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Adventskalender der TU Chemnitz 2002

Pyramiden im Erzgebirge


           	     	Im Arzgebirg is wahrlich schie
           	     	wenn's draußen stürmt un schneit;
                     	un wenn de Peremett sich dreht
			is unn're schennste Zeit ...
..., heißt es im "Heilig-Obnd-Lied", denn Weihnachtspyramiden sind im Erzgebirge seit jeher sehr beliebt. Man findet sie in fast jeder Weihnachtsstube, in Vorgärten und auf öffentlichen Plätzen als Touristenmagnet.

Pyramide in der Wohnung    Pyramide in Chemnitz

Nach verschiedenen Deutungen gelten Weihnachtspyramiden auch als Vorgänger des Weihnachtsbaumes. Ursprünglich waren die durch Stäbe gebildeten Weihnachtsgestelle mit immergrünen Zweigen umwickelt. Diese "grüne" Pyramide wurde sowohl von der katholischen wie der evangelischen Kirche gleichermaßen akzeptiert. Das war anfangs beim Weihnachtsbaum nicht der Fall.

Die Formen der Pyramiden haben sich im Laufe der Zeit oft gewandelt, das technische Konzept ist aber im wesentlichen bis heute unverändert geblieben. Kerzen erwärmen die Luft, die erwärmte Luft steigt nach oben und führt zur Drehbewegung der Flügel. Diese übertragen die Drehbewegung über eine fest verbundene Welle auf die einzelnen Scheiben. Unterschiedliche Neigungswinkel der Flügel haben Auswirkung auf die übertragene Kraft und die Drehgeschwindigkeit. Neben dem traditionellen Material Holz findet man auch Gestelle und Flügel aus Metall.

Bestückt werden die Pyramiden vor allem mit "Manneln". Traditionell sind das Krippendarstellungen, Engel, Kurrende-Sänger, Bergleute als Turmbläser, Nussknacker und Tiere des Waldes. In alten Modellen umrahmt mitunter ein eingezäunter Paradiesgarten den Fuß der Pyramide.

Der technische Fortschritt hat natürlich auch vor den Pyramiden nicht halt gemacht, so dass heute bei größeren Exemplaren ein Elektromotor als Antriebskraft dient. Die vielen im Freien aufgestellten Pyramiden, deren Zahl in letzter Zeit kontinuierlich wächst, würden ohne Strom kaum "laufen" können. Außerdem wird durch elektrische Kerzen die Feuerwehr zu Weihnachten entlastet ;-)

Pyramidenflügel     Pyramide mit Motor

Für viele Einheimische und Gäste ist es längst zur Tradition geworden, an einem Abend in der Adventszeit zu einer Pyramidenfahrt durchs Gebirge zu starten. Über die älteste Pyramide des Erzgebirges in Schwarzenberg wurde schon oft berichtet. Nach einer Erneuerung Mitte der 90-er Jahre kann man sie beim Aufstieg vom Bahnhof zum Markt bewundern. Im 9. Fenster des diesjährigen Adventskalenders wurde ja schon davon berichtet. Beginnend in Chemnitz wird man in den letzten Jahren auch viele neue Pyramiden entdecken können, so z.B. in Grüna und Klaffenbach:

Pyramide Schnitzerheim Grüna     Pyramide vor Rathaus Grüna     Pyramide Klaffenbach

Bei der Reise wird man verschiedenste Formen und Größen antreffen. Neben gedrechselten oder geschnitzten Weihnachtsfiguren und Bergleuten findet man z.B. eine Bergwerksdarstellung in Geyer, ein Pyramidenhaus in Seiffen (2. Bild oben) oder Frauenstein, eine verglaste in Sosa (nächstes Bild) oder eine Krippenpyramide vor der Kirche in Thum. Ob wohl die höchstgelegene erzgebirgische Weihnachtspyramide in Oberwiesenthal oder auf dem Fichtelberg steht ?

Allen, die in diesem Jahr noch zur Entdeckungstour starten, viel Freude und ein paar erlebnisreiche Stunden. Hier noch zwei Strophen aus einem Kinderlied über die Pyramide:

Dreht leise sich im Kerzenschein
das große Flügelrad,
dann wird bald wieder Weihnacht sein
im Dorf und in der Stadt.

Drei Scheiben dreh'n sich ohne Ruh
im Kerzenlicht dahin.
Die Kinder schauen staunend zu
mit weihnachtlichem Sinn.


Annaberg-Buchholz ist ein Zentrum der erzgebirgischen Tradition. Im Januar 2002 fand eine große Pyramidenausstellung statt, von der ich hier noch einige Eindrücke geben möchte.

Pyramiden-Information Annaberg

Weihnachtsausstellung im Erzhammer in Annaberg-Buchholz



Version zum Ausdrucken


© Text und Fotos: Matthias Ehrig
Ursula Riedel, Die TU-Wichtel im Dezember 2002

Adventskalender der TU Chemnitz 2002