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Adventskalender der TU Chemnitz 2007

Bergbaugeschichte zum Anfassen im Markus-Röhling-Stolln


Im Sehmatal nördlich von Annaberg-Buchholz erwartet ein Besucherbergwerk seine Gäste. Im "Markus-Röhling-Stolln" vor den Toren Frohnaus können Sie einfahren und bei einer auch für Kinder höchst interessanten Führung in die Historie "abtauchen". Lassen Sie sich von unserer Beschreibung zu einem lehrreichen Ausflug in die Bergbaugeschichte inspirieren.

Grubenlok am Eingang
Grubenlok am Eingang
Der "Stolln-Express"
Bitte Platz nehmen im "Stolln-Express"!

Bevor es losgehen kann, erhalten wir eine Schutzausrüstung - Helm und Umhang; bald wissen wir auch warum ... Nach einer dreiminütigen Fahrt mit der Grubenbahn befinden wir uns etwa 600 Meter im Berg. Huh, es ist ganz schön kühl hier drin (8-10 °C), dunkel und eng sowieso.

Unter Tage
Unter Tage ...

Zunächst zeigt uns unser Führer ein paar technische Details. Nachdem jahrhundertelang mühsam mit Schlegel und Eisen gearbeitet wurde, verhalfen Drucklufthämmer zum schnelleren Arbeiten: Einfacher wurde es dadurch jedoch keinesfalls - so ein Hammer wiegt schließlich 16 kg, und die Lärm- und Staubbelastung ist enorm. Auch modernere Maschinen bekommen wir zu sehen und zu hören - es wird sogar "geschossen".

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Schlegel und Eisen - das traditionelle Werkzeug der Bergleute
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Drucklufthammer - schneller, lauter, staubiger
Historischer Pumpenzug zur Entwässerung
Historischer Pumpenzug zur Entwässerung

Interessant ist die aufwändige Entwässerung der Grube. Dafür mussten weitere Stollen angelegt werden. In großen Radkammern drehten sich "Kunsträder" - Wasserräder mit bis zu 10 Metern Durchmesser, die Pumpen zur Wasserhebung antrieben. Ein solches Kunstrad ist originalgetreu und voll funktionsfähig nachgebaut worden.

Dann erfahren wir Historisches zur Grube: Es war im Jahre 1491, als am Schreckenberg bei Frohnau eine ergiebige Silberader entdeckt wurde. Da hob das "Große Berggeschrey" an und im oberen Erzgebirge wurde fortan erfolgreich Bergbau betrieben. Funde von Silber, Zinn, Blei und vielen weiteren Erzen bescherten der Region eine rasante Entwicklung. Menschen zogen herzu, Straßen wurden gebaut, Städte entstanden - St. Annaberg war zu der Zeit die zweitreichste Stadt Sachsens.

Ab etwa 1500 wurden am Fuße des Schreckenberges Stollen in den Berg getrieben, zunächst als Entwässerung der oben liegenden Gruben. Um 1550 wurden die Stollen unter der Leitung von Markus Röhling vorangetrieben - und man wurde fündig: Neben Silber- und Nickelerz wurde vor allem Kobalterz gefunden und abgebaut. 1857 wurde der Bergbau in dieser ertragreichen Grube eingestellt. Nach dem zweiten Weltkrieg suchte die SAG Wismut auch hier nach Uranerz, wurde aber nicht fündig und stellte 1953 den Betrieb ein.

Weiberarsch
Historische Schaufel - der Bergmann nennt sie zärtlich "Weiberarsch" ...

Einem ab 1979 tätigen Verein haben wir es zu verdanken, dass seit 1994 wieder Besucher einen Teil des Grubenreviers des Markus-Röhling-Stollns entdecken können. Aber nicht nur Führungen werden angeboten - auch die Bergmannsessen und natürlich die Mettenschichten in der Weihnachtszeit erfreuen sich großer Beliebtheit. Und sogar heiraten kann man im Berg!

Das Besucherbergwerk ist täglich von 9 bis 16 Uhr geöffnet, Eintritt 5 Euro, Kinder 3,50. Weitere Informationen finden Sie unter www.roehling-stolln.de.


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© Fotos: F. Richter
Frank Richter, Die TU-Wichtel im Dezember 2007

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