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Adventskalender 2015 der TU Chemnitz

Mit dem Ballon ins Chemnitztal

Nein, wir sind dieses Jahr wirklich nicht wieder für den Adventskalender geflogen, wie es schon im Fenster mit der Nr. 4 stand. (Ich hoffe, Sie haben alle schon das Rätsel gelöst.) Diesmal sind wir gefahren. Mit einem Ballon. Der ist leichter als Luft, bewegt sich im Luftmeer und macht keinen Krach. Deswegen fährt er und fliegt nicht.


Alle helfen beim Aufbau. Zuerst der Korb.
Weiter beim Aufbau: Ausbreiten der Hülle.

Ballon fahren kann man im Winter ganztägig und im Sommer früh und abends. Nur dann ist die Luft ruhig genug. Es muss komplett ausgeschlossen sein, dass während der Zeit in der Luft ein Gewitter aufzieht. Außerdem darf es nicht zu windig und auch nicht zu warm sein. Erst zwei bis drei Stunden vor dem geplanten Starttermin erfährt man, ob die Fahrt tatsächlich stattfindet. Es kann also durchaus sein, dass man mehrere Anläufe für eine erfolgreiche Fahrt braucht.


Aufblasen und Kontrolle der Seile
Und schon geht es los.

An einem sonnigen Nachmittag im August mit wenig Wind war es dann soweit: Treffen der Fahrgäste mit dem Piloten und gemeinsame Fahrt zum Startplatz im Chemnitzer Norden. Es gibt mehrere Startplätze in und um Chemnitz. Aber in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren, wie z. B. Windrichtung oder Vegetation kommen nicht immer alle in Frage. Es herrschte leichter Südwind. Es war also ziemlich klar: es geht durch oder besser über das Chemnitztal.


Die Kläranlage in Chemnitz-Heinersdorf. Man riecht nichts. Rechts treffen sich die ehemalige Chemnitztalbahn und der Chemnitztalradweg.
Autobahnanschlussstelle Glösa inmitten von Wohnsiedlungen

Beim Aufbauen des Ballons helfen die Fahrgäste mit. Nach dem Entladen des Korbs werden das Gestell für den Brenner und schließlich der Brenner selbst montiert. In den Korb kommt noch jede Menge Ausrüstung wie Gasflaschen, Funk- und Navigationsgerät. Danach wird die Hülle ausgerollt und am Korb befestigt. Mit zwei Gebläsen wird die Hülle mit Luft gefüllt. Das Halten fällt jetzt schon schwer.


Küchwald, Chemnitzer Innenstadt, Campus, Sportforum und die Tafelberge des Erzgebirges
Heizkraftwerk und CFC-Stadion (l.)

Am Startplatz in der Nähe des Chemnitztalradwegs haben sich inzwischen viele Schaulustige versammelt. Jetzt wird der Brenner angeworfen und heiße Luft in die Hülle gebracht. Langsam richtet sich der Ballon auf. Noch ist der Korb mit dem Begleitfahrzeug verbunden, denn die Fahrgäste müssen noch einsteigen. Das ist eigentlich die größte sportliche Herausforderung der ganzen Reise, in den schon schwankenden Korb einzusteigen. Nachdem alle ihre Position eingenommen haben, geht es ganz schnell: Fast unbemerkt hebt man ab und gewinnt zügig an Höhe. Von Höhenangst keine Spur. Nur dem Gefährt sollte man vertrauen.


Draisdorf
Chemnitz-Schleife bei Auerswalde. Brücken und Tunnel für den Chemnitztalradweg werden gerade saniert.

Die Autobahn 4 ist schnell überquert, gleich darauf ist die Kläranlage in Heinersdorf unter uns. Der Blick zurück reicht über ganz Chemnitz mit den Gipfeln des Erzgebirges im Hintergrund. Der bunte Schornstein des Heizkraftwerkes ist für einen Moment zum Greifen nah. Man sieht die Kirchen der Stadt, den Campus der TU und die beiden großen Stadien. Man hat viel Zeit zum Schauen, denn die Fahrt geht langsam voran. Trotzdem kommen immer wieder neue interessante Objekte ins Blickfeld.


Chemnitztal zwischen Köthensdorf und Taura
Begleitfahrzeug

Da sind Schafherden, Rehe am Feldrand oder Traktoren bei der Feldarbeit. Die Dörfer im Chemnitztal sehen von oben wie Spielzeug aus. Man sieht Reitplätze, Fußballer beim Training und Pools in den Gärten der Eigenheime. Immer im Blick die sich dahinschlängelnde Chemnitz, meist von Wald umgeben. In unmittelbarer Nähe des Flusses befindet sich der in Bau befindliche Chemnitztalradweg, der auf der ehemaligen Bahnstrecke errichtet wird. Im Korb ist es windstill. In der Abendsonne ist es auch überhaupt nicht kühl.


Die Fahrgäste genießen die Aussicht über Claußnitz.
Blick zurück über das Chemnitztal nach Chemnitz vor den Gipfeln des Erzgebirges.

Innerhalb einer Stunde sind Draisdorf, Auerswalde, Garnsdorf und Claußnitz überquert. Das Begleitfahrzeug wird von Zeit zu Zeit über Funk dirigiert. Nun wird es Zeit, einen Landeplatz zu suchen. Langsam geht die Fahrt jetzt in nur noch wenigen Metern Höhe über ein Stoppelfeld. Da könnte man landen. Aber eine Wiese wäre besser. Nur ist das Grüne ein Stück weiter eine Wiese oder doch junges Getreide? Wir wollen nicht riskieren, das zu beschädigen, also entscheiden wir uns für das Stoppelfeld. Der Korb gleitet leicht über den Boden und kommt bald zum Stehen. Zwei Mann müssen jetzt aussteigen und den Ballon am Seil halten, während die warme Luft entweicht. Liegt die Hülle dann am Boden dürfen wieder alle beim Einpacken helfen.


Auf der Suche nach einem Landeplatz. Das Feld scheint geeignet.
Gelandet. Jetzt muss die Luft raus.

Während es langsam dunkel wird, geht es im Auto zurück ins Büro der Ballonfahrer. Denn das wichtigste steht ja noch bevor: die Ballontaufe. Ursprünglich durften nämlich nur Adlige eine Ballonfahrt unternehmen. Haare brennen, Sekt sprudelt, und schon hat jeder einen Adelsnamen bekommen. Ein unbeschreiblicher Abend geht zu Ende. Wollen Sie auch? Das wäre doch eine gute Idee für ein Weihnachtsgeschenk. Es gibt mehrere Anbieter in Chemnitz.