Erzgebirge bei Dörfel, 2013

  • Tempera/Acryl auf Papier

Kerstin Rieß

Bild des Tages
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Adventskalender 2013 der TU Chemnitz

Schloss Rochlitz


Residenz der vergessenen Wettiner

Schloss Rochlitz an der Zwickauer Mulde

„FETT, EINÄUGIG, REVOLUTIONÄR“ - dieser reißerische Slogan lockte uns an einem Spätherbsttag in diesem Jahr in das erst kürzlich nach abgeschlossener Sanierung wieder eröffnete Schloss Rochlitz. Obwohl es Vielen (auch vielen Sachsen) sicherlich gar nicht so ein „Begriff“ ist, hat das Schloss eine große Bedeutung für die sächsische Geschichte.

Gegründet vor über 1000 Jahren zogen hier schon sehr früh die Wettiner, die sächsische Herrscherdynastie, ein. Markgrafen, Herzöge und Kurfürsten nutzten das Schloss vor allem im 14. und 15. Jahrhundert zur Hofhaltung. Die Ausstellung bringt uns einige dieser Herrscher nahe.


Die Fenster im Festsaal
Darüberhinaus ist das Schloss aber auch selbst als komplexes Bauwerk aus vielen Räumen, Gängen, Treppen sehenswert. So wirkte hier als Baumeister Arnold von Westfalen, der den Bau wahrscheinlich als Testobjekt für den Bau der Albrechtsburg in Meißen anlegte. So wurden in Rochlitz bestimmte Architekturelemente erprobt, die als „Sächsische Gotik“ bezeichnet werden. Interessant sind in diesem Zusammenhang die steinernen Schwibbögen - das hat hier aber nichts mit Advent und Erzgebirge zu tun, sondern steht für „Schwebebogen“. Diese Bögen wurden innen vor die Fenster gesetzt und erscheinen so wie ein Vorhang.


Der Hofnarr begrüßt die kleineren Besucher.
Das ganze Schloss wird informativ und unterhaltsam präsentiert. Dabei werden oftmals multimediale Möglichkeiten (z.B. große Touchscreens) genutzt, so dass man mit dem Rundgang viel Zeit verbringen kann. Für die jüngeren Besucher gibt es spezielle Darstellungen und Animationen. So werden sie z.B. auf „Augenhöhe“ vom Hofnarr begrüßt, der ihnen dann in den Zimmern wiederbegegnet und das über die jeweiligen Räume erzählt, was für Kinder interessant ist.

Comic über die Tätigkeit des Baumeisters
Die Aktivitäten des Baumeisters werden in einem Zeichentrickfilm veranschaulicht und es gibt sogar einen Audiogiude speziell für Kinder. Am besten kommt aber sicherlich an, dass sie sich in einem der Räume als Ritter (in Rüstung) oder als Burgfräulein verkleiden können.

Eine witzige Sache sind auch die Ritzzeichnungen im „Klassenzimmer“, bei denen der Fürstennachwuchs verschiedenste Bilder und Grafiken in den Putz ritzte - Graffiti des Mittelalters. Diese kann man sich auf einem großen Touchscreen im Detail ansehen.


Ausstellung zum Fürstenzug
Wertvolle und aufwändige Kostüme für Menschen und Pferde
Ein Highlight der Dauerausstellung auf Schloss Rochlitz sind die Gewänder des berühmten Dresdner Fürstenzuges. Auf Kacheln aus Meißner Porzellan sind an einer Außenwand des Dresdner Schlosses die wichtigsten Herrscher der sächischen Geschichte dargestellt. Aus Anlass der 800-Jahr-Feier der Landeshauptstadt vor wenigen Jahren hat ein Rochlitzer Verein diesen Fürstenzug lebendig gemacht. In mühevollster Kleinarbeit wurden die Gewänder nachempfunden und in einem Umzug (teilweise zu Pferde) präsentiert. Diese Gewänder werden im Schloss Rochlitz aufbewahrt und in Ausschnitten präsentiert.


Auf Knopfdruck erzählt uns der Herr Markgraf seine Geschichte, und die ist ein bisschen makaber.
Und was hat es nun mit dem reißerischen Slogan der Ausstellung auf sich? Das erzählen uns die Herrscher selbst. Ein Knopfdruck lässt sie lebendig werden.
„Fett“ steht für Markgraf Dedo der Feiste (oder Fette). Diesem Herren war das gute Leben als Herrscher wohl anzusehen ... Sein Grabmal befindet sich übrigens in der Basilika des Klosters Wechselburg, 8km von Rochlitz entfernt.

Na, worum geht es in diesem Text?

„Einäugig“ meint Markgraf Wilhelm der Einäugige. Unter seiner Herrschaft wurde im 14./15. Jahrhundert das Schloss Rochlitz zu einer wettinischen Residenz ausgebaut.

„Revolutionär“ - dieses Attribut bekommt Elisabeth von Hessen, später als Elisabeth von Rochlitz bezeichnet. Sie führte in der Herrschaft Rochlitz die Reformation ein, im steten Kampf gegen ihren streng katholischen Schwiegervater Herzog Georg der Bärtige. Dabei benutzte sie sogar eine eigene Geheimschrift.


Zum Abschluss des Rundgangs kommt man noch in die Schlossküche, in der heute ab und zu wieder gekocht wird, und in den Keller - aber Vorsicht, da trifft man vielleicht das Schlossgespenst!


Über den Winter, von November bis Februar, ist das Schloss nur für Sonderveranstaltungen geöffnet, ab März wieder zu den regulären Besichtigungszeiten. Ab 1. Mai 2014 gibt es eine neue, sicherlich wieder spannende Sonderausstellung, die unmittelbar an das „Revolutionär“ anknüpft: „Eine starke Frauengeschichte - 500 Jahre Reformation“.

Informationen zu:
Schloss Rochlitz
Fürstenzug - das Original, Der lebendige Fürstenzug