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Adventskalender der TU Chemnitz 2002

"Die lange Schicht"


Detail der Ortspyramide Zwönitz

Heute ist Sonntag, der 4. Advent. An vielen von Ihnen ist sicher die Vorweihnachtszeit im Eiltempo vorbeigerast und die letzten Vorbereitungen für die Feiertage stehen noch an. Holen Sie tief Luft und nehmen Sie sich heute auch mal ein bisschen Zeit zum Entspannen, vielleicht bei Kerzenschein und einem wärmenden Glühwein.
Als Einstimmung möchte ich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen. Nein, keine erfundene Geschichte, die heben wir uns für nächstes Jahr auf, sondern eine wahre Begebenheit aus dem Leben der Bergleute in früheren Zeiten, die zu einer Art Sage geworden ist.

Weihnachtsberg Schneeberg

Neugierig geworden bin ich bei der genaueren Betrachtung dieses mechanischen Weihnachtsberges im "Museum für bergmännische Volkskunst" in Schneeberg. Gehört hatte ich schon von der "langen Schicht" und auch, dass es etwas mit einem tragischen Grubenunglück in der Weihnachtszeit zu tun hatte. Aber was hatte sich nun wirklich zugetragen?

Weihnachten 1769. Die Verwüstungen des 7-jährigen Krieges von 1756-1763 waren in Sachsen noch überall zu spüren, aber nun sollte am "Reichen Silbertrost-Stollen" am Greifenbach bei Ehrenfriedersdorf der Grubenbetrieb wieder aufgenommen werden. Zur Lösung des Wasserproblems sollte der bereits im 16. Jahrhundert begonnene tiefe Stollen weitergetrieben werden. Es musste Feuer gelegt werden, damit das harte Nebengestein besser bearbeitbar wurde. Dazu waren die Weihnachtsfeiertage geeignet.
Am 23. 12. 1769 wurde deshalb an mehrere Holzstöße im Stollen Feuer gelegt. Am 24.12. kontrollierten Steiger Stölzel und Hauer Bartel die Feuer. Da diese wieder ausgegangen waren, mussten neues Holz geholt und die Feuer wieder angezündet werden.

Weihnachtsberg Schneeberg

Bei der Ausfahrt fand der Steiger den Hauer bewusstlos. Ein Rettungsversuch misslang, da der Steiger ebenfalls mit einer beginnenden Vergiftung zu kämpfen hatte und nur noch mit Mühe aus dem Stollen kriechen konnte. Ein weiterer Rettungsversuch am gleichen Tag blieb ebenfalls erfolglos.
Trotz Verbots wagten 12 Bergleute am 1. Weihnachtsfeiertag einen weiteren Rettungsversuch. Nur sieben von ihnen erreichten mit Mühe wieder das Tageslicht. Die verunglückten Bergleute konnten erst am 29.12. geborgen werden und wurden am 7.1.1770 unter großer Anteilnahme beigesetzt.
In den 60-er Jahren des vorigen Jahrhunderts war das Unglück angeblich Anlass für die Wiederauflebung der Mettenschichten.

Sie haben recht, eine traurige "Geschichte" so kurz vor Weihnachten. Vielleicht aber ein Anlass, einmal über den Stress, den wir uns zum Teil selbst vor Weihnachten machen, nachzudenken.
... und wenn Sie noch Geschenke suchen, schenken Sie doch einfach mal Zeit - Zeit für die Kinder, die Eltern, den Partner ...

Raachermannl




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© Fotos: U. und W. Riedel
Ursula Riedel, Die TU-Wichtel im Dezember 2002

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