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Adventskalender 2015 der TU Chemnitz

Die Wichtel auf den Spuren eines Strumpffabrikanten – Besuch in der Villa Neukirchner

Wiedererwachtes Kleinod im Erzgebirge

Das Staunen beginnt schon im Eingangsbereich – jede Jahreszeit hat ihr eigenes Ölgemälde.

Die Strumpfindustrie und das Erzgebirge sind unmittelbar miteinander verwoben. So ist es nicht verwunderlich, dass sich einige Spuren finden lassen, die an die Bedeutung dieses Industriezweigs für die Region erinnern. Nicht weit vom Thalheimer Bahnhof steht zum Beispiel das einstige Zuhause des Strumpfabrikanten Bruno Neukirchner. Manche werden das Gebäude aus Ihrer Kindheit kennen, ohne damals um seine Geschichte gewusst zu haben. Vor der Wiedervereinigung wurde die Villa in Thalheim als Poliklinik genutzt. Hierhin kam man, wenn man Schnupfen hatte oder sich impfen ließ. Die Zeit im Wartezimmer war nie langweilig – konnte man in dem imposanten Bau doch einiges an geheimnisvollen Details entdecken, auch wenn manches überklebt oder verbaut war. Neben hohen Stuckdecken und einem bleiverglasten Wintergarten zogen besonders ein riesiges Ölgemälde und das bunte Oberlicht im Treppenhaus die Blicke auf sich.

Beim Eintreten ins Treppenhaus wird das riesige Wandgemälde mit dem Vierwaldstättersee sichtbar.

Nach dem Auszug der meisten Mediziner wurde es stiller in der Villa und ihr drohte ein ähnliches Schicksal wie so vielen alten Gebäuden dieser Größe. 2010 erwarb die Familie Kircheis die Neukirchner-Villa und begann mit der Restaurierung des denkmalgeschützen Bauwerks. Ein Online-Tagebuch gewährt Einblicke in die Schritte zur Wiederherstellung der wunderschönen Wandbemalung, des Treppenaufgangs und der teilweise zerstörten Jahreszeitenbilder im Eingangsbereich. Bei der Restauration wurden noch viele verborgene Details freigelegt und so einige Kindheitsrätsel aufgeklärt. Die Villa erstrahlt wieder in altem Glanz und lädt dazu ein, sich näher mit der Geschichte der Strumpfindustrie in und rings um Thalheim zu beschäftigen. Da ist es praktisch, dass der „Gemeinnützige Förderverein Thalheim/Erzgebirge“ 2002 ein passendes Buch herausgebracht hat, das auch ein paar Informationen über Familie Neukirchner bereithält.


In Texten und Bildern ist die Geschichte der Neukirchners auch im Hause zu finden.
Bruno Neukirchner lernte das Handwerk der Strumpfherstellung von seinem Vater und begann zunächst mit einer kleinen Werkstatt in der Hauptstraße. 1890 errichtete er in Bahnhofsnähe eine Strumpffabrik, die bald wuchs und ihm kurze Zeit später den Bau seines neuen, hier vorgestellten Heimes direkt nebenan ermöglichte. Zum Erfolg trug unter anderem die Entwicklung der sogenannten Petinet-Strümpfe bei, auf die Bruno Neukirchner ein Patent hielt. Sie erfreuten sich großer Beliebtheit und sorgten für die weltweite Bekanntheit der Firma.

Später übernahm Neukirchners Sohn Ernst das Unternehmen. Nach den Wirren des 2. Weltkrieges erfolgte 1953 die komplette Enteignung der Familie Neukirchner. Zwar wurde sie kurze Zeit darauf wieder zurückgezogen, dennoch meldete Ernst Neukirchner sein Gewerbe ein Jahr später ab. Die Villa wurde inzwischen als Ambulatorium genutzt, später, wie oben beschrieben, als Poliklinik und dann als Ärztehaus. Ab 1990 war sie im Besitz der Stadt Thalheim und wurde von der Treuhand verwaltet.

Nicht nur als Wichtel lohnt es sich, das wunderschön restaurierte Gebäude näher anzusehen. Das Treppenhaus ist in der Woche tagsüber zugänglich und hält auf Schautafeln und mit einzelnen Ausstellungsstücken ein paar Informationen zur Geschichte der Familie und Firma bereit. Wer einen besonderen Rahmen für eine Trauung sucht, findet ihn vielleicht hier. Ohne gleich eine Heirat zu planen, wird man vielleicht im Veranstaltungskalender auf der Webseite fündig. Beispielsweise spielt heute abend die Band Sound Gravur, am 28.12. wird der Männerchor Meinersdorf im stimmungsvollen Ambiente des Hauses weihnachtliche Weisen präsentieren.

Zwei Engel schauen von oben auf den Besucher.