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Adventskalender 2014 der TU Chemnitz

Das Thumer Schmalspurnetz

Bimmelbahnzug in Geyer

N och vor 50 Jahren dampften zahlreiche Schmalspurbahnen, liebevoll Bimmelbahn genannt, durch das Erzgebirge, von denen heute nur noch die Strecken Cranzahl–Oberwiesenthal und Freital-Hainsberg–Kipsdorf original erhalten sind. Das ausgedehnteste Netz erstreckte sich um die Stadt Thum in die Täler der Zwönitz und Zschopau.

Bau des Thumer Netzes

Güterschuppen Geyer

Mit dem Planung der Eisenbahnlinie Chemnitz–Annaberg 1855 hofften auch die Städte Thum und Ehrenfriedersdorf auf einen Bahnanschluss. Die Strecke ging 1866 in Betrieb, verlief jedoch nicht durch die Berge, wie von diesen Orten erhofft, sondern entlang des Zschopautales. Deshalb wurden insbesondere von der Papier- und Textilindustrie in den Seitentälern energisch Zweigbahnen gefordert. So wurde 1885 der Bau der Bahnlinie von Wilischthal nach Ehrenfriedersdorf mit einer Zweigbahn nach Thum beschlossen. Bereits im Dezember 1886 dampften die ersten Züge auf dieser Strecke. Täglich fuhren in jeder Richtung drei Personenzüge zwischen Wilischthal und Ehrenfriedersdorf mit zwei Anschlusszügen nach Thum.

Streckenprofil Schönfeld–Geyer

Die Vorarbeiten an der Strecke Schönfeld–Geyer begannen bereits 1882, ein Beschluss zum Bau der Strecke wurde 1887 im sächsischen Landtag gefasst. Im Dezember 1888 wurde auch diese Strecke eröffnet.

Da Geyer eine schnellere Anbindung an Chemnitz wünschte und auch Ehrenfriedersdorf an einem Bahnanschluss interessiert war, wurde im Jahr 1898 die Verlängerung der Bahntrasse von Geyer nach Thum im sächsischen Landtag beschlossen. Der Bau begann 1904 wurde im Frühjahr 1906 abgeschlossen.

Historischer Entwurf des Bahnhofs Geyer
Bahnhof Geyer heute

Bereits 1887 forderte ein Thumer Eisenbahnkomitee den Bau einer weiteren Strecke nach Meinersdorf. Diese Forderung wurde zunächst abgelehnt. Erst 1900 bewilligte die sächsische Regierung den Bau. Die Vorabeiten begannen 1906, der Bau begann 1908 mit dem Umbau des Bahnhofs Meinersdorf und zog sich bis 1911 hin.

Thumer Netz

Streckenlängen

Stillegung

Mit dieser Verbindung Geyer–Thum über Ehrenfriedersdorf wurde die ursprüngliche Strecke von Oberherold nach Ehrenfriedersdorf überflüssig, die 1906 stillgelegt und 1909 demontiert wurde. Von diesem Abschnitt ist heute kaum noch etwas zu erkennen.

Greifenbachviadukt (Foto der Informationstafel)

Die massive Stillegungsphase der erzgebirgischen Schmalspurbahnen erfolgte in den 1960er Jahren, als die Politik die Verlagerung des Güter- und Personenverkehrs von der Schiene auf die Straße beschloss. Dazu kam der desolate Zustand der Strecken und die geringe Fahrgeschwindigkeit von teilweise nur 10 km/h. So wurde 1968 der Abschnitt Schönfeld-Wiesa–Geyer abgebaut. Bis 1972 wurde auch die Verbindung nach Thum beseitigt, wobei die Brücke über das Greifenbachtal noch bis 1977 stand.

Auf der Strecke Wilischthal–Thum fuhr der letzte Zug am 27. Mai 1972. Der Abbau der Strecke zog sich noch bis 1976 hin. Der Anschluss der Papierfabrik Wilischthal blieb bis 1992 erhalten. Auf der noch verbliebenen Strecke von Meinersdorf nach Thum fuhr 1974 der letzte reguläre Personenzug. Anschließend wurden dort Dreharbeiten für den Opernfilm «Fra Diavolo» durchgeführt. Bis 1976 verkehrten noch unregelmäßig Güterzüge auf dieser Strecke, bis auch diese im Frühjahr 1976 vollständig stillgelegt und anschließend im Rahmen eines FDJ-Objektes abgebrochen wurde.

Wandern und Radfahren

Informationskarte am Markt von Thum

Bekannt ist sicher der älteste und durchgehend asphaltierte Radweg auf dem alten Bahndamm zwischen Thum und Ehrenfriedersdorf. Jedoch ist das Radfahren auch auf vielen anderen Streckenabschnitten möglich, die ausreichend befestigt und durch die geringen Steigungen ein angenehmes Radeln durch das Erzgebirge erlauben.

Die Trassen Meinersdorf–Thum–Ehrenfriedersdorf und Wilischthal–Oberherold sind fast durchgängig zu Fuß- und Radwegen ausgebaut, lediglich in den Ortslagen muss teilweise auf Straßen ausgewichen werden. Von Oberherold kann man entweder auf einer Nebenstraße nach Thum oder in Richtung Ehrenfriedersdorf fahren und hier in den Radweg Thum–Ehrenfriedersdorf einbiegen.

Von Ehrenfriedersdorf nach Geyer kann man dem alten Bahndamm bis ans Greifenbachtal folgen. Hier müssen wir hinab ins Tal, fahren unter den Resten des Viaduktes hindurch und gelangen auf der anderen Seite direkt am ehemaligen Viadukt wieder auf den Bahndamm, dem wir bis zum Ortsrand von Geyer folgen können. Hier sollten wir auf jeden Fall den ehemaligen Bahnhof besichtigen. Am unteren Ortsrand von Geyer können wir wieder auf dem Bahndamm bis nach Tannenberg radeln und hier in den Zschopauradweg einbiegen.

Informationstafel in Jahnsbach

Entlang der Strecke findet man noch viele Erinnerungen an die Bahn, die durch Informationstafeln erläutert werden.

Es gibt leider keine durchgehende Markierung der Bahntrassenwege, man findet aber ausführliche Beschreibungen und GPX-Tracks auf der unten genannten Internet-Seite zum Bahntrassenradeln in Sachsen.

Online-Karte

Die Online-Karte stellt die Fuß- und Radwege auf bzw. entlang der Bahntrassen dar. Ein Klick auf ein Piktogramm zeigt Erinnerungen an die Bimmelbahn.


Quellen