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Adventskalender der TU Chemnitz 2008

Sexy Engel - mal mit, mal ohne Flügel


Elegant
Elegant: Für Aufsehen sorgten bereits 2006 die Engel der "Kollektion Sternkopf"
Elegant: Für Aufsehen sorgten bereits 2006 die Engel der "Kollektion Sternkopf"

Holzkunst aus dem Erzgebirge - dazu gehören Nussknacker, Räuchermännchen und Lichter-Engel. Diese traditionellen Figuren sind meist sehr niedlich und drollig. Doch dürfen Weihnachtsengel auch kurvenreich und sexy sein? Eine promovierte Sprachwissenschaftlerin der TU Chemnitz und Werbeagenturgründerin ist überzeugt davon, dass Erotik selbst hier angesagt sein darf. Die Hobby-Designerin Sylva-Michèle Sternkopf entwickelte vor zwei Jahren gemeinsam mit ihrer Schwester Ariane-Vivien anlässlich des 110-jährigen Jubiläums der Fabrik ihres Vaters, Paul Sternkopf, eine kleine Kollektion erotischer Engel. Inzwischen haben bereits mehr als 1.500 Sexy-Engel aus der Erzgebirgischen Holzkunst Gahlenz die Reise in alle Welt angetreten.

"Wir wollten mit unseren Engeln Figuren schaffen, die das moderne Frauenbild widerspiegeln", erzählt Sternkopf. "Es sollte kein steifer Lichthalter mit Schürze werden, der dem heimkehrenden Bergarbeiter-Ehemann brav die Lampe hält, so wie es der traditionelle Erzgebirgsengel tut. Viele Frauen von heute kommen sinnlich, schlank und sexy daher - und das sollten auch unsere hölzernen sexy Ladies." Mit fließenden Formen und einer ans Erotische grenzenden Körpersprache präsentieren sich nun die handbemalten Sternkopf-Engel - nicht nur in den Weihnachtsstuben. "Die natürliche Schönheit des Materials Holz kommt dank der edel gebeizten Oberflächen oder auch naturbelassen mit seidenmatter Lackierung sehr gut zur Geltung", sagt die Gahlenzerin und ergänzt: "Der Clou ist: Die filigranen Flügel lassen sich ganz einfach abnehmen. Die Skulpturen machen so auch außerhalb der Weihnachtszeit immer eine gute Figur." Sie verschwinden also nicht knapp elf Monate in der Kammer oder auf dem Dachboden.

Angetreten
Angetreten: Selbst in Reih und Glied machen die Engel eine gute Figur
Angetreten: Selbst in Reih und Glied machen die Engel eine gute Figur
Span(n)end
Span(n)end: Arndt Winkler gibt den Engeln auf der Drechselbank ihre sinnliche Figur.
Span(n)end: Arndt Winkler gibt den Engeln auf der Drechselbank ihre sinnliche Figur.

"Die Herstellung der Engel ist nicht ganz einfach. Wir mussten eine neue Technologie entwickeln", verrät Drechsler Arndt Winkler. Beim Tag der offenen Tür in der Erzgebirgischen Holzkunst Gahlenz zeigte er den Besuchern, wie die Einzelteile des Engels, den es mittlerweile in drei Größen gibt, hergestellt werden. Da die Drechselkörper symmetrisch sind, werden zunächst die Vorderteile unabhängig von den Hinterteilen gefertigt. Die gedrechselten Körper werden dann längs geteilt. Danach werden Hinter- und Vorderteil verklebt. "Der Engel erhält so seine sinnliche und erotische Figur", sagt Arndt Winkler.

Mit sicherer Hand
Mit sicherer Hand: Heike Mattheus bemalt die Engel.
Mit sicherer Hand: Heike Mattheus bemalt die Engel.
Angetreten
Mit Köpfchen: Mit viel Fingerspitzengefühl werden die Engel montiert
Mit Köpfchen: Mit viel Fingerspitzengefühl werden die Engel montiert
Elegant
Mit geübtem Blick: Maria Oehme bereitet die Kerzenhalter für das Kleben vor.
Mit geübtem Blick: Maria Oehme bereitet die Kerzenhalter für das Kleben vor.

Die dabei entstandene Naht wird im Anschluss solange verschliffen, bis sie nicht mehr zu erkennen ist. Danach wird der Engel poliert, lackiert und von Hand bemalt. Ob soviel technologische Innovation und jede Menge Erotik auch einen besonderen (Verkaufs-)Preis verdient, entscheiden nicht die Uni-Adventswichtel sondern der Markt.

Sternkopf, die von Kindesbeinen an mit der Holzkunst vertraut ist, hat Mut zu Neuem bewiesen - und das mit Erfolg: "Mittlerweile ist die anfängliche Unruhe unter den erzgebirgischen Männelmachern verflogen. Unsere saisonunabhängigen Engel bringen Freude in mehrere Hundert Wohnzimmer zwischen Ostsee und Alpen und selbst bei einem Promi-Kochwettbewerb verzauberten sie bereits die Gäste bei einem erotischen Menü." Bleibt abzuwarten, was von der einstigen Sprachwissenschaftlerin der TU Chemnitz und heutigen Chefin einer Werbe- und Übersetzungsagentur künftig noch zu erwarten ist. Eines ist sicher: Sie bringt das Erzgebirge weltweit ins Gespräch - unter anderem mit "Die Kunst zum Leben", einem Magazin für erzgebirgische Handwerkskunst, das vom Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller herausgegeben wird. Übrigens eine Fundgrube - nicht nur für Adventswichtel ...

Angetreten
Mustergültig: So sieht einer der "Ur-Engel" aus, nach dem sich alle weiteren zu orientieren haben.
Mustergültig: So sieht einer der "Ur-Engel" aus, nach dem sich alle weiteren zu orientieren haben.
Weitere Informationen: www.erzgebirge.org

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© Fotos: Mario Steinebach
Mario Steinebach, Die TU-Wichtel

Adventskalender der TU Chemnitz 2008