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Adventskalender der TU Chemnitz 2009

Chemnitz - ein Adventskalender


Weihnachtsmarkt mit Pyramide
Weihnachtsmarkt mit Pyramide

Heute öffnet sich nun endlich das erste Fenster unseres Adventskalenders, und in gut drei Wochen ist schon Weihnachten. Auch in diesem Jahr wollen wir versuchen, Ihnen diese Zeit so kurzweilig und interessant wie möglich zu gestalten. Moment, drei Wochen? Für manch einen wird die Zeit nun langsam knapp, weil ja noch so viel zu tun ist. Andere wiederum werden es gar nicht erwarten können, das 24. Fenster zu öffnen. Nun, wir können weder die Zeit anhalten, noch lassen wir jemanden schummeln. Aber zumindest können wir den Ungeduldigen einen Adventskalender anbieten, bei dem zwischen dem Öffnen des ersten und des letzten Fensters gerade einmal zwei Stunden liegen: die Chemnitzer Innenstadt. Also, auf zum Stadtrundgang "24 Fenster, Tore und Portale - Die Stadt als Adventskalender", den wir heute als Adventskalender im Adventskalender präsentieren!


Engel und Bergmann
Engel und Bergmann

1) Los geht es an der Tourismus-Information im Rathaus. Gleich links davon befindet sich auf dem Weihnachtsmarkt die fünfstöckige Pyramide, die mit Bergleuten und anderen typisch erzgebirgischen Figuren wie dem Reiterlein, Waldfiguren sowie zwölf Bäumen bestückt ist. Ebenfalls sofort ins Auge sticht der Weihnachtsbaum. Es handelt sich meist um eine Fichte, die fast immer der höchste Weihnachtsbaum Sachsens ist. Direkt unter ihm befinden sich zwei weitere typische Figuren: Engel und Bergmann. Der gesamte Weihnachtsmarkt wird von insgesamt 16.000 Glühlampen erhellt.

Schwibbogen im Schaufenster der Galerie Schmidt-Rottluff
Schwibbogen im Schaufenster der Galerie Schmidt-Rottluff

2) Im Neuen Rathaus nur wenige Fenster neben der Tourismus-Information findet man die Galerie Schmidt-Rottluff. Die nach dem bekannten Chemnitzer Maler benannte Galerie zeigt zur Weihnachtszeit im Schaufenster u. a. den modernen Weihnachtsschmuck von Björn Köhler.

Figürliches Glockenspiel und Judith-Lukretia-Portal
Figürliches Glockenspiel und Judith-Lukretia-Portal

3) Im Glockenturm des Alten Rathauses befindet sich das Figürliche Glockenspiel. Seit 2002 sind mehrmals täglich unter wechselnder musikalischer Begleitung sechs Figuren zu sehen, die eng mit der Stadtgeschichte verbunden sind: Mönch, Kaufmann, Weberin, Metallarbeiter, Trümmerfrau und Türmer.

4) Für die Nr. 4 brauchen wir bloß den Kopf etwas zu senken. Dann fällt der Blick schon auf das Judith-Lukretia-Portal, welches den Eingang zum Standesamt bildet. Das Relief aus dem 16. Jh., welches zwei Frauen zeigt, gehörte ursprünglich zu einem Bürgerhaus. Nach dessen Zerstörung Anfang des 20. Jh. wurde es versetzt. Ins Rathaus wurde es erst bei dessen Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg integriert.

Siegertsches Haus
Siegertsches Haus

5) Ein paar Schritte zur Linken finden wir das Siegertsche Haus mit seiner prachtvollen Barockfassade aus dem 18. Jh. Es gehörte einst einer Familie aus dem Erzgebirge, die durch die Textilindustrie zu Reichtum gekommen war. Den 2. Weltkrieg überstand nur ein Teil der Fassade. 1953/54 wurde die Fassade als Teil eines neuen Gebäudes wieder aufgebaut.

6) Direkt hinter der Nr. 5 befindet sich das Franziskaner-Viertel. Im ruhigen Innenhof gibt es u. a. einen Biergarten. Der Name erinnert an ein katholisches Kloster aus dem 15. und 16. Jh.

