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Adventskalender der TU Chemnitz 2009

Hightech in der Spieldose


... oder was Holzkünstler, Informatiker und Trompeter gemeinsam erfinden

Nur wenn man die Bodenplatte der neuen Spieldose abschraubt, offenbart sich deren Geheimnis.

Nicht nur zur Weihnachtszeit versprühen sie inzwischen in aller Welt das Flair des Erzgebirges - gemeint sind in diesem Fall die Spieldosen. Während viele für die traditionelle Mechanik schwärmen, möchten andere, dass der technische Fortschritt auch die Holzkunst erreicht. Mitarbeiter der Kleinkunst aus dem Erzgebirge Müller GmbH und der Professur Technische Informatik der TU Chemnitz wagten deshalb gemeinsam mit dem aus dem Erzgebirge stammenden Trompetenvirtuosen Prof. Ludwig Güttler einen mutigen Schritt. Gemeinsam entwickelten sie eine Hightech-Spieldose. Was an Technik in ihr steckt, sieht man der neuen Dose von außen nicht an. Denn dort, wo sonst die Mechanik versteckt ist, sind es jetzt eine Platine und vier Batterien. Und die Musik erklingt aus einem kleinen Lautsprecher - insgesamt bis zu 15 Musikstücke.


Hightech anstelle von Mechanik: Mirko Caspar zeigt Platine, Lautsprecher und Stromversorgung der Spieldose.

Die Informatiker der TU Chemnitz haben diese bereits vorhandene Soundelektronik um eine Bluetooth-Funktion und die dafür nötige Software erweitert. Dadurch lässt sich die Spieldose kabellos vom Computer oder Handy ansteuern und mit ständig neuen Melodien ausstatten. "Bisher konnten Spieldosen mit Soundelektronik nur mit einem festen Musikrepertoire ausgeliefert werden", erklärt Mirko Caspar von der Professur Technische Informatik. "Die neue Elektronik bietet aber ein paar besondere Funktionen. So kann die Spieldose beispielsweise so programmiert werden, dass sie jede Stunde ein bestimmtes Musikstück abspielt. Oder sie kann sogar als Wecker dienen", berichtet Caspar. Sollen neue Musikstücke auf die Spieldose übertragen werden, müssen diese erst aufbereitet und in ein spezielles Audioformat umgerechnet werden. Der Hersteller bietet auf seiner Homepage bereits eine Auswahl an Melodien kostenlos zum Download an. "Diese können dann mittels PC oder einer Handy-Anwendung heruntergeladen und auf die Spieldose übertragen werden", erklärt Caspar.


Ungewöhnliche Frauenkirchen-Atmosphäre für das Wohnzimmer: Trompeter Prof. Ludwig Güttler, Ringo Müller von der Kleinkunst aus dem Erzgebirge Müller GmbH und Prof. Dr. Wolfram Hardt von der TU Chemnitz entwickelten die neuartige Spieldose (v.l.)

Diese Musik kommt unter anderem vom weltbekannten Dresdner Trompeter Prof. Ludwig Güttler und seinem Blechbläserensemble. Passend dazu gibt es eine Motivscheibe, die den Musiker mit seinem Ensemble vor der Dresdner Frauenkirche zeigt. Zudem kann die Spieldose eigene Aufnahmen abspielen: von Sprachbotschaften über Liebesgedichte bis hin zu Geschichten und Märchen. Doch nicht nur für die Ohren, sondern auch für die Augen bietet die Spieldose immer wechselnde Eindrücke: "Erstmals in der Geschichte der Erzgebirgischen Volkskunst sind die Spieldosen mit einer auswechselbaren Motivscheibe ausgestattet", berichtet Ringo Müller, Geschäftsführer der Kleinkunst aus dem Erzgebirge Müller GmbH. Über Magnete können die Motivscheiben passend zu Anlass und Jahreszeit ausgetauscht werden.

Auf die traditionelle Handwerkskunst wird natürlich nicht verzichtet. Auch wenn allerhand Elektronik und ein Computer für die neue Spieldose notwendig sind, werden die Motivscheiben und der Grundkörper traditionell aus Holz gefertigt.

Die technische Entwicklung lässt sich auch auf andere Anwendungen übertragen. "Die Kleinkunst aus dem Erzgebirge Müller GmbH möchte die von uns entwickelte Elektronik auf ihre gesamte Produktpalette übernehmen. Beispielsweise können bei Schwibbögen über Bluetooth die Lampen angesteuert werden", so Caspar. Man sieht: Wenn Holzkünstler, Informatik und Trompeter gemeinsam etwas erfinden, wird es künftig sicher noch mehr Produkte geben, die neue Zielgruppen erobern. Anfragen aus aller Welt gibt es bereits.



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© Fotos: M. Steinebach (2), Kleinkunst aus dem Erzgebirge Müller GmbH (2)
Mario Steinebach, Die TU-Wichtel

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