der ich gerade einige Hundert Kilometer entfernt war, dramatisch klar.


Kreuzung zweier Züge - das kann man nur noch an Tagen mit Sonderfahrplan erleben.

Als wir am 17. Dezember 2002 unser Türchen über den Rabenauer Grund öffneten, konnten wir nur hoffen, dass es irgendwann wieder regelmäßig dampft zwischen Freital und Kipsdorf.

Doch tatsächlich begann knapp fünf Jahre später der Wiederaufbau bis Dippoldiswalde, und vor fast genau zehn Jahren, am 14.12.2008, fuhren die ersten Züge nach Fahrplan über wiederaufgebaute Brücken und Bahndämme durch den Rabenauer Grund.


Derzeit wird in Hainsberg gebaut.

Aber was sollte aus dem Rest der Strecke werden? Finanzierungszusage, Freigabe der Mittel, ein weiteres, kleineres Hochwasser 2013, Planung und Ausschreibung nahmen viel Zeit in Anspruch. Doch im Juni 2017 war es endlich so weit: Die Kleinbahn dampft wieder. Täglich erreichen zwei Zugpaare den Bahnhof Kipsdorf. Die rund anderthalbstündige Fahrt ist zugleich eine Zeitreise in eine Epoche der beschaulichen Bewegung.


Das 191 m lange Viadukt in Schmiedeberg, 1919/20 aus Porphyr erbaut. Der Wanderer kann das dominante Bauwerk von unten bewundern.

Nach der kurvenreichen Strecke durch den wildromantischen Rabenauer Grund folgt die Bahn im oberen Verlauf der Bundesstraße. Die Blicke mancher PKW-Insassen lassen vermuten, dass sie jetzt gern tauschen und die Landschaft lieber auf dem offenen Perron genießen würden. Auf den sanierten Gleisen rollen die Wagen geradezu sanft.

Wer einen „Bahn-Blick” hat, kann an den ehemaligen Fabriken und Bahnhöfen noch den Verlauf ehemaliger Anschluss- und Ausweichgleise erahnen, schließlich transportierte die Bahn in ihren ersten Jahrzehnten gewaltige Gütermengen – vorrangig im Rollbockverkehr.


Das Bahnhofsgebäude in Kipsdorf
In Kipsdorf setzt die Lok um - das ist für viele Touristen ein spannender Vorgang

Von Kipsdorf aus bieten sich Wanderungen an: Altenberg liegt nur wenige Kilometer entfernt – von dort fährt die regelspurige Müglitztalbahn hinunter nach Heidenau im Elbtal. (Wer nicht gut zu Fuß ist, kann bis Altenberg auch den Bus nutzen.)

Oder man läuft entlang der Bahntrasse auf Wander- und Radwegen und besucht Schmiedeberg, Obercarsdorf oder Dippoldiswalde. Auch eine Runde über die Berge um Kipsdorf ist wunderschön, wenn auch ein klein wenig anstrengender.

Für viele Touristen ist die Bahnreise an sich das Ziel, und sie fahren nach einer Besichtigung des sehenswerten Bahnhofsgebäudes in Kipsdorf 20 Minuten später mit dem gleichen Zug wieder zurück nach Hainsberg.


Die Bahnsteigsperren im Inneren sind sehenswert

Wer seinen Ausflug in die erste Januarwoche oder eine Zeit mit Sonderverkehrsplan legt, kann flexibler planen, denn dann verkehren vier Zugpaare bis Kipsdorf.

Fahrplan, Tarif und aktuelle Meldungen unter www.weisseritztalbahn.com