Skulptur Sizil
Skulptur Sizil

7) Auf dem Weg zurück zur Inneren Klosterstraße passiert man die Ahorn-Apotheke. Deren Schaufenster sind sehr hübsch dekoriert, z. B. mit Motiven aus verschiedenen Märchen.

8) Direkt neben der Apotheke steht die Skulptur "Sizil" von Wolfgang Schneider. Das stählerne Kunstwerk sieht ein bisschen wie ein Portal aus und passt daher gut in den Rundgang. Das Metall ist durch künstlichen Rost vor Korrossion geschützt.

Krippenausstellung in der Jakobikirche
Krippenausstellung in der Jakobikirche

9) Für die Nr. 9 braucht man sich nur ein kleines Stück zu drehen. Es handelt sich um die Westfassade der Jakobikirche mit dem Jugendstilportal. Neben weiteren Baustilen sind v. a. gotische Elemente in der Kirche zu finden. Sie wurde im 2. Weltkrieg zu großen Teilen zerstört. Erst im Juli dieses Jahres konnten Wiederaufbau bzw. Restaurierung des Hauptschiffes abgeschlossen werden. Im Chorraum ist in der Adventszeit immer eine Krippenausstellung zu sehen.

Portal der Lateinschule
Portal der Lateinschule

10) An der Rückseite des Neuen Rathauses findet man das Portal der ehemaligen Lateinschule, die sich ungefähr an dieser Stelle befand. Sie war der Vorgänger der 1836 gegründeten Königlichen Gewerbeschule, aus der wiederum die TU Chemnitz entstand. Beim Abriss des Gebäudes blieb das Portal erhalten. Die Gewerbeschule zog 1877 in den neu errichteten Böttcherbau an der heutigen Straße der Nationen um.

11) Nach ein paar Schritten die Innere Klosterstraße entlang erreicht man die Volksbank. Durch einen Torbogen betritt man das 11. Fenster. Im schön gestalteten Innenhof, der das Dach der Tiefgarage der Volksbank bildet, befindet sich eine Ausstellung von Skulpturen der Neuen Sächsischen Galerie.

Schmidt-Bank-Passage
Schmidt-Bank-Passage

12) Zur Schmidt-Bank-Passage kommt man, wenn man der Inneren Klosterstraße folgt und die Theaterstraße überquert. Schon von weitem stechen die neun großen Metallbügel ins Auge, die das Gebäude mit seinen Nachbarn verbinden und ein Glasdach tragen. Ihre Farbgestaltung wurde vom bekannten Chemnitzer Formgestalter Clauss Dietel entworfen.

Fassade am Hedwighof
Fassade am Hedwighof

13) Wir biegen allerdings schon vor der Passage ab und gehen durch den Torbogen am Sporthochhaus. So kommen wir in den Hedwighof, der einige kleine Kunstgewerbegeschäfte beherbergt. An dieser Stelle stand bis 1936 das Hedwigbad, das durch das größere Stadtbad ersetzt wurde. An einer Fassade erinnert das Wandbild badender Kinder an das alte Bad. Außerdem sind auf dem Bild eine Erzgebirgslandschaft, ein Maschinenelement und eine Katze dargestellt.

14) Gleich in der Nähe führt eine Fußgängerbrücke über die Chemnitz. Vor einiger Zeit wurde darüber nachgedacht, das schnell fließende Gewässer (der Höhenunterschied ist größer als an der Elbe zwischen Dresden und Hamburg) für eine Nutzung durch kleine Boote anzustauen. Aus Sicht des Hochwasserschutzes war dies jedoch nicht möglich. Von der Brücke hat man einen guten Blick auf die Markthalle. Die Markthalle wurde vor einiger Zeit saniert, ist aber aufgrund fehlender Mieter schon wieder geschlossen. Zurzeit wird ein Umbau zur Sporthalle diskutiert.

Janssen-Fabrik
Janssen-Fabrik

15) Auf der Rückseite des Luxor-Palastes befindet sich der Eingang zum Figurentheater. Ein beliebtes Stück zur Weihnachtszeit ist die Weihnachtsgans Auguste.

Herrnhuter Stern

16) Ein Stück weiter an der Chemnitz liegt die Janssen-Fabrik. Die ehemalige Strumpfwirkerei wurde umfassend saniert. Nun befinden sich Büroräume, Geschäfte (u. a. Bruno Banani), exklusive Loft-Wohnungen und ein Restaurant im Gebäude.

17) Viele der Fenster der großen Plattenbauten an der Brückenstraße sind hell erleuchtet. In einigen findet man auch einen Herrnhuter Stern. Der regelmäßige geometrische Körper stammt aus der Lausitz. Ursprünglich wurde er als Freizeitbeschäftigung von im Internat lebenden Kindern eines evangelischen Ordens gebastelt. Er symbolisiert den Stern von Bethlehem.

Heck-Art
Heck-Art

18) An der Mühlenstraße steht vor einem weiteren großen Plattenbau ein kleines Haus: das Heck-Art. Hier wurde 1844 Fritz Heckert geboren. Allerdings stand das Haus damals noch an einer anderen Stelle. Es musste zu DDR-Zeiten einem Wohngebäude weichen, wurde aber als Gedenkstätte originalgetreu wieder aufgebaut. Der KPD-Mitbegründer und Reichstagsabgeordnete wurde in der DDR verehrt. Heute sind in dem Gebäude eine Galerie und ein Restaurant angesiedelt.

Fenster am Roten Turm
Fenster am Roten Turm

19) Unübersehbar ist der Komplex aus Stadthalle und Hotel Mercure Kongress. Die Gebäude wurden 1974 eröffnet. In der Stadthalle finden ca. 350 Veranstaltungen jährlich statt (z. B. Konzerte, Messen oder Kongresse). Architektonisch interessant sind das Dreiecksraster des Grundrisses sowie die Fassade aus Steinelementen.

20) Das älteste Wahrzeichen der Stadt ist der Rote Turm. Er war Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung, diente aber auch als Gefängnis. Momentan wartet er auf eine neue Nutzung.

21) Drei der vier Tore der alten Chemnitzer Stadtmauer sind namentlich am Einkaufszentrum Galerie Roter Turm verewigt. Auf dem Weg zurück zum Weihnachtsmarkt passiert man zuerst das Johannistor.

Schwibbogen am Markt
Schwibbogen am Markt

22) Am Neumarkt fällt der Blick auf das 1911 eingeweihte, nach Plänen von Richard Möbius erbaute Neue Rathaus. Hinter großen Fenstern verbirgt sich dort der Stadtverordnetensaal mit dem Wandgemälde "Arbeit-Wohlstand-Schönheit" von Max Klinger. Der Saal wird zurzeit restauriert.

23) Das vorletzte Fenster auf unserem Rundgang bildet der Schwibbogen auf dem Weihnachtsmarkt. Er zeigt das typische Schwarzenberger Motiv. Der Bogen symbolisiert einen mit Lichtern geschmückten Stolleneingang. Mit dem Niedergang des Bergbaus in der Mitte des 19. Jh. entstanden im Erzgebirge hölzerne Schwibbögen in Heimarbeit. Bis heute sind sie in der Region in der Adventszeit der beliebteste Fensterschmuck.

24) Geschafft! Jetzt haben wir uns einen Glühwein verdient. Prost!


Na, haben Sie Lust bekommen, die Chemnitzer Innenstadt einmal auf diese Weise zu erleben? Dann los! Noch viel mehr Informationen zu diesen 24 Fenstern, Toren und Portalen oder auch ein paar neuen sowie zu erzgebirgischen Traditionen erhalten Sie bei einem geführten Stadtrundgang. Die rund zweistündige Tour startet am 6., 11., 16., 19. und 22. Dezember jeweils 15 Uhr (oder für Gruppen nach Vereinbarung) an der Tourist-Information (Anmeldung erwünscht). Im Preis von 10 € pro Person ist der Glühwein schon enthalten. Viel Spaß!


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© Fotos: U. Hertel
Ulrich Hertel, Die TU-Wichtel

Adventskalender der TU Chemnitz 2